Traumzeit

Auf der Suche nach dem Urgrund des Lebens

von Dorothea Mader erschienen in Hagia Chora 27/2007

Auf der Suche nach lebendigen Traditionen im Umgang mit der Erde begaben sich -Dorothea Mader und Siegfried Prumbach ins australische Outback. Ihre Begegnungen mit Aborigines und deren -alter Bildersprache lehrten sie, zu begreifen, wie die Erde die Menschen heilt.

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Im Zug unserer Vorbereitungen zu unserer geomantischen Studienreise zu den Aborigines Australiens lasen Siegfried Prumbach und ich uns durch eine ganze Bibliothek über ihre Kultur. Wir fanden Verbindungen zur Geomantie und anderen Gebieten, und in uns schien ein Verständnis für diese – wie es heißt – älteste Kultur der Menschheit zu wachsen. Als wir dann in Australien waren, stimmte immer noch, was wir gelesen hatten, nur war alles ganz anders. Wir waren – und so ging es, glaube ich, auch den meisten Mitreisenden – überwältigt von der Andersartigkeit jenes Landes. Woher kam das? Mir fiel auf, dass all die vor der Reise gelesenen Bücher von Nicht-Aborigines geschrieben waren. Die wenigen von Alt-Australiern geschriebenen Bücher, die wir im Land entdeckten, enthielten Geschichten zu Aspekten ihres Weltbilds in der Sprache mythologischer Bilder. Bereits das Aufschreiben war ein Zugeständnis an die Welt der Weißen. Bei unserem Aufenthalt in Iga Warta erzählte uns der Ab-origine Terrence Coulthard eine Geschichte seines Volkes, der Adnyamathanha, in seiner Muttersprache Yura Ngawarla: „Awi Irta oder: Wie das Rotkehlchen zu seiner roten Brust kam“:
Wadu matyari. Yura-apina wanggangga. Tha atyiimba matyarri marni vulka vaatapi ngalkunda. Vulka vulka yanakanaa, vulka vulka yanakanaa wandyura artuna – ucha aldangatamarnggu. Vulka vulka yanakanaa. Wandyura artuna – ucha nanggu nguthatamanggala urdla nguthatamanggala. Tha nakanggala awi nganda yurrunga matyarri valanaka. Vuka vulka yanakanaa. Vuka vulka yanakanaa, wandyura atuna – ucha aldangatamarnggu. Marni vulka – ucha napaptyinangga vaatapi adinana ngalkunda yuarnggu. Tha awi idla ngudininangga yadna vambatananga idla awi yarramanangga. Vulka vulka yanakanaa. Vulka vulka yanakanaa wandyura artuna – ucha aldangatamarngga. Vulka vulka yanakanaa! Yawa yawu vulka awi yamayamimanaka nunggu awi inanga idla yarramananda! Tyawu, tyawu, tyawu adatyi warrika – naa vaatapi - naa nguna ngunanda ngartyu yadliya. Wandyura artuna vapardla athanga idla artirana vitanggulu arti ukatanggulu nalirangga. Tha animbityaidla awi irtana ikanda ukarta yalthanda ikanduidla.“
Die meisten Leser werden diese Ballade übersprungen haben. Obwohl sich bei lautem Lesen Sprachklang und Rhythmus das Rufen des Rotkehlchen ahnen lassen, bleibt die fremde Sprache ohne Gestik leer. Terrence Coulthard erzählte die Geschichte abends am Feuer. Die Zuhörer, von denen die meisten kein Yura Ngawarla verstanden, saßen in einem großen Kreis. Terrence stand auf und bewegte sich mit einem Flügelschlag seiner Arme nach Westen, und während er die Geschichte erzählte, griffen seine Hände in die Luft, und er führte sie immer wieder zum Mund. Er lief nach Osten und forderte mit einer Geste etwas im Westen auf, zu kommen. Im Osten war er damit beschäftigt, etwas zu bauen, seine Hände machten das Zeichen für Schutz. Dann reckte er die Hände gen Himmel und zeigte auf etwas Bedrohliches. Er rief wieder nach Westen und winkte dem anderen, zu kommen. Nun wechselte er die Rolle, lief zum Westen, drehte dem Osten den Rücken zu und steckte wieder etwas in seinen Mund. Er wechselte zum Osten, zeigte energischer zum Himmel und rief lauter sein vulka vulka yanankanaa nach Westen. Er wechselte die Rolle erneut, führte weiter die Hand zum Mund und antwortete dem Osten zum ersten Mal: „tyawu, tyawu, tyawu …“ und wandte sich wieder seiner Beschäftigung zu. Zurück im Osten hob Terrence etwas vom Boden auf, lief mit großen Schritten zum Westen, hob die Arme und schlug auf den Westen ein. Terrence ließ seine Hände vom Kopf bis zur Brust gleiten. So kam das Rotkehlchenmännchen zu seiner roten Brust.
Die Inszenierung wurde im Wesen von allen verstanden. Doch blieben wir Weißen unbefriedigt. Wir hatten die Handlung wahrgenommen, aber unser Verstand verlangte nach mehr, nach der Bedeutung eines jeden Wortes. Uns fehlten die Worte für Regen, Windschutz bauen, Beeren essen und vulka vulka yanakanaa. Terrence erzählte von der Bedeutung gespielter Darstellungen in einem Land, in dem es mehr als 200 verschiedene Sprachen gibt.

Die Sprache der Archetypen
Der Anspruch auf Eindeutigkeit hält uns gefangen, er schließt das Wesenhafte aus. Die Sprache des Körpers ist unmittelbar, das Wort verliert an Schwere, denn das Herz übernimmt das Verstehen. Die Abori-gines haben nie eine Schrift entwickelt. Ihr Wissen gaben sie als Bildergeschichten weiter. Jeder Mensch ist Hüter einer Geschichte, und erst das Zusammentreffen in der Gemeinschaft verschiedener Clans enthüllt das Ganze. Die Geschichten entsprangen Ereignissen zu Beginn der Schöpfung. Sie wurden von den mythischen Ahnenwesen geschaffen und wurden zu Bildern, aus denen in der Folge die Landschaft entstand. Der Windschutz der Rotkehlchenfrau hat sich ebenso in der Landschaft manifestiert wie der Ort, an dem das Blut des Männchens die Erde rot färbte. Traumzeitgeschichten sind Landkarten, Weltbilder, Gesellschaftsordnung und Identität in einem. Wollte eine Gruppe das Gebiet eines anderen Stamms durchwandern, brauchte sie dessen Geschichten, die rituell nacherzählt und in den Sand, auf Baumrinde und Felsen gemalt wurden. Die ursprüngliche Bildsprache kannte nur Ideogramme, geometrische Zeichen, die sich auf wenige Archetypen beschränkten.
Ein Beispiel für die Umsetzung einer Geschichte mit bildnerischen Mitteln ist die Geschichte „Vom Adler und der Krähe oder: Wie die Krähe schwarz wurde“. Sie  stammt aus dem Zyklus Tjarany der Kukatja-Leute von Malarn, Yaka Yaka und Wirrumanu in Westaustralien. 1987 wurde sie mit Genehmigung der Ältesten der Kukatja veröffentlicht und von Lucille Gill und Gracie Green im zeitgenössischen Punkte-design gemalt. Aborigines-Malereien sind nicht signiert. Traditionell können mehrere Künstler an einem Bild arbeiten.
Ursprünglich war die Krähe weiß und lebte mit dem Adler in großer Freundschaft. Doch als sie eines Tages begann, ihn um das gemeinsame Mahl zu betrügen und der Adler dies herausfand, wurde er sehr wütend, griff die Krähe und warf sie in die heiße Asche des Lagerfeuers. Die Krähe sprang heraus, doch der Adler warf sie so lange wieder in die Holzkohlen des Feuers, bis sie schwarz gebrannt war. Aber auch einige Federn des Adlers wurden angebrannt. Darum ist er heute braun. Die Krähe wurde für ihre Habsucht bestraft, und darum ist sie bis auf den heutigen Tag schwarz.
Die Stilelemente des Bilds sind Punkte, -Schlangenlinien oder Wellen, Bögen oder Schalen, dreiteilige Spuren und konzentrische Kreise. Die Vieldeutigkeit der Symbole geht weit über Sprache, Klang, Geste und Körpersprache hinaus. Es sind echte Archetypen. Konzentrische Kreise können im gleichen Bild unterschiedliche Rollen übernehmen: mal sind es besondere Personen, Gegenstände, Tiere, Pflanzen oder Landschaftsformen, Formen des Zusammenkommens wie Tänze, Gespräche, dann wieder eine Gruppe von Menschen oder ein Lagerplatz. Überall, wo sich Kräfte zentrieren oder von einem Zentrum ausgehen, wird dieser Archetyp eingesetzt. Nur wer die Schöpfungsgeschichte, also die zugehörige mythische Landschaft kennt, kann den Zeichen Bedeutung geben.
In der rituellen Malerei gab es immer geheime Deutungsebenen, die nur den Eigentümern der Geschichte vorbehalten waren. Die Erklärungen zu einem Bild, das öffentlich zum Verkauf angeboten wird, betreffen nie seinen spirituellen Inhalt. Traumzeit-Bilder in Museen dürfen nicht fotografiert und Veröffentlichungen nur im festgelegten Rahmen unter Zustimmung der Ältesten gemacht werden. Die Aborigines leben durch die Mustersprache ihrer Bilder, die ihre Kraft und die Kraft ihres Landes ist. Sie preiszugeben führt zum Verlust der Identität.
Die Bilder wurden an Ritualplätzen auf den Fels gemalt oder in den Fels gehauen. Bemalt wurden auch Ritualgegenstände und der Körper der Teilnehmer eines -Rituals. Während der sich zyklisch wiederholenden Zeremonien wurden die Malereien zum Leidwesen der Archäologen auch erneuert und übermalt. Das Malen auf Leinwand und die figürlichen Darstellungen in Süd- und Westaustralien sind eine Konzession an die große Nachfrage nach „originaler“ Aborigine-Kunst.“

Trauerndes Land
Die australische Landschaft des dünn besiedelten, nie kultivierten Outbacks ist der Schlüssel zur spirituellen Welt der Ur-Australier. Die Reinheit dieser Landschaft berührt durch ihre Unberührtheit. Sogar die endlosen Ebenen, durch die wir auf dem Weg in die Mitte des Kontinents Stunde um Stunde fuhren, waren so anziehend, dass unsere Augen sich nicht abwenden konnten. Dieses Land aus pastellfarbigem Steppengrün und der rot--roten Erde schmerzte vor Schönheit und Trauer. 200 Jahre ist es her, dass Weiße die Ur-Austra-lier auszurotten begannen; die wenigen Überlebenden fanden Schutz in den Missio-nen, die sich dem Genozid entgegenstellten. Aber auch sie trennten die Menschen von ihrem Land und damit von ihrer Identität. Die Landright-Bewegung der 80er-Jahre, als die Familien die Missionen verließen, um wieder auf Stammesland zu leben, ist ein später und verzweifelter Versuch, dem Seelenmord zu entgehen. Viele Süchtige sahen wir in den Städten. Aborigine-Kommunen wie Iga Warta oder Wallace Rockhole kämpfen um ihr ökonomisches und spirituelles Überleben. Aber wie kann ein Volk, das durch die spirituelle Kraft der Landschaft lebt, in eine weiße australische Gesellschaft integriert werden, die Erde und Land nicht als lebendige Wesen erkennt?
Der rote Sandstein der Landschaft des Outback, an manchen Stellen wie von einer Schicht aus Bienenwachs oder Emufett überzogen, dessen seidenmattes Glänzen unter den Strahlen der Sonne pulsiert, bis er von innen leuchtet, dieser allgegenwärtige Stein ist Heimat, Muttergestein und Mutter der Menschen. Die überhängenden Felsdächer, die Höhlen und Wasserlöcher sind Bauch und bewahrender Raum, erfüllt mit dem Herzschlag der Erde. Hier liegt die Quelle des Einsseins, der Malgrund des Lebens. An diesen Orten beginnt der Körper zu glühen.
Die Zeichen und Symbole an den Wänden riefen Erinnerungen an eine ferne Zeit wach, als wir alleine fern ab der Wohnplätze der Menschen schweigend durch rotglühende Schluchten gingen. Die Felsen sprachen. Sie bebten im Nachflimmern der Tageshitze vor Angst, sich nicht mitteilen zu können. Die Einsamkeit des menschenleeren Landes lastete schwer auf dem Gemüt, die Felsen begannen zu schreien, ihre Zeichen brannten sich in unser Bewusstsein. Angesichts dieser außerordentlichen Maßlosigkeit erfüllte Erhabenheit den Raum. Wesen überall. Starker Ort. Lebendiger Fels. Das Rauschen des Blutes im Ohr. Herzschlag. An einem Felsen entdeckten wir ein Zeichen: Eine Leiter mit sieben Stufen, gekrönt von einem neunfachen Strahlenkranz. Ein Ahnen. Sie waren hier, Ahnen. Sie haben in den Fels geschrieben, Ahnen. Die sieben Stufen der Einweihung haben sie erklommen. Seefahrer auf geistigen Meeren, Raum und Zeit hinter sich lassend. Wir fanden noch rote Ockermalsteine. Hier wurden Körper bemalt. Wir fanden eine ebene Fläche, den Tanzplatz. Immer im Kreis – das ist die Fahrkarte in die Innenwelt. Das ist Austra-lien, das Outback.

Polarität und Balance
Die Geschichte von Awi irta zeigt die Grundzüge des ur-australischen Weltbilds. Osten und Westen sind die Handlungsorte des Rotkehlchenpaars. Sie im Osten, er im Westen, und in der Mitte der Mythos.
Wir saßen im Kreis: Der Geschichtenerzähler teilte den Kreis in zwei Hälften, in eine weibliche und eine männliche Seite. An heiligen Orten fanden wir dieses Zeichen in den Fels gepickt. Es symbolisiert die erste Manifestation der Schöpfung, die polarisierte Welt, deren Antipoden im dynamischen Gleichgewicht schwingen. In den Schöpfungsmythen der Ur--Australier tritt diese Idee als innere und äußere Welt auf. Ihre Mittler sind die Ahnen und Traumzeitwesen. Sie können alle Erscheinungsformen annehmen, um die Kraft aus der Innenwelt, der Traumzeit, mit der Erde zu verbinden. Die Landschaft, die sie einst erschaffen haben, ist nun ihre Ruhestätte. Jeder Berg, jedes Tal, jede Ebene, jeder Fels, jeder Fluss, jede Höhle, jedes Wasserloch ist Teil eines Traumzeitwesens, sogar die Sterne. Dort liegen sie und atmen  ihre Kraft in das Land. Die Kraft der Landschaft ist unmittelbar. Wer sie fühlt, wird mit dem Urgrund verbunden und öffnet sein Herz. Die wenigen Aborigines, die uns in ihre Welt blicken ließen, waren Männer, die ihr Gefühle offen zeigten und deren Worte von Herzen kamen. Die Hüterin des Aranda-Landes, Ida, hingegen war eine große, starke Frau, die ihr Zepter mit Strenge führte. Sie wurde „Mam“ genannt und hatte bei allen Entscheidungen des Clans das letzte Wort.
Rotkehlchenfrau und Rotkehlchenmann tragen unverkennbar menschliche Züge. Die Geschichte erzählt auch von der notwendigen Sozialisierung des männlichen Prinzips. Statt nur an sich zu denken, ist es Aufgabe der Männer, für das Wohl der Gemeinschaft zu sorgen, zu dienen, eine Eigenschaft, die die Frauen als Gebärerinnen des Lebens von Natur aus mitbringen. Die Einweihungsriten der Männer waren und sind auch heute noch, im Gegensatz zu denen der Frauen, vielgestaltig und blutig als Ausgleich für das Blut der Gebärenden. So entstand ein Gleichgewicht von fühlenden Männern und kraftvollen Frauen.

Gemeinsam suchen
Bei unseren Besuchen in den Gemeinschaften der Aborigines beobachteten wir eine fast verzweifelte Suche nach ihren Wurzeln. Als sie begriffen, dass auch wir auf der Suche nach einer neuen Verbindung zur Erde waren, schien etwas aufzuwachen, in der Beziehung schwang das Gefühl mit: „Es ist gut, dass ihr hier seid. Es kommen nicht viele wie ihr.“ Wir waren nach Australien gereist, um nach lebendigen Traditionen für die geotherapeutische Arbeit zu suchen. In Iga Warta fanden wir einen Weggefährten, und es schien, dass Terrence Coulthard froh war, seinerseits Begleiter auf dem Weg der Wiederentdeckung gefunden zu haben. Als er uns in die Red Gorge führte, einen Ort, dessen atmosphärische Dichte an ein Konzert von Klanghölzern erinnert, überfüllt mit hunderten von Piktogrammen einer vergessenen Zeit, erzählte er keine Traumzeitgeschichten. Stattdessen fragte er, was uns diese Felszeichen sagten, als wolle er das Gewicht der alten Symbole mit uns teilen, als sei es zuviel für einen einzelnen Menschen. Seinem Stamm war die Bedeutung der Zeichen verlorengegangen. Wir konnten ihm den Sinn der Grundmuster erläutern, denn sie sind geomantische Archetypensprache, die überall auf der Erde gleich ist. Und dann geschah das Wunder: Terrence begann Geschichten zu erzählen von denen, die vor 40000 Jahren diese Zeichen in den Fels gemeißelt hatten. Die Ahnen hatten wieder eine Stimme.

Die Erde heilt den Menschen
Die Reise führte uns zu dem, was wir heute als Geotherapie bezeichnen. Im Zentrum dieses Ansatzes steht das Erleben und Begreifen der Erde als ein Lebewesen. Seit den maßgeblichen Arbeiten von James Lovelock in den 70er-Jahren über Systemökologie wissen wir, dass die Erde auch im biologisch-wissenschaftlichen Sinn ein Organismus und damit ein Lebewesen ist. Lovelock entdeckte die Trias der ökologischen Grundgesetze, an die sich alle Spezies halten müssen, wenn sie überleben wollen: Offenheit, Kooperation und Rückkopplung sind die Regulatoren wechselseitiger Beziehungen. Verletzt eine Art diese Regeln, treten Rückkopplungsmechanismen in Kraft, die bis zum Aussterben der Art führen können. Das könnte man als psychische Intelligenz des Ökosystems bezeichnen. Über bioenergetische Steuerungen im Energiefeld der Erde bewirkt sie Veränderungen auf der materiellen -Ebene. Die Aborigines haben transrationale Methoden entwickelt, mit der Intelligenz des Planeten zu kommunizieren. So konnten sie in der lebensfeindlichen Umgebung des Outbacks überleben.
Wenn wir Seele und Geist auch in der Natur erkennen, dann versöhnen wir im Gegenzug auch Seele, Geist und Natur in uns selbst. Die Heilung der Erde kann auch unser Wir, die Gesellschaft, heilen, und erst ein gesundes Wir lässt einzelne gesunde Menschen heranwachsen. Millionen von Therapeuten arbeiten hingebungsvoll am Einzelnen. Die Individualtherapie ist eine Sisyphusarbeit, das kann jeder bestätigen, der aus dieser Praxis kommt. Immer mehr Soziotherapeuten haben heute begonnen, mit Gruppen zu arbeiten. Die Drama- und Theatertherapeuten gehören dazu, die sich mit der kollektiven Verarbeitung gesellschaftlicher Verletzungen befassen. Und schließlich gibt es eine Handvoll Geothera-peuten, die mit dem Seelenkörper der Erde arbeiten. Sie befassen sich mit den Beziehungen zwischen Individuum, Gesellschaft und der Erde.
Die Aborigines kennen keine Individualtherapie. Sie kennen nur die Therapien der Gemeinschaft und die Therapien der Erde, und die letztere ist ihnen die wichtigste, weil sie grundlegend ist: Heilt die Landschaft, und wird sie heilig gehalten, heilt auch der Mensch.

Im Winter 2008 bietet Dorothea Mader gemeinsam mit Siegfried Prumbach eine geomantische Studien-reise nach Australien an. Weitere Informationen: www.anima-mundi-akademie.de.

Literatur: Clem & Terrence Coulthard: Awi Irta, The Anglican Education Centre, Adelaide, SA, o.J. • Gracie Greene, Joe Tramacchi, Lucille Gill: Tjarany Roughtail, Magabala Books Aboriginal Corporation, Broome, WA, 1992 • Robert Lawlor: Am Anfang war der Traum, Droemer Knauer, München 1993.