Und tanzt die ganze Nacht

Das extreme Mondjahr 2006

von Günter Paul Bolze erschienen in Hagia Chora 24/2006

Das Jahr 2006 ist eines der Jahre, in denen der Mond seine Extrempunkt aufsucht. Günter Paul Bolze erklärt das Phänomen und denkt über die Beziehung der Menschen zu den Gestirnen nach. Wer ihre Bewegungen kennt, findet zu einem intensiveren Kontakt mit den Himmelskörpern.

Von den Hyperboräern, dem für die Griechen sagenumwobenen Volk „jenseits des Nordwinds“, ist überliefert, dass ihnen nur alle 19 Jahre eine Gottheit erschien. Diodorus von -Sizilien, ein griechischer Historiker aus dem 1. Jahr-hundert v.Chr. wird konkreter, indem er sich auf einen „heiligen Platz“ in Britannien bezieht: „Auf der Insel befindet sich auch ein bemerkenswerter Tempel, der von sphärischer Form ist.“ Von dieser Insel wird berichtet, dass der Mond in greifbarer Nähe über den Horizont streift und dass diese Gottheit alle 19 Jahre erscheint und die ganze Nacht durch tanzt – von der Frühlingstagundnachtgleiche bis zum Aufgang der Plejaden.
Höchstwahrscheinlich handelt es sich bei dem „heiligen Platz“ in der genannten Schilderung um den Steinkreis von Callanish auf der Hebriden-Insel Lewis. Offenbar war der Mond in diesen Regionen zu bestimmten Zeiten zirkumpolar und als besondere Erscheinungsform der Mondrhythmik im kollektiven Bewusstsein der Antike gespeichert und mystifiziert.
Die Interpretation der „Himmelsscheibe von Nebra“ gibt reichlich Aufschluss über Wissen und Können in der Bronzezeit, was die Himmelskunde betrifft. Es hat die Fachwelt überrascht, dass diese Zivilisa-tionen sich eines astronomischen Weltbilds bedienten, um jahreszeitliche Abläufe am Sternenhimmel zu kommunizieren. Außerdem zeugt die künstlerisch-handwerkliche Ausführung der Scheibe von weitreichenden, überregionalen Kontakten. Angesichts der Scheibe von Nebra verblassten viele frühe Kultanlagen hinsichtlich ihrer astronomischen bzw. kalendertechnischen Aussage, die sich anlagebedingt auf die Registrierung von Auf- oder Untergangsazimuten (Winkelmarken am Horizont) der Sonne – gegebenenfalls auch des Mondes – beschränken mussten. Nur bei einigen wenigen, z.B. den Externsteinen oder der Kreisgrabenanlage von Goseck in Sachsen-Anhalt lässt sich eine astronomische Nutzung nachweisen. Bei letzterer fand man neben der Orientierung nach den Haupthimmelsrichtungen Bezüge zum vieltradierten Mondextrem.
Dass es ein vorgeschichtliches Wissen um den Mondzyklus von rund 19 Jahren gegeben hat, dokumentieren unter anderem auch die bronzezeitlichen Megalithen der Surselva in Graubünden. Kartierungen zeigen eine größere Anzahl an Peilungen für Auf- und Untergänge des Mondes in den Extrempositionen.

2006 – ein Sonderjahr?
Dass 2006 symbolisch ein Mondjahr ist, zeigt schon der Jahresregent an. Außerdem wurde das Jahr mit einem Neumond am Silvestertag eingeleitet, die junge Mondsichel erschien noch am Neujahrsabend. Der Jahresauftakt 2006 war somit von einer besonderen astronomischen Synchronizität geprägt: Das Jahr trägt ein „lunatisches Siegel“.
Unser wunder-voller Mond ist himmelsmechanisch im Vergleich zu anderen Gestirnen ein schwieriger Gesell. 2006 bietet er ein Schauspiel, das in unserer Gesellschaft so gut wie vergessen ist: Er vollzieht eine archaische Rhythmik, die durch die Wanderung der Mondknotenachse verursacht wird und die ihre Spuren in der Kulturgeschichte hinterlassen hat. Die Mondbahnebene ist im Mittel um 5,15° zur Erdbahnebene geneigt. Die beiden Schnittpunkte heißen entsprechend der Bewegungsrichtung des Mondes aufsteigender bzw. absteigender Mondknoten. Die gedachte Linie zwischen beiden wird als Mondknotenachse bezeichnet. Wenn sich der Mond im Mondknoten befindet, beträgt seine ekliptikale Breite 0°, was eine wesentliche Voraussetzung für den Eintritt von Mond- bzw. Sonnenfinsternissen ist.
Die Mondknotenachse dreht sich rückläufig und benötigt für einen vollständigen Umlauf 18,6 Jahre (oder 18 Jahre und 220 Tage); pro Jahr zieht sie daher um 19,35° weiter von Ost nach West.
In diesem Jahr wanderte der aufsteigende Mondknoten vom Sternbild Fische kommend Mitte Juni durch den Frühlingspunkt. Daher überlagern sich Mondbahn und Ekliptik (Achsenneigung 23,44°), so dass sich die Extremwerte addieren. Für die Wanderung des Mondes durch den Sommerpunkt bedeutet das eine Deklination von 23,44° plus 5,15° also 28,59°; für die Wanderung durch den Winterpunkt logischerweise -28,59°. Der Mondlauf präsentiert sich mehrmals pro Jahr – nicht nur bei Vollmond – mit dieser Auslenkung von 5,15° abseits, also nördlich bzw. südlich von den Wendepunkten der Sonnenbahn, und genau darin besteht das in der Archäoastronomie so oft erwähnte Mond-extrem. Der Mond kann damit Positionen beziehen, die die Sonne nie erreichen kann. Seine Auf- und Untergangspunkte nehmen in diesem Jahr einen maximalen Abstand von den Ost-West-Marken ein. In diesen Extremen hat der Mond logischerweise einen erheblich längeren bzw. kürzeren Sichtbarkeitsbogen als die Sonne.
Wenn Sie für diesen Rhythmus ein wenig sensibilisiert sind, haben Sie auch im Jahr 2007 noch die Chance, das Fortschreiten des aufsteigenden Mondknotens durch das Sternbild Fische indirekt zu registieren. Die Sichtbarkeitsbögen werden ein wenig abnehmen, bleiben aber bis Mitte 2007 noch sehr eindrucksvoll.
Immerhin vollzieht der Mond seine Himmelsbahn in 27,3 Tagen, wozu die Sonne ein ganzes Jahr braucht. Bei Beob-achtung dieses Spiels kommt es -heuer einerseits zu abendlich-nächtlichen Landschaftseindrücken mit extremen Kulminationshöhen, aber auch zu sehr flachen, horizontnahen Mondpassagen. Wer eine natürliche Beziehung zum Mond pflegen möchte, könnte sich an einige markante Sterne in Nähe der Sonnenbahn (Ekliptik) halten (z.B. Aldebaran/Stier oder Castor und Pollux/Zwillinge) und die Mondpositionen in Bezug zu diesen Marker-Sternen immer wieder verfolgen.
Zu Protokoll: Einen extrem flachen Vollmond hatten wir am 11. Juni 2006.
Ein extrem hoher Vollmond beherrscht in der Nacht vom 5. zum 6. Dezember 2006 den Adventshimmel sowie den Neujahrshimmel am 3. Januar 2007.
Die Tage des nördliches Mondextrems, wenn der Mond eine Deklination von gut +28° aufweist, sind der 8. November, der 6. Dezember sowie der 2. und 29. -Januar 2007.
Das südliche Mondextrem mit einer Deklination von ca. -28° findet am 27. Oktober und am 24. November statt; hier bieten sich eher die Monduntergänge an, da man die Beobachtung schon in der Dämmerung aufnehmen kann.

Persönliche Beziehungen zum Mond
Der Einfluss des Mondes auf unser Leben ist vielschichtig. Er beeinflusst Biorhythmus, Orts- und Zeitqualität; auch unsere Kulturgewohnheiten oder das Leben an den Küsten wurden von ihm maßgeblich geprägt. Die Hansestädte Hamburg und Bremen hätten sich ohne Mitwirkung der durch den Mond bedingten Gezeiten gar nicht in dieser Weise etablieren können.
Gerade wegen seiner Eigenwilligkeiten ist der Mond ein lebendiges Vorbild am Firmament für funktionierende Eigenständigkeit, ohne ausgetretene Wege zu nutzen. Er steht nicht ohne Grund auch symbolisch für Stärkung der Individualität und Kreativität.
Besondere Mondstände können ein willkommener Anlass sein, die persönliche Verbindung mit dem Kosmos aufzufrischen und sich der lunaren Kräfte in den ewigen Abläufen erneut bewusst zu werden. Rituale zur Besinnung auf die eigene Schöpferkraft und Einzigartigkeit innerhalb eines großen Ganzen könnten in dieser Zeit unter dem Zeichen eines „selbstbewussten Mondes“ stehen.
Es ist eine schöne Erfahrung, sich bewusst zu machen, dass der Mond eine gewachsene und sehr innige (auch physikalische) Beziehung zu unserer Erde hat. Allein seine Umdrehung um sich selbst ist so stark an die Erde gebunden, dass er uns stets dasselbe Gesicht zeigt. Mond und Sonne am Himmel haben scheinbar die gleiche Größe bei dem enormen Unterschied in Entfernung und Durchmesser – ein Geschenk der „Schöpfung“? Auf einem Bergsattel oder auf dem Meer den Aufgang des Mondes zu zelebrieren, ist eine besondere Möglichkeit zur Kontemplation, Rückzug, Meditation und Pflege der eigenen Kreativität.
Die Menschen einer schriftlosen Vorzeit konnten ungeheure Anlagen schaffen. Sie hatten eine wesentlich geringere Lebenserwartung als wir und konnten nur wenige Mondzyklen bewusst erleben. Es war ihnen die Mühe wert, kunstvoll eine „Himmelsscheibe“ zu fertigen oder Megalith- und Kreisgrabenanlagen zu errichten und mit Visurlinien des Mondextrems zu versehen. Auch heute ließe es sich im Rahmen geomantisch-gestaltender Tätigkeit versuchen, den Lieblings- oder persönlichen Kultplatz mit einer Visurlinie oder Horizontmarke für das Mondextrem zu dekorieren.
Und übrigens: Die oft und leichtfertig dahergeplauderte Aussage, dass der Vollmond aufgeht, wenn die Sonne untergeht, ist nicht haltbar. Dieser anmutige himmlische Balanceakt kann nur mit der Symmetrie von 12 Stunden eintreten, wenn die Deklination von Sonne und Mond im Vorzeichen verschieden, dem Betrag nach aber gleich ist (z.B. Sonne –20°, Mond +20°). Wer dies jemals beobachten konnte, darf sich freuen, es hat Seltenheitswert.
Geomantische und radiästhetische Gutachten über Kultanlagen und Sakralbauten mit astronomischen Gegebenheiten wie Chartres, der Stefansdom in Wien, oder die Externsteine ignorieren häufig eine grundlegende astronomisch-historische Tatsache: die langfristige Aufrichtung der Erdachse. Doch was die mythologische Einbettung des „extremen Mondes“ bzw. seinen Niederschlag in den Geschichtsbüchern der Antike betrifft: Die Erdachse war vor mehr als 2000 Jahren noch stärker geneigt, dadurch könnte der Mond in Extremlagen eine Deklination von 28,95° eingenommen haben. Damit verschob sich die Zirkumpolarität bis hinunter auf die geografische Breite von ca. 61° N (Bergen/Norwegen). Bei Flachlagen wurde der Mond erst unter einer geografischen Breite von ca. 72° N zirkumpolar. Das betraf immerhin einen Streifen von ca. 11° bzw. 1200 km Breite nördlich von Bergen. Die naturverbundenen, sagenumwobenen Völker des hohen Nordens haben diesen Rhythmus von 18,6 Jahren im Erscheinen des Mondes offenbar registriert.

Astronomische Inszenierungen
Mit der folgenden Ereignisskizze möchte ich dazu ermutigen, astronomische Abläufe und Ereignisse bei der Gestaltung des Lebensraums und Aufwertung eines Ortes einzubeziehen.
Ein Juwel astronomischen Geschehens in alpiner Umgebung ist das Elmer Phänomen: Sonnenereignisse im Martinsloch zu Elm, einem Felsenfenster der Glarner Alpen, widerspiegeln nachvollziehbar uraltes astronomisches Wissen.
Von jeher wurden nicht nur Naturfreunde, sondern auch Künstler von diesem Ereignis angezogen, denn es ist ein beeindruckendes Spiel des Sonnenlichts von hohem ästhetischem Genuss. Die touristische Erschließung der Ereignisse in den 1990er-Jahren war wertvoll für die regionale Identifikation der Bevölkerung. Die Elmer Ereignisse können periodisch als Demonstrationsexperiment genutzt werden, um Kalender- und astronomisches Wissen zu erweitern, und bei bewusstem Umgang damit kann dies auch die geomantischen Rahmenbedingungen von Elm fördern.
In den Glarner Alpen hoch über dem Bergdorf Elm im Sernftal befindet sich das Martinsloch, ein natürliches Felsenfenster von rund 20 Metern Durchmesser. Durch seine Lage im Ostgrat ist es für astronomische Zwecke geradezu prädestiniert. Für die Sonne stellt das Felsenfenster eine Lochblende dar, so dass im Frühjahr und im Herbst ein Lichtstrahl aus alpiner Kulisse durch die Elmer Region wandert. Aber auch nächtliche Passagen von Venus und Jupiter und ganz besonders natürlich des Mondes sind sehr eindrucksvolle Erlebnisse am Martinsloch.
Eine frühe Vollmondpassage ist besonders spektakulär: Hans Weber, ein Schweizer Bioniker, hielt sie erstmals 1982 fotografisch fest. Weber hatte mit großem Engagement die Astronomie der Elmer Ereignisse nachvollzogen. Es gelang ihm, an einem Tag im Herbst 1982 exakt 12 Stunden, nachdem die morgendliche Sonne durch das Martinsloch geschienen hatte, aufzunehmen, wie sich der Vollmond im Martinsloch zeigte. Diese seltene Abfolge von morgendlichem Sonnenereignis und Vollmondpassage am Abend wird als Lunisolarsymmetrie bezeichnet. Weber stellte die Hypothese auf, dass Elm der Beobachtungsstandort eines frühgeschichtlichen Lunisolarobservato-riums gewesen sein könnte. Eine neuerliche Vollmondpassage nach der Lunisolarsymmetrie von 1982 war erst wieder am 2. Oktober 2001 möglich. Eine erste Vollmond-nahe Passage wurde bereits für den 30. September erwartet. Die Beobachtungsposition lag allerdings außerhalb des Dorfs.
Scharen von Schaulustigen pilgerten an den Ereignisabenden im Dämmerlicht die Serpertinen am Westhang des oberen Sernftales hinauf. Wohl jeder versprach sich ein Erlebnis der besonderen Art. Mit Einbruch der Dunkelheit wurde es auf den schmalen Zufahrten an den steilen Hängen zunehmend quirliger. Die zahlreichen Gäste mussten innerhalb eines Streifens von gut 50 Metern Platz finden, denn in dieser Breite sollte der Lichtkegel des Mondes durch das Tal ziehen.
Niemand war sich der rechten Beobachtungsposition wirklich sicher; auch Ortskundige konnten keinen Rat geben. Alles war ein Experiment mit der Natur und gutes Wetter unabdingbar. Bald nahm das Martinsloch eine seltsame Aura an. Die nächtliche Alpenkulisse bekam Konturen. Man ahnte den Aufgang des „großen Nachtlichts“ hinter dem Grat. Aber würde der Lichtkegel auch so das Tal durchwandern, dass das Mondlicht in unsere Augen und Objektive fiel? Mit ein wenig Phantasie erkannte man bald auch die „Hakennase des Berggeistes“. Auf einmal passierte es: Der Rand des Mondes erschien im Felsenfenster. Ein allgemeines Innehalten in gespenstischer Stille. Das Martinsloch füllte sich mit Licht, einmalig! 19 Jahre wurde dieser Augenblick herbeigesehnt. So kann Astronomie auch erlebt werden.
Die Sonne scheint an den sogenannten Ereignistagen von Elm (siehe www.elm.ch) jedes Jahr durch das Martinsloch. Der Lichtkegel der Sonne wandert dann durch das Dorf. Kurz vor und nach der Sonnenpassage im Martinsloch, besonders bei dunstigem Wetter, sieht der Beobachter das Sonnenlicht in Form eines Strahlenbündels von etwa 5 km Länge. Im Frühjahr kommt es zu diesem Ereignis zwischen dem 11. und 15. März, im Herbst zwischen dem 28. September und 3. Oktober jeweils vor Aufgang der Sonne über dem alpinen Ostgrat von Elm, den Tschingelhoren. Bei dieser Wanderung passiert der Lichtkegel auch das Areal der Kirche und streift über das Kirchenschiff. Dieser Tag gilt als Höhepunkt der Ereignistage.
Mittlerweile sind die Daten der Licht-ereignisse minutengenau dokumentiert, doch auch in der Vergangenheit waren sie in brauchbarer Näherung in der Elmer Bevölkerung überliefert, so dass sich im Bergdorf an den betreffenden Tagen Festtagsstimmung verbreitete. Am Tag des Höhepunkts pilgerten Besucher zur Kirche, um das Lichtschauspiel zu verfolgen.

Mit dem Himmel leben
Indem wir astronomische Ereignisse in Rituale integrieren, vertiefen wir unsere Beziehung zur Natur, also auch zum Himmel, und steigern unsere Authentizität, da die geistig-spirituelle Arbeit auch von physikalischen Fakten bestärkt wird. Wenn mir bewusst ist, wo heute Abend der Jupiter steht und dass er sich im Frühjahr in Opposition befunden hat, kann ich fundierter über seine Symbolkraft befinden und mit seinem Licht bzw. seiner Energie arbeiten.
Bis in die Renaissance gab es bemerkenswerte Meridianbauten, Obelisken und unzählige Sonnenuhren, doch keineswegs nur, um als Chronometer oder Kalender zu dienen. Heute stehen wir mitunter fragend vor solchen Kommunikationspunkten mit der Sonne. Neben ihrer eigentlichen Rolle, der kunstvollen Widerspiegelung des Sonnenlaufs, fördern sie auch das Bewusstsein für Zeitqualität und helfen, kosmische und übergeordnete Kräfte als Teil der Schöpfung in den Alltag einzubeziehen!
Eine Möglichkeit ist, Meridiane astronomisch zu vermessen und sie z.B. im Garten mit Steinen auszulegen. Man weiß dann, dass über dem südlichen Fluchtpunkt der Meridianlinie am Horizont nicht nur die Sonne, sondern alle Himmelskörper im Tageslauf am höchsten stehen. Sobald die Sonne diese individuelle Horizontmarke passiert, schlägt es Ortsmittag; tut es ein Stern, ist eine bestimmte Sternzeit. Die gesteigerte Aufmerksamkeit und Verankerung mit dem Himmel zieht eine nachhaltige Verbesserung der Ortsqualität nach sich und nährt den Genius Loci. Eine andere Form der Aufwertung des Orts mittels Astronomie wäre die Registrierung und Würdigung eines Zenitsterns oder eines zenitnahen Sterns, der zu bestimmten Zeiten genau über dem Scheitelchakra oder Haus steht. Genauso ist jede einfache Sonnenuhr astronomisch und bei entsprechender Gestaltung auch künstlerisch ein Unikat, das die Ortsidentität enorm steigern kann. Das Elmer Phänomen ist in diesem Sinn auch eine Sonnenuhr.
Es bleibt zu wünschen, dass sich das Potenzial, das der Himmel für die Geo-mantie bereithält, für viele erschließt. +

Literatur: Arnold Zenkert: Besonderheit der Mondbahn 2005/2006 (Manuskript), GSA-Jahrestagung, Melk 2005 • James Cornell: Die ersten Astronomen, Stuttgart 1983 • Wolfhard Schlosser, Jan Cierny:Sterne und Steine, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1996 • Wolfhard Schlosser: Astronomische Deutung der Himmelsscheibe von Nebra, Sterne und Weltraum 12/2003, MPI für Astronomie Heidelberg • Harald Meller: Die Himmelsscheibe von Nebra, Sterne und Weltraum 12/2003 • John Michell: Sonne, Mond & Steine, Der Grüne Zweig 156, Löhrbach 1989 • Ulrich und Greti Büchi: Die Megalithe der Surselva, Graubünden, Desertina Verlag, Disentis 1983 • Arnold Zenkert: „Die Erdachse richtet sich auf“ (Manuskript), GSA-Jahrestagung, Oberperfuß 2004 • Werner Bäbler u. Günter P. Bolze (Hrsg.): Das Martinsloch zu Elm, Die Region Elm/Glarus mit den Ereignissen im Martinsloch.