Buchbesprechung

Der Regenwurm ist immer der Gärtner

von Amy Stewart

Buchbesprechung von Farah Lenser

Amy Stewart, Autorin dieses wunderbaren Buchs über den Regenwurm, bezeichnet sich selbst als Gärtnerin und nicht als Wissenschaftlerin. Doch was sie hier über ihre Beobachtungen zu Regenwürmern im Dialog mit Biologinnen, Botanikern und Wurmforschern zusammengetragen hat, unterscheidet sich nicht so sehr von der Forschungstätigkeit ihres großen Vorbilds Charles Darwin, der vor rund 150 Jahren einen Großteil seiner Forschungs- und Lebenszeit ebendiesen erstaunlichen Geschöpfen widmete.

In seinem letzten Werk „Die Bildung der Ackererde durch die Thätigkeit der Würmer“ aus dem Jahr 1881 beschreibt er den bis dahin und gemeinhin für einen Gartenschädling gehaltenen Regenwurm als Freund des Menschen. Seine Beobachtungen zeigten, dass „die gesamte Ackererde überall im Land viele Male durch die Darmkanäle der Würmer gegangen ist und dies auch noch viele Male tun wird.“

Doch Regenwürmer sind nicht nur ein Segen für die Landwirtschaft, sondern auch für die Archäologie. Das entdeckte Darwin in Stonehenge, als ihm gewahr wurde, dass Würmer Ruinen durch ununterbrochenes Begraben vor dem Verwittern an der Luft bewahren und so für die Nachwelt erhalten. Neuere Forschungen zeigen, dass sie auch Schadstoffe absorbieren können, was sie als Bioindikatoren und sogar zum Abbau von Giftstoffen interessant macht.

Amy Stewart hat nicht nur ein wissensreiches Buch über den Regenwurm geschrieben, sondern auch gezeigt, dass sich echte Forschung dadurch auszeichnet, dem Forschungsgegenstand mit Empathie zu begegnen – eine Haltung, die schon Charles Darwin auszeichnete.

Oekom Verlag, 2015
256 Seiten
19,95 Euro

ISBN: 978- 386581731

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