Von Geomantie zur Geokultur

von Marko Pogačnik erschienen in Hagia Chora 33/2009

In dieser Kolumne schreibt der Geomant, Bildhauer und Erdheiler Marko Pogaˇcnik über seine Erkenntnisse und ­Impulse, die er aus seinen Zwiegesprächen mit der Erde gewinnt. Diesmal spricht er von einer neuen „Geokultur“, die die Erde aus sich heraus entstehen lassen will. Der Mensch kann sich entscheiden, daran teilzuhaben.

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Im letzten Winter, Anfang 2009, kam es zu einem traurigen Vorfall in Zagreb. Das Lithopunktursystem, das ich vor vier Jahren für die Stadt geschaffen hatte (es wurde durch das Kulturamt der Stadt finanziert), ist heimlich, still und leise abgebaut worden. Zum Glück nicht der Geopunkturkreis, von dem Hagia Chora berichtet hat! Es gab gewisse politische Turbulenzen in Kroatien, denen mein Werk zum Opfer gefallen ist. Kein öffentliches Medium durfte in diesem Land darüber berichten. Wir wendeten uns an den slowenischen Kulturattaché in Zagreb, ob er uns in der Lage behilflich sein könne. Seine E-Mail wurde mir zur Kenntnis weitergeleitet. Darin fiel mir ein Tippfehler auf, durch den ich inspiriert wurde, einen möglichen Weg zur Weiterentwicklung der Geomantie zu entdecken. Anstatt „Lithopunktur“ schrieb der Botschafter „Geokultur“!
„Ja“ rief ich laut in meinem Kopf, als ich jene Mail las: Es geht bei meinem Vorhaben nicht nur um Geomantie als einen Teilaspekt des ganzheitlichen Denkens und Handelns. Es geht um eine neue Kultur des Wohnens im Erdraum, um eine neue Kultur der Beziehung zur Erdseele, eine neue Kultur des Umgangs mit der Mehrdimensionalität der Landschaft, eine Kultur des kreativen Austauschs mit dem Gaia-Bewusstsein. Es geht um Geokultur!
Nachdem die Euphorie um die neue Vision verflogen ist, schließt sich die Frage an, wie so eine weltweite Geokultur auf die Beine gestellt werden könnte.
Ich habe nichts gegen Geomantie. Die geomantische Forschung ist ständig dabei, Werkzeuge zu einem neuen Verständnis von der Erde und von ihrem Lebensorganismus zu entwickeln. Auch die hie und da in der Öffentlichkeit auftauchende Stimme der Menschen, die ihre geomantischen Erfahrungen und Einsichten mit Mitmenschen teilen, ist kostbar, nicht zu reden von den geomantischen Projekten, die praktisch umgesetzt werden. Aber man kommt meines Erachtens auf diesem Weg nie zum Quantensprung, durch den die Geomantie zu einer allgemein verbreiteten, globalen Geokultur aufsteigen würde.
Damit so etwas zustandekommen kann, müssten sich die verschiedenen Kulturen – die Wissenschaft inbegriffen – zuerst von der allgemein geltenden Weltsicht abkoppeln, die Erde sei ein Rohstoffmagazin unserer menschlichen Existenz, als sei die ganze Erde ein Konsumartikel, als bekämen wir von ihr unsere Körper geliefert, die Erze für unsere Industrie, Silizium für unsere Computer und schöne landschaftliche Aussichten zum Genuss für unsere emotionale Seele.
Bevor eine radikale Abkoppelung von dieser Sicht stattfinden kann, müsste Gaia, Terra, die Erde als ein kosmisches, allumfassendes Bewusstsein erkannt werden, als ein Bewusstsein, mit dem man durch Kooperation eine neue planetare Kultur aufbauen kann.
Bevor die Erdseele als ein autonomes Bewusstsein, als potenzielle Mitschöpferin an der Seite der Menschheit erkannt werden kann, müsste der Mensch Abstand nehmen von der Dominanz des rationalen Denkens, durch das die Mehrdimensionalität des Lebens verhüllt wird.
Bevor die Stimme der Herzintelligenz, welche die Logik des Verstands übersteigt und einschließt, gehört werden kann, müsste der Mensch den Weg zur seiner geistig-seelischen Mitte wiederfinden – ethisch fundiert und individuell, jenseits der Auswege, die durch verschiedene Religionen angeboten werden.
Wie kann man die Entwicklung der globalen Zivilisation in der skizzierten Richtung in Bewegung bringen? Mit ein paar wenigen Enthusiasten? Halt! Diese Frage ist falsch gestellt. Bei der Geokultur geht es doch um eine Kultur, die bewusst durch das Mitwirken des Erdbewusstseins und seiner verschiedenen unterirdischen und kosmischen Dimensionen entstehen kann. Das schöpferische Mitwirken anderer Wesenheiten des Erdbewusstseins ist dabei unentbehrlich. Der Mensch stellt „nur“ einen der vielen Aspekte des Erdbewusstseins dar – wohl den Aspekt des Gesamtbewusstseins der Erde, der fähig ist, bestimmte kosmische Dimensionen in das Gaia-Bewusstsein einzuflechten – und doch nur einer unter den vielen.
Wenn der erfolgreiche Quantensprung zur Erschaffung der allumfassenden Erdkultur nicht nur vom menschlichen Wollen oder Nicht-Wollen abhängig ist, wo sind andere „Mechanismen“ zu spüren, die in der Richtung des Quantensprungs schon tätig sind? Vertraut man dem Erdbewusstsein als einem Partner auf diesem Weg, so sollte man auch auf seine möglichen praktischen Initiativen achten.
Seit diese Kolumne vor zehn Jahren begann, indem ich hier über interessante Erfahrungen bezüglich der Wandlungen im Kraftorganismus der Erdoberfläche schrieb, sind viele – nicht nur meine – Berichte zu solchen Wandlungsprozessen erschienen. Sie lassen die Vermutung zu, das die Erdseele ihren kosmischen Rhythmen ohne Zögern folgt und inzwischen viele Maßnahmen eingeleitet hat, die den Quantensprung des irdischen Kosmos, der zu einer neuen Ebene seiner Evolution führt, begleiten.
Ob wir Menschen daran teilhaben werden, hängt von unserer Entscheidung ab. Die Imagination, die ich hier vorschlage, dient dazu, die entsprechende Entscheidung auszudrücken. Ich lade Sie ein, eine Kerze anzuzünden und die Meditation nach dem Lesen der Kolumne auszuführen:
! Stell dir vor, dass du im Bereich deines Kehlkopfs zu tönen beginnst. Finde die richtige Frequenz der Schwingung in Beziehung zu der Erdseele, zu der du sprechen möchtest.
! Geh mit dem inneren (unhörbaren) Tönen tiefer nach unten die Wirbelsäule entlang, bis du die tiefste Tiefe deines Unterleibs erreicht hast. Achte darauf, dass die Frequenz des Tönens sich diesem Weg entlang entsprechend verändern kann.
! In der Tiefe des Bauchraums angelangt, stelle dir vor, dass du im Bauch eines Walfischs bist. Der Fisch ist identisch mit dem Urfisch als Symbol der Erdseele. Die Erdseele ist rund um dich herum anwesend.
! Nun geh mit deinem imaginativen Tönen nach oben, bis du deine Herzebene erreicht hast, wobei du noch weiter im Bauch des Urfischs verbleibst.
! Lass nun in deinem Tönen die Entscheidung mitschwingen, dass du willig bist, auch als Mitglied der menschlichen Familie (nicht nur persönlich) mit der Wandlung des irdischen Kosmos in der Richtung einer neuen Erdkultur mitzukommen.