Golfen mit Yin und Yang

Der Feng-Shui-Golfplatz in Fürstenzell
ist eine ungewöhnliche Sportanlage

von Anna Katharina Buse erschienen in Hagia Chora 36/2011

Ein ungewöhnliches Projekt in der niederbayerischen Idylle bei Passau: Die Feng-Shui-Architektin Anna Katharina Buse gestaltete einen Golfplatz nach Feng-Shui-Kriterien. Der Platz will mehr sein als eine gediegene Sportanlage. Er vermittelt seinen Besucherinnen und Besuchern ein Gefühl für Stille, den Fluss der Zeit und den Blick nach innen. Er ist ein offener, mit der Umgebung verbundener Ort geworden, durch den ein öffentlicher Spazierweg führt.

Am Bromberg im niederbayerischen Fürstenzell bei Passau entstand 2009 der erste Feng-Shui-Golfplatz Deutschlands, ein Projekt, das die sportliche Betätigung, die landschaftliche Schönheit und die energetischen Gegebenheiten des Orts verbindet. Ein Golfplatz wirkt oft extrem künstlich, wie ein Ort von einem anderen Stern. Am Bromberg war hingegen Integration das Ziel. Der Platz und seine Gebäude sollten behutsam in die bestehende Natur, zu der auch eine geschützte Bachaue und Teiche gehören, eingebunden werden. Wir wollten die Energien von Bergen, Bäumen und anderen Elementen der Landschaft einbeziehen, vorhandene Kraftpunkte aktivieren und Energieströme markieren und wieder zum Leben erwecken, ohne die Landschaft zu verändern. Eine harmonische Einheit von natürlicher und gestalteter Landschaft sollte entstehen.
Überall, wo neu gebaut wird, wird in die Natur eingegriffen. Auch an diesem Ort. Hier ging es darum, den Eingriff so sanft wie möglich zu gestalten. Statt eine künstliche Welt entstehen zu lassen, sollte der Ort mitten im Fluss des Lebens stehen. So ist der Golfplatz auch nicht abgeriegelt, sondern ein Wirtschaftsweg führt durch das Gelände und wird als allgemeiner Spazierweg genutzt. Außerdem sind nur einheimische Pflanzen auf der Golf­anlage verwendet worden, um den vorhandenen Charakter der Landschaft beizubehalten.
Initiator des Projekts und Besitzer der „Panorama-Golfanlage Fürstenzell“ ist der Passauer Architekt Egon Krassler. Über das Praktizieren von Taiji fand er den Weg zu den östlichen Weisheitslehren und schließlich auch zum Feng Shui. Es war für ihn anfangs nicht einfach, seine Vision von einem nach geomantischen Prinzipien gebauten Golfplatz an alle am Projekt Beteiligten zu vermitteln, aber nach vielen Gesprächen und mit Enthusiasmus und Überzeugungskraft gelang es ihm, das Projekt zu realisieren.
Er stellte ein Team von Feng-Shui-Beraterinnen und -Beratern und Fachleuten zusammen, die ihn bei der Umsetzung seiner Vision unterstützten. Ich übernahm als Feng-Shui-Architektin wesentliche Bereiche der Planung und Umsetzung. Gemeinsam mit meiner Kollegin Anja Maria Fischer entwickelte ich die Planung für das Clubhaus und gestaltete eigenständig das Logo und die Außenanlagen. Bei der Planung der Golfanlage brachte der Feng-Shui-Berater Frank Fischer sein Wissen ein und erarbeitete einen „Energieplan“ des Grundstücks. Die Umsetzung seiner Pläne lag dann bei mir. Ich bezog mich auf die ermittelten energetischen Grund­lagen, forschte auf eigene Faust weiter und entwickelte ein Konzept für die Gestaltung der Außenanlagen von der Zufahrt bis hin zum Clubhaus.

Der Eingang
Der Eingang ist die Visitenkarte des Besitzers. Mit dem ersten Eindruck entsteht der erste Kontakt mit dem Golfplatz, und mit diesem Eindruck wird das ganze ­Areal assoziiert. Auf dem Bromberg empfängt ein Baumtor aus einer gewachsenen Eiche und einer neu gepflanzten Linde die Besucher. Die Eiche steht hier als Sinnbild der Gastfreundschaft, der Männlichkeit und des Muts, die Linde ebenfalls für Gastfreundschaft sowie für Liebe, Güte und Bescheidenheit. Zur Unterstützung des Yin- und Yang-Prinzips wurden zwei Steine aufgestellt. Das Baumtor mit seinen rituell gesetzten Steinen bildet die Pforte zum Golfplatz. Auf dem Weg zum Clubhaus begleiten Platanen den Besucher. Sie stehen für die Leichtigkeit im Denken und nehmen die fließende Energie auf, die auf dem Areal der Golfanlage zu spüren ist.

Himmelsrichtungsgarten und Zen
Auf dem Weg zum Clubhaus lassen feine Klänge den Besucher zunächst eine andere Richtung einschlagen: Wir wollten einen einstimmenden Ort zwischen Parkplatz und Clubhaus schaffen und haben den Himmelsrichtungsgarten als einen Ort der Ruhe entworfen. Die silbrige Musik einer Klangharfe lockt die Besucher dorthin und lässt sie unwillkürlich den feineren Ebenen dieser Welt zuhören. Die Gestaltung des kreisförmigen Zen- und Himmelsrichtungsgartens beruht auf dem Prinzip der fünf Wandlungsphasen: Roter Terrakot­tasplit und gedrehte Zirbelkiefer symbolisieren den Süden und das ­Feuer, blaue Basaltsteine und Buxbaumkugeln den Norden und das Wasser, Holzstufen und aufwärtsstrebender Bambus den Osten und das Holz, geschwungene Formen aus Metall sowie silberne Kugeln den Westen. Nur hier im Garten sind einige asiatische Gehölze gepflanzt. Der als Randbepflanzung gewählte Bambus steht sinnbildlich für Lebensfreude und „Leichtigkeit im Sein“, während der Buchsbaum das geistige Potenzial stärkt und die Strahlung von Wasseradern ableiten kann. Der Garten hat einen Durchmesser von 35 Metern. Aus jeder Haupthimmelsrichtung gibt es einen Zugang. Sein Zentrum bildet ein Mandala aus sieben Buchsbaumkugeln.
Innerhalb des Gartens befindet sich ein Punkt mit besonderen energetischen Eigen­schaften. Ich nenne ihn „Reinigungspunkt“, denn er kann helfen, die Sinne zu schärfen und sich mit dem Ort zu verbinden. Ihn aktiviert die sanfte Schwingung der Klangharfe. Wer sich dorthin begibt, erlebt, wie sich die eigene Aufmerksamkeit von der materiellen auf die feinstoffliche Ebene verlagert. Dann ist es einfach, von alten Gefühlen und Gedanken Abstand zu nehmen und unerwünschten Emotionen eine neue Richtung zu geben.

Das Clubhaus
Der Platz für das Clubhaus ist bewusst auf einem neu errichteten Plateau verortet. Das Gebäude ist nach einer Analyse der energetischen Einflüsse am Ort nach der Methode der fliegenden Sterne ausgerichtet. „Der Mensch und seine Umwelt sind eins“, sagt sinngemäß ein chinesisches Sprichwort. Der Baukörper wird im Feng Shui analog zu dieser Aussage wie ein belebter Körper wahrgenommen. Die Eingangstür steht im übertragenen Sinn für den Mund, durch den die Hauptenergie in das Gebäude hineinfließt und das gesamte Gebäude mit Energie versorgt. Die Fenster entsprechen den Augen und der Kamin der Nase.
Das Restaurant in seiner Muschelform öffnet sich zum Südwesten und Westen, um die Qualität dieser Himmelsrichtung in das Gebäude aufzunehmen. Im Gegensatz dazu ist der vordere Bereich zum Nordosten und Osten geschlossen. Runde Öffnungen weisen nach Westen und Nord-Westen. Im Feng Shui wird dem Norden das Element Wasser zugeordnet und steht für das Prinzip der Bewegung und des Fließens. Das bewegte Wasser des Springbrunnens lädt die Energie ein, hineinzufließen. Hier wurde das an das Yin-Yang-Symbol angelehnte Logo mit dem Panorama des Golfclubs in der Gestaltung des Springbrunnens wieder aufgenommen.
Der Eingang leitet Besucher in das Zentrum mit der nach oben geöffneten Glaskuppel. Dieses Zentrum repräsentiert wie die Mitte des menschlichen Körpers die Lebenskraft. Es symbolisiert den Spiegel der eigenen inneren Mitte. Dieser Mittelpunkt ist durch ein eingearbeitetes Mandala im Boden und eine Glaskristallkugel an der Decke gekennzeichnet. Aber es gibt nicht nur die geometrische Mitte, sondern auch das „Herz“ eines Gebäudes oder Geländes. Ich spreche hier vom „Herzstück“. Sowohl der Golfplatz als auch das Clubhaus haben ihr Herzstück, das von mir bei der Grundsteinlegung rituell aktiviert wurde. Die an dieser Stelle im Haus sichtbare Bodenöffnung ist mit Bergkristallen und einem Rosen­quarz aufgefüllt.
Die Lehre der fünf Wandlungsphasen spiegelt sich auch in der Gestaltung der Innenräume und wurde durch die Farb-, Form- und Materialwahl sichtbar gemacht. Das Element Wasser im Bereich Lebensweg ist mit fließenden Formen und Blautönen am Eingang präsent, das Element Holz wurde mit Grüntönen und rechteckigen Formen im Bereich der Toiletten umgesetzt und das Restaurant prägen die Elemente Erde, Feuer und Metall mit entsprechenden Farben und Formen. Ein im Restaurant aufgestellter Felsen steht symbolisch als „Berg“ für Stabilität und Ruhe und setzt sich durch weitere Felsen in der Außengestaltung fort. Zur Erinnerung an die Geschichte der alten Ziegelei, die an diesem Ort lange betrieben wurde, ist im Zentrum ein Wandstück mit einer Aussparung aus alten Steinen errichtet, in der ein Orangenquarzit-Licht brennt.
Die von Süd bis West ausgerichtete Terrasse bietet nicht nur einen Überblick über die gesamte Golfanlage, sondern auch einen Ausblick bis in die österreichischen Voralpen. Ein Duft- und Sinnesgarten sowie ein Naturkräutergarten grenzen ebenso wie eine begehbare Kräuterspirale an die Terrasse. An der Terrasse befindet sich der sogenannte Zentrierungspunkt, an dem sich mehrere energetische Bahnen der Landschaft konzentrieren. Der Platz lädt dazu ein, innere Ruhe und Mitte zu finden und seinen Gefühlen zu lauschen.

Der Golfplatz
Ich erinnere mich noch deutlich daran, dass die Energien, die wir am Anfang der geomantischen Untersuchung auf dem Gelände vorfanden, schlichtweg chaotisch waren. Durch Steinsetzungen und die Gestaltung des Platzes haben sich die Spannungsfelder im Lauf der Zeit deutlich verändert. Dieser Prozess des Umbruchs dauert aber immer noch an. Besonders wichtig war es, das Herzstück des Geländes zu aktivieren und mit einer Steinsetzung, die wir „Energietor“ nannten, in Beziehung zu setzen. So entstand langsam eine immer ausgeglichenere Atmosphäre. Die 18 Abschläge wurden bewusst an kraftvollen Punkten errichtet und mit Findlingen markiert. Unter jedem dieser Steine ist reiner Bergkristall vergraben, um die Wirkung der Steine zu verstärken und damit zur Heilung der durch das Bauvorhaben angegriffenen Flächen beizutragen. Bergkristall hat meiner Erfahrung nach die Eigenschaft, unharmonische Erdstrahlen und Wasseradern abzuschirmen.
In der Philosophie der „Panorama-Golf­anlage“ in Fürstenzell bedeute „Panorama“ neben dem Ausblick auf den Golfplatz und die Umgebung auch, einen Einblick in sein eigenes „inneres Panorama“ zu nehmen, zu reflektieren. Deshalb sind in der gesamten Anlage die gemuteten „besonderen“ Stellen mit Steinen, die vor Ort beim Bauen gefunden wurden, besetzt. Jedem Stein ist ein Segensspruch mit auf den Weg ­gegeben.
Der Text am Yin-Stein lautet zum Beispiel: „Ich lade dich ein, mich mit deinen Händen zu berühren, deine Augen zu schließen, dreimal tief einzuatmen und meine Kraft der Ruhe zu spüren. Stell dir vor, wie die Kraft des Mondes alle deine Zellen durchflutet und du meine Ruhe in der Stille dieses Platzes in dir aufnimmst. dich mit Ruhe und Stille auflädst. Wenn du magst, meditiere einen Augenblick. Öffne in deinem Tempo deine Augen, und gehe ruhig und gelassen deinen weiteren Weg.“
Aber auch das großräumige Panorama lädt zur inneren Kontemplation ein. Die exponierten Golfbahnen im Südwesten und Norden sind als offene Achsen, also als Verbindung zur Landschaft und zum Horizont angelegt. An besonders schönen Aussichtspunkten sind an verschiedenen energetischen Orten Rastplätze angelegt.
Das verbindende Thema der einzelnen Plätze ist das bewusste Wahrnehmen von Zeit, so auch an den Abschlagplätzen: Zeit, um nicht von Loch zu Loch zu hetzen. Zeit, um Entschleunigung in die Freizeit zu integrieren. Zeit, um Druck loszulassen. Das Konzept greift bis in die Gestaltung des Golfspiels hinein: Bei einem Turnier wird der Start mit einem Gong angekündigt, nicht mit einem Schuss aus der Pistole. Die Betreiber des Platzes wollen die Ganzheitlichkeit sowie das Leitthema bis in die Golfschule hinein umsetzen.
Die Anlage und ihre Gestaltung werden von den Golfern positiv an- und wahrgenommen. Als Feedback hören wir vor allem, dass die Menschen zur Ruhe kommen und man stundenlang spielen kann, ohne müde zu werden. Viele kommen nur, um die Anlage zu genießen. Die Terrasse mit ihrem Ausblick ist ein wunderbarer Platz, und das Restaurant ist auch für Gäs­te offen. Zudem gibt es den öffentlichen Weg durch die Anlage.
Die Visionen von Egon Krassler reichen längst über den Bau des Feng-Shui-Golfplatzes hinaus. Der ursprüngliche Impuls für den Bau der Anlage war sein Traum von einem ganzheitlichen Bewegungszentrum. Ein Traum, der weiterlebt. Außerdem plant der Architekt, ein Baumhaus in einen der Bäume des Golfplatzes zu bauen - um dort zu wohnen und den Platz immer um sich zu haben.