Die Klangburg

Plantentöne im Toggenburg.

von Christoph Hintenender erschienen in Hagia Chora 3738/2012

Erstaunliche Skulpturen ­stehen am „Klangweg Toggenburg“ in der Ostschweiz. Sie bringen die Berglandschaft zwischen den Flüssen Thur und Necker zum Schwingen. Eine der Klangskulpturen geht eine ­besondere geomantische Beziehung zur Umgebung ein.

Die „Klangburg“ ist ein Instrument aus Klangröhren, das von Ramon Weiß und mir im Frühjahr 2009 für die Klangwelt Toggenburg in der Schweiz entworfen und gebaut wurde. Als dreiundzwanzigstes Instrument markiert es an der Liftstation Wildhaus-Oberdorf das westliche Ende des Klangwegs, der über das Rheintal auf den Vorarlberg blickt. Seit dem 30. Mai 2009 steht es jeden Sommer am Wegesrand vor einer Almwiese neben dem Kinderspielplatz des Hotelrestaurants zwischen den majestätischen Zweieinhalbtausendern Gamsruggen und Säntis.
Es ist genau für diesen Ort gebaut. Spielen kann es jeder ohne Vorkenntnisse, alleine oder in einer Gruppe. Seine Klangröhren sind auf „Planetentöne“ gestimmt, die um den Standort in der Landschaft resonieren. Wer es spielt, schwingt also mit dem, was ihn umgibt. Dabei kann ein unerhörtes Gefühl von Verbundenheit entstehen, bis in den Körper hinein.

Planetentöne
Im Nachhinein verstand ich, dass die Geschichte dieses Instruments für mich schon im Dezember 2008 auf einer ­Geoformance von Siegfried Prumbach in München begann, für die Ramon aus der Schweiz gekommen war. Er fragte mich nach einem Harmonielehrebuch, weil er sich intensiver mit Musiktheorie beschäftigen wollte. Ich riet ihm zu Hans Coustos „Die kosmische Oktave“.
Der gebürtige Schweizer Hans Cousto hatte in den 1980ern während seines Mathematikstudiums in München die Idee, Keplers „Harmonices Mundi“ nachzurechnen. Dazu nahm er die durchschnittlichen Umlaufgeschwindigkeiten der Planeten, rechnete sie in Frequenzen um und oktavierte sie auf hörbare Töne. Davon ließ er Stimmgabeln fertigen, die nach seinen Selbstversuchen zu Heilzwecken eingesetzt werden, ähnlich Klangschalenmassagen.
Ramon überraschte mich mit einem Anruf Anfang 2009: Er hätte den Auftrag für ein Instrument auf dem Klangweg Toggenburg und bat um Mithilfe. Seine Idee war, mit Klangröhren zu arbeiten, die beim Durchschreiten des Instruments über Trittmechaniken angeschlagen werden. Die Töne sollten mit dem Ort zu tun haben. Ich verstand wenig, verspürte aber so große Lust darauf, dass ich sofort zusagte.
Neben der Frage nach Konstruktion und Form, was in meinem Planungsbüro für ökologisches Bauen meinen Brotberuf bildet, stellte sich die Hauptfrage, welche Töne wir nehmen würden.
Ramon und ich hatten unabhängig voneinander Erfahrungen mit Resonanztönen an Orten. Diese Frequenzen finden sich spontan beim Singen. Ihre Resonanz mit dem Land ist im ganzen Körper spürbar, wenn man den entsprechenden Ton trifft. Wie ließe sich das mit einem Instrument physikalisch umsetzen?
Theoretisch könnte man mit Mikrofon und Oszilloskop die gesungenen Resonanztöne analysieren und nachbauen. Aber das drohte technisch aufwendig zu werden und versprach wenig Spaß. Wenn wir aber davon ausgingen, dass Planetentöne an Orten auftreten, weil die Erde unter dem Gravitationseinfluss der Planeten entsprechend mitschwingt, könnten wir diese mit Coustos Stimmgabeln finden und bräuchten nur die Töne nachzubauen, die an diesem Ort resonieren – so unsere Idee, die wir in die Tat umsetzten.

Klangburg und Landschaft
An Michaeli 2010 durfte ich selbst die Wirkung des Instruments mit einer illustren Gruppe erfahren. Nicht, dass Ramon und ich unser Instrument vorher nicht ge­spielt hätten. Seit seinem Bau am Zürichsee erlebten wir immer wieder Wunderbares mit unseren Klangrohren. Wir hatten sie in der Werkstatt an die Heizungsrohre gehängt und tönten jede Nacht nach getaner Arbeit mit ihnen, bis wir jeden Klang einzeln kannten und in ihren Zusammenklängen immer neue Ober- und Untertöne fanden. Eines Nachts antworteten darauf die Schafe von einer nahegelegenen Weide mit einem langen Konzert ihrer Schellen. Wir waren glücklich.
Auch bei der Einweihung 2009 wurde gespielt, aber da waren offizielle Dinge wichtiger. Das eigentliche Ziel, am Standort mit mehreren Menschen die dort gefundenen Töne ausgiebig mit der Landschaft zu konzertieren, war für mich erst 16 Monate später dran.
Eigentlich hatte ich geplant, privat zu einer Lesung von Galsan Tschinagg ins Toggenburg zu fahren, das Vorhaben aber schon als zu aufwendig aufgegeben. Da kontaktierte mich Margrit, eine Astrologin und Klangbegleiterin, die mit ihren frisch ausgebildeten Kollegen am Klangweg gerne mehr über unser Instrument erfahren wollte. Wir vereinbarten am Tag der abendlichen Lesung gegen Mittag ein Treffen am Instrument. So fährt mich im September 2010 der Dieseltriebwagen München–Lindau in einer langen Kurve um einen See im Allgäu, gerahmt von Bäumen und Bergen, oben Himmelblau unten Wasserblau – sonst nichts. Das lebendige Bilderbuch zieht vor meiner Fens­terscheibe entlang wie die inneren Bilder aus den letzten anderthalb Jahren, die mir wie mein halbes Leben vorkommen. Veränderungen am laufenden Band, auch scheinbar unerträgliche, die sich jetzt in der goldenen Sonne auflösen: Altweibersommer in Bayern.
Die Fahrt in die Berge, erst mit dem Postauto über den Rhein nach Buchs und von dort den Pass hoch nach Wildhaus, verlangsamt mich. Der Busfahrer fährt die letzte Strecke inklusive Baustelle wie einen Tanz – mit seinem Doppeldecker!
Die Sesselbahn bringt mich schließlich zum Klangweg, und ich beschließe, mich vor dem Treffen um das Instrument zu kümmern. Die Stahlseile der Klangrohraufhängungen dehnen sich und werden von Kindern auch unplanmäßig beansprucht. Während des Werkelns komme ich an und immer tiefer in die Materie der Seilverspannungen und Rohraufhängung hinein. Die Zeit vergeht wie im Flug. Im Liegen sehe ich plötzlich vier Damen auf der Bank sitzen. Das müssen sie sein. Margrit stellt sich vor. Ich freue mich über die erste Begegnung, bin aber etwas enttäuscht, dass es nur so wenige sind.
Schon während der Vorstellungsrunde kommen mehr Menschen dazu, jetzt viele Männer, darunter Peter Roth, Intendant und Initiator des Ganzen. Er fragt, wie man diese Töne im Herzen spüren kann. Da kommt eine weitere Gruppe. Ein Gesicht darunter ist asiatisch. Ja, es ist Galsan Tschinagg. Später erzählt mir Margrit, sie hätten ihm gesagt, dass ich wegen ihm aus Bayern komme. Da sagte er: Dann gehe ich auch zu ihm. Ich bin beschäftigt, den Faden meines Vortrags zu halten, und kürze die Begrüßung aufs höfliche Minimum, um spontan die Energie von nun gut 20 Menschen zu integrieren. Ich erzähle, wie es zu dem Instrument mit den Planetentönen kam:
Bei unseren Besuchen des Klangwegs, noch vor dem Beginn unserer Arbeit, begeisterten Ramon und mich die 22 bereits realisierten Instrumente, die Berge und Tal durch Tradition und Innovation, mit Material und Klang, teilweise auch Melodien der Gegend spielerisch spürbar machen, wie die hölzerne Klangbrücke, die sich mit Stöckchen aus dem Wald anschlagen lässt. Als Züricher und Münchner waren wir vor die Herausforderung gestellt, ­diese Vorgabe zu bereichern, ohne hier heimisch zu sein. Da half der „zivilisatorischere“ Standort unseres Instruments an den Sesselbahnstationen, im Gegensatz zu den romantischen Plätzen der meisten Instrumente an einem Höhenweg im Wald. So konnten wir abstrakter werden, vertieften die Idee, Mensch und Landschaft über das Resonanzprinzip zu verbinden.
Als wir mit den Stimmgabeln von ­Cousto erstmals am Ort arbeiteten, war es tiefer Winter. Wir wussten nicht, was sich die Skifahrer dachten, als sie drei Gestalten im Schnee stehen sahen, die sich einer nach dem anderen im Kreis drehten, nachdem sie eine Gabel weitergegeben hatten.
Um ein sauberes Ergebnis zu erzielen, arbeiteten wir „doppelblind“: Einer von uns bekam eine Stimmgabel aus dem Köfferchen gereicht, ohne zu wissen, welche es war. Der Testende spürte, was mit der Stimmgabel in seiner Hand passierte und sagte zunächst nichts. Nach einer Runde tauschten wir uns aus und notierten die Ergebnisse. Bald merkten wir, dass wir die Gabeln gar nicht anschlagen mussten, sondern die Intensitäten schon spürten, wenn wir sie wie Antennen nutzten.
Das für alle eindeutige Ergebnis (in abnehmender Intensität geordnet):
! Der Sonnenton schwingt als stärkster Ton zwischen Säntis und Gamsruggen (Nord–Süd);
! Der Erdenton steigt quasi aus der Kräuterwiese des Hügels hinter dem Instrument auf (Nordwest);
! Venus/Aphrodite singt von der gegen­überliegenden Alm (Südost);
! Saturn und Jupiter scheinen um den Standort zu kreisen;
! Neptun zieht es vom Hügel in Richtung Vorarlberg (West–Ost), und
! Pluto hat auf gewisse Weise mit dem Hotel zu tun (Nordost).
Die resonierenden Töne sprechen wesentlich lauter an, klingen länger und vibrieren teilweise schon ohne Anschlagen in der Hand. Merkur, Mars und Uranus blieben indifferent bis still. Nur der zuletzt gemessene siderische Mondton zeigte ein atypisches Verhalten. Er sprach laut an, aber verstummte schnell, fast abrupt, was als „aperiodischer Grenzfall“ bekannt ist. Wenn man beispielsweise ein Pendel zu stark anstößt, kommt es nach einer halben Auslenkung abrupt zur Ruhe.
Wir entschlossen uns deshalb, den Mond nicht als Klangrohr zu bauen, ihm bzw. ihr jedoch in der Form des ganzen Instruments Rechnung zu tragen: Ein Kelch mit silberner Schale oben. (Erst sollte sie golden werden, doch beim Skizzieren färbte der goldene Stift silbern. Vorher und nachher malte er wieder golden.)
Die Klangröhren sind senkrecht zwischen die zum Himmel geöffnete Schale und die irdische Holzplattform gespannt. Darauf kann man das Instrument umschreiten oder zu mehreren stehen.

Das Konzert
Irgendwann während meiner Erzählungen war Galsans Zeit um, und er wollte sich verabschieden. Als er dabei über meine kalten Hände erschrak, wärmte er sie und gleich noch meinen Kopf. Meine damals chronischen Zahnschmerzen waren danach für Tage verschwunden. Durch diese Herzlichkeit hatte ich den Mut, ihn zum Bleiben zu bitten. Ich wollte unbedingt das Klangerlebnis mit ihm teilen und bat um fünf Minuten. Ich rief alle auf das Instrument, und sie nahmen sich spontan bei den Händen. Wer sollte es jetzt spielen? Ich bemerkte Kinder, die um uns herumrannten, hob meine Hand und damit die meines Nachbarn, drehte mich – und die Kinder schlüpften durch die winzige Lücke hinein. Keine Scheu. Sie donnerten sofort auf den Röhren los, dass es für manchen Musiker in der Runde schmerzhaft wurde. Da rief ich: „Jeder singt den Ton, den er erwischt!“, und es baute sich spontan ein himmlischer Chor durch die Kehlen der im Kreis stehenden Menschen auf. Es waren Profis und Laien, begnadete Obertonsänger und Kehlsänger dabei. Ich schloss die Augen, ging nach innen und folgte dem Ton in mir, der mit den anderen war. Das Ende des spontanen Stücks war allen klar. Dann blieb die Stille. Da begann die Landschaft um uns her­um sich meinem inneren Auge zu zeigen, und wir verschmolzen mit ihr für eine Ewigkeit von einem Augenblick. Als ich die Augen öffnete, war ich selig. Die Kinder ver­schwanden, wie sie gekommen waren.
Ich wünsche mir immer mehr, wie diese Kinder zu sein: zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein, zu wissen was zu tun ist, sich durch scheinbar übermächtige Hindernisse nicht abschrecken lassen, sagen was man will, die Chance ergreifen, die sich bietet und ohne zuviel Denken das Vitalste aus der Situation machen – und spüren, wenn es vorbei ist. Statt nachzutrauern: Auf zu neuen Abenteuern!
Beim ersten Niederschreiben dieser Erlebnisse sah ich, dass dieser himmlische Tag dem Erzengel Michael zugeschrieben ist: Es war mein Michaeli 2010.

Gestalt und Klang finden
Bis zu dieser Sternstunde hatte ein langer Weg geführt. Der Gestaltungsprozess des Instruments schien schwieriger als das Finden der Töne. Solange wir bei der ursprünglichen Idee des Durchschreitens von seitlich horizontalen Klangrohren blieben, geriet es mir immer zum „Buswartehäusel“. Ich traute mich lange nicht, es rund zu machen. Den Ausschlag dazu gab dann meine Geliebte, als ich ihr die Geschichte mit dem Mond erzählte. Dieser weibliche Impuls zündete sofort, und die Gestaltung ergab sich wie von selbst.
Die Klangrohre hängen, wie gesagt, zwischen zwei Resonanzkörpern: Oben sind sie an der mondförmigen Schale mit ihren geschlossenen Edelstahl-Vierkantrohren befestigt, unten am Holzklangkörper über der Erde, der auf acht radialen Speichen Standroste trägt. Die horizontale Schallabstrahlung sollte wegen der Restau­rantterrasse gering sein. Wir wählten für das Instrument deshalb Reflexionsplatten ohne Resonanzraum. Damit blieb die Mitte frei, eine „Pranaröhre“, über die Himmel und Erde kommunizieren.
Die Geometrie der Klangburg ist komplex. Die „zivilisierte“ Umgebung der Bahnstation ermutigte uns zu einem technoiden Entwurf aus Holz und Stahl, einer senkrechten Gestalt wie ein Mensch oder ein Baum. „Wie bei einem Tipi“, freute sich die junge Mutter, die mit Galsan kam. Solche Rückmeldungen machen mich glücklich, denn wenn eine Gestalt Bezüge besitzt, die nicht geplant waren, halte ich das für ein Indiz, dass ein „Holon“ gelungen ist, eine Ganzheit, wie z. B. eine hochgotische Kathedrale, um ein unbescheidenes Beispiel zu nehmen. Ein Kieselstein wäre ein anderes Beispiel.
Zur Verbindung mit dem Klangweg und dem Wald wählten wir Holz als Hauptbaustoff, das in den drei tragenden Säulen von je drei Metern Höhe astreich sichtbar belassen ist und die silberne Schale als Edelstahl-Fiberglaskomposit mit drei Metern Durchmesser trägt. Sie sind mit drei Holzplatten in schwarz, weiß und rot zum gleichseitigen Dreieck versteift, um alle Druckkräfte in allen drei Raumrichtungen übernehmen zu können. Diese sind gleichzeitig die Klangplatten, die wir noch mit Archetypen verzierten. Für die entgegengesetzten Zugkräfte wurde im Grundriss ein zweites, dazu um 180° verdrehtes Dreieck gewählt, was einen Davidstern ergibt. Die drei Stahlseile erden die schwere Edelstahlschale auch bei Orkanböen im Betonfundament. Dieses wurde quadratisch, was traditionell der Erde entspricht. Ursprünglich hatte ich ein rundes Fundament aus Kanalrohren bestellt, aber das wurde abgelehnt. So kam es zur symbolischen Würdigung der Erde durch die quadratische Platte, die mit einem gro­ßen runden Loch zur Atmung in der Mitte auf ihr liegt.
So eine Entwicklung schafft Vertrauen: Wenn ich etwas vergesse oder einen Fehler mache, werde ich korrigiert. Auch Ramon machte diese Erfahrung. Er entwickelte einen genialen Spiel-Mechanismus, der die Röhren mit einem Klöppel anschlug, wenn sich ein Mensch auf das Instrument stellte. Unter dem Gewicht klappte der jeweilige Holzrost ein paar Zentimeter nach unten, löste über ein Seil den Mechanismus aus, der mit Magnetauslöser den richtigen Impuls an den Klöppel gab.
Die gut funktionierende Mechanik mussten wir dann aus Lautstärkegründen und wegen Verletzungsgefahr an den Aufbauteilen wieder ausbauen. Jetzt schlägt man einfach mit der Hand an.
Zwischen Schale und Basis sind die Klangröhren mit dünnen Stahlseilen eingespannt, um den Klang nach oben und unten abzugeben. Ein Instrumenten­bauer hatte uns gefragt, warum wir die Rohre nicht am „richtigen“ Auflagepunkt gebohrt hatten. Das hätte mit der vertikalen Seil­aufhängung zu große Auslenkungen im Wind ergeben oder zu hohe Spannungen für die Löcher in den Aluminiumrohren gefordert. Deshalb haben wir einen neuen Punkt für die Aufhängebohrung gefunden, der um die Hälfte näher am Rohrende liegt und das Rohr auch sehr gut klingen lässt. Wenn man den Kopf zwischen die Klangrohre steckt, hört man zu den herrlichen Obertönen, die von der Schale reflektiert werden, noch sehr tiefe Bässe. Wie kann das sein? Ich nehme an, dass die tiefen Grundtöne der langen Rohre interferieren und dort „Untertöne“ aufbauen. Damit sind wir wieder bei den Tönen: Das erste Klangrohr entstand noch in München. Es ist das einzige geschweißte Rohr und auf den Erdton abgelängt. Wenn sich Menschen intensiver mit diesen himmlischen Klängen beschäftigen, ist eine gute Erdung wichtig, und so empfehle ich, beim Spielen der Klangburg mit dem Erdenton zu beginnen und zu enden. Sein Rohr steht nach Nordwes­ten, zu dem Kräuterwiesenhügel gerichtet, aus dem sein Ton aufsteigt.
Wo Klänge die Seelen der Erde berühren, entsteht Magie. Wenn eine Seele mit der Weltenseele schwingt,
ist es Mystik. Mit himmlischen Harmonien spielen wir uns mitten in die Weltseele hinein. 

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Ordnung der Töne
Die sieben in Oberdorf klingenden Planetentöne galt es zu ordnen. Denn so harmonisch, wie Johannes Kepler dachte, hören sich die Planeten für unsere temperierten Ohren doch nicht an. Mit Hilfe meines Computers fand ich folgende ganzzahlige (harmonische) Schwingungsverhältnisse:
! Sonne und Erde: 13 : 14 (für 1: 9,7 Hz), das ist für unsere Ohren ein sehr „bluesiger“ Halbton;
! Neptun und Pluto: 3 : 2 (auf 1 ca. 70 Hz), die beiden erzeugen eine reine Quint;
! Saturn und Jupiter: 4 : 5 (ca. 36,8 Hz), hier klingt eine große Terz.
So ergab sich für diese sechs Töne eine paarweise Zuordnung zu den drei Seiten des Instruments. Zur Überraschung ist die verbleibende Venus zu den beiden großen Herren Jupiter und Saturn harmonisch und ergänzt deren Terz zu einem wunderbaren Akkord (4 : 5 : 6). Für Musiktheoretiker: ein D-Dur in Grundlage, in sich sauber gestimmt auf a' = 442,46 Hz; Jupiter und Saturn klingen zusammen erst etwas „gedrückt“ temperiert. Wird dazu die Venus angeschlagen, geht einem das (reine) Herz auf.
Das brachte die Idee, auch die anderen Planeten-Paare mit einem versöhnenden dritten Ton auszustatten. Denn die Geometrie des Instrumentes war auf maximal 9 Ton­­orte ausgelegt. Bei Erde und Sonne gelang das durch einen gemeinsamen Grundton.
Ein entsprechender Grundton für Neptun und Pluto fehlte noch, der erste Versuch, ihn einzubauen, scheiterte an einem zu langen Rohr. Das eröffnete die Chance, ein neues Rohr einzubauen, das ebenfalls einen 4 : 5 : 6-
Akkord entstehen lässt, allerdings deutlich tiefer als der vorher beschriebene: Er stünde in D auf a‘ = 421Hz, fast ein Halbton. Für uns wäre es also eher ein Des oder Cis-Dur.
So erklären sich die Dissonanzen beim „ungeordneten“ Spielen der Planetentöne: drei Töne auf tiefem D und drei Töne auf hohem Cis erzeugen starke Reibung.
Aus den sieben gefundenen Planetentönen entstanden mit den zwei Ergänzungstönen also drei dreistimmige Akkorde für die drei Seiten des Instruments. Jede Seite klingt in sich harmonisch. Zusammen gespielt, klingen sie erst gewöhnungsbedürftig, nach kurzer Zeit aber himmlisch.
Die räumliche Ausrichtung des dreiseitigen Instruments erfolgte dann möglichst nach den vorgefundenen Tonrichtungen:
Die Erde zeigt zu ihrer Wiese, an der weißen Seite hängt ihr die Sonne gegenüber, dazwischen der „Christophton“. Die Venus zeigt in der Mitte der roten Seite zu ihrer Alm, Jupiter und Saturn zu ihren Seiten, wie Pluto und Neptun auf der schwarzen Seite.
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Christoph Rafael Hintenender, Leiter der Hochbauabteilung einer Ingenieurgesellschaft, Integraler Geomant und holistischer Designer (A.M.A), Gitarrist und tuvinisch initiierter Kehlsänger, Vater einer Tochter. hintenender@t-online.de