Ausgewogene Feinstofflichkeit

Führen Präzisionswägungen zum Verständnis des Feinstofflichen?

von Falk Fischer erschienen in Hagia Chora 22/2005

Lässt sich der ganzheitlichen Wirklichkeit, um die es in der Geomantie geht, mit apparativen Messungen näherkommen? Diese Frage brachte den Physiker und Journalisten Falk Fischer auf die Spur des Chemikers Klaus Volkamer, dessen Experimente Masseveränderungen nach feinstofflichen Einflüssen nahelegen.

Wann ist ein Phänomen ein Phänomen? Damit die Naturwissenschaft ein Phänomen als solches akzeptiert, muss es mindestens die Forderung nach Reproduzierbarkeit und Systematik erfüllen, ansonsten heißt es Zufallsschwankung. In diesem Sinn handelt es sich beispielsweise bei den vielen dokumentierten Heilerfolgen der Homöopathie ausschließlich um Zufallsschwankungen - freilich mit einer ungewöhnlich hohen Zufallswahrscheinlichkeit. Letztgültig hat sich die Homöopathie bis heute noch nie in Doppelblindstudien beweisen lassen, so dass entweder tatsächlich kein Kausalzusammenhang zwischen der Einnahme eines Homöopathikums und der Genesung besteht, oder aber die Beweismethodik ungeeignet ist. Der tief eingeschriebene naturwissenschaftliche Glaube, dass sich ein Phänomen unter Doppelblindbedingungen als solches immer zu erkennen geben müsste, kann möglicherweise den Blick dafür verstellen, ein Phänomen wahr- oder, besser gesagt, für wahr zu nehmen. Das Doppelblinddesign als Messinstrument setzt bereits ein bestimmtes naturwissenschaftliches Weltbild vor-aus, über dessen Rand sich mit der Methode des Doppelblinddesigns gerade nicht hinausschauen lässt. Darin liegt das eigentliche Dilemma aller als feinstofflich eingestuften Phänomene, so sie denn tatsächlich existieren. Das naturwissenschaftliche Weltbild weiß viele Standardbegründungen anzubieten, warum nicht sein kann, was nicht sein darf: selektive Wahrnehmung, ungenügend kontrollierte experimentelle Bedingungen, statistische Zufallsschwankungen oder falsche Voraussetzungen.
Wie schwer es fällt, über dieses Weltbild hinauszudenken, habe ich selbst einmal vor sieben Jahren auf den Basler PSI-Tagen erfahren, als Uri Geller mir einen Löffel verbog. Meinen Löffel. Ich hatte ihn vorher geprüft, er war hart wie Knochen. Aber als Uri Geller mit seinem Finger nur kurz ein paarmal über die Rückseite des Löffels strich, wurde er binnen weniger Sekunden wabbelig und weich und bog sich dann langsam nach oben. Nach oben! Gegen die Schwerkraft! Er signierte ihn und gab ihn mir zurück. Da war er schon wieder so hart wie zuvor. Und ich war platt. Jahrelang hatte ich Physik studiert und mir ein zuverlässiges Weltbild angeeignet. Und dann so etwas. Interessant war mir im Nachhinein vor allem meine eigene Reaktion darauf. Es war Erstaunen, aber kein Schock, eher ein pawlowscher Reflex: Welcher Trick steckt dahinter? Das Empfinden, womöglich einem mir völlig neuen Phänomen gegenüberzustehen, kam gar nicht erst auf. So geht es vielen Wissenschaftlern, wenn sie unbemerkt bestimmte Wissenschaftsdogmen verinnerlicht haben, so dass sie den Zugang verlieren, grundsätzlich Neues erkennen oder anerkennen zu können. Uri Gellers Fähigkeiten sind von mehreren Wissenschaftsgruppen untersucht worden. Einige meinten, ihn bestimmter Tricks überführt zu haben, was andere wiederum nicht bestätigen konnten. Seither zitiert jeder die Studien, die am besten ins eigene Weltbild passen. Ohne Bezüge zur gewohnten Lebenswirklichkeit wirkt das grundsätzlich Neue vollkommen unwirklich. Wie damit umgehen?

Etwas Neues erkennen
Es gibt kein Standardkriterium, um zwischen leichtgläubiger Naivität und der Anerkennung von etwas wirklich Neuem zuverlässig zu unterscheiden. Es bleibt immer ein Wagnis, ein Stück weit aus dem vertrauten Weltbild herauszutreten und sich auf eine andere Perspektive einzulassen. Naturwissenschaft fördert ja niemals unverbrüchliche Wahrheiten oder -Soheiten“ zutage, sondern liefert immer nur Vorstellungsbilder, die ein höchst-mögliches Maß an Ordnung, Orientierung und Vorhersage erlauben. Aus einer anderen Perspektive könnte alles ziemlich anders aussehen.
Soviel als Vorrede zu den ungewöhnlichen Experimenten bzw. Resultaten, um die es im Folgenden gehen soll: den vermuteten Nachweis feinstofflicher Energien durch Präzisionswägungen. Das Thema begegnete mir auch wieder auf den Baseler-PSI-Tagen 2004, auf jener international besetzten Veranstaltung also, die in größtmöglicher Offenheit und Seriosität alle denkbaren un-erklärlichen Phänomene zur Diskussion stellt und dabei insbesondere den Dialog zur Naturwissenschaft sucht. Eine Vorabzensur der Referenten gibt es nicht, außer dass sie sich durch ihre Forschungen oder Praktiken schon einmal öffentlich hervorgetan haben müssen und ihr Denkansatz mindestens Anregung verspricht.
Zu den interessantesten Ideen- oder Impulsgebern gehörte bei dieser Tagung der promovierte ehemalige Industriechemiker Klaus Volkamer. Seit über 20 Jahren forscht er an der feinstofflichen Erweiterung der Naturwissenschaften - so auch der Titel seines über 650 Seiten starken, eng bedruckten Buchs, das 2004 nun schon in dritter Auflage im Weißensee-Verlag erschienen ist.
Klaus Volkamer ist ein Einzelkämpfer, ein naturwissenschaftlicher Don Quichote mit ausgeprägter Fistelstimme, die ein bisschen an Albert Einstein erinnert. Und was er vorträgt, klingt tatsächlich nicht minder revolutionär - sofern seine Spekulationen und Messungen einmal allgemeine Akzeptanz und Bestätigung finden sollten. Dass der Funke zum überaus offenen, zuhörbereiten Publikum nicht unmittelbar überspringt, liegt möglicherweise an der überbordenden Materialfülle, die er vorstellt, und dem Unterton von -alles schon zu wissen“, auf alles eine Erklärung haben. Heureka! Das macht es ihm schwer, sich in naturwissenschaftlichen Kreisen Gehör zu verschaffen, obgleich seine Messungen ohne Zweifel bemerkenswert sind. Ich hatte Gelegenheit, ihn ausführlich zu interviewen und mir von ihm einen Großteil seiner Messungen und Folgerungen detailliert erklären zu -lassen. Ob er sich verrannt hat oder genial ist oder partiell beides, ist schwer einzuschätzen. Dafür ist die Ergebnisfülle schlicht zu unübersichtlich, so dass es kaum noch möglich ist, vor lauter -Bäumen den Wald zu sehen oder kreativ mitzudenken. Das weckt unweigerlich die Skepsis bis hin zur intuitiven Ablehnung der Ideen, obwohl sich der Widerstand weniger aus den Messungen, sprich Präzisionswägungen, als aus der Art der Zusammenschau ergibt.
Die Versuchsgestaltung wirkt, ohne dies weiter nachgeprüft zu haben, von seiner Erzählung her grundsolide. Auf die Idee, Feinstofflichkeit als wägbare Substanz zu begreifen, ist er durch eine esoterische Schrift gekommen, in der der Gedanke geäußert wurde, dass das Universum von einer Art flüssigen feinstofflichen Bindesubstanz durchdrungen sei, welche das substanzielle und geistige Prinzip, sprich Materie und Bewusstsein, miteinander verbinde. Klaus Volkamer sah darin mehr als bloße Metaphorik. Das würde aber bedeuten, dass sich die Bindesubstanz mindestens in geringfügigen Gravitations- oder Masseanomalien zu erkennen geben sollte. Nun ist die Gravitation die schwächste aller bekannten Naturkräfte, zugleich aber auch die unverstandenste und somit auch die Achillesferse des etablierten physikalischen Weltbilds. Sofern das physikalische Weltbild irgendwann um feinstoffliche Aspekte erweitert werden muss, dann ist der Ansatzpunkt mindestens gut gewählt. Denn anders als Energie, Impuls oder Ladung ist Masse mit keinem übergeordneten Symmetrieprinzip verknüpft und stellt deshalb auch keine strenge Erhaltungsgröße dar. Einstein hatte ja zeigen können, dass Masse eine Art kondensierte Energie darstellt. In letzter Konsequenz heißt das, dass eine aufgezogene Armbanduhr mehr wiegt als eine nicht aufgezogene. Freilich ist der Unterschied unmessbar klein, aber wirklich jede Form von Energie beeinflusst eben die Masse. Und noch eines kommt hinzu. Die mit den elektromagnetischen Kräften, Kernkräften und radioaktiven Zerfallskräften verknüpften Naturkonstanten lassen sich bis auf zehn und mehr Nachkommastellen genau vermessen, die für die Gravitationskraft aber nur auf etwa fünf Nachkommastellen. Mag sein, dass dies mit der geringen Stärke zusammenhängt. Mag aber auch sein, dass bislang stets übersehene und von feinstofflichen Energien verursachte Masseanomalien jede größere Präzision -vereiteln.
Das war Klaus Volkamers Ausgangshypothese. Solange von feinstofflichen Energien praktisch noch nichts bekannt ist, tut sich zunächst ein schier unendliches Meer an Spekulationsmöglichkeiten auf. Wie absorbiert man feinstoffliche Energien, wie schüttelt man sie ab, wie schnell verlaufen solche Absorptionsprozesse? Unterliegen sie überhaupt einer Zeitlichkeit oder der Trägheit? Sind sie gerichtet, schwanken sie von Ort zu Ort? Immerhin findet sich in der esoterischen Literatur viel intuitives Erfahrungswissen über den Umgang mit angeblich feinstofflichen Energien, aus denen ungefähre Ansatzpunkte abzuleiten wären. Die Wahl seines ersten Mess-Versuchobjektes war bei Klaus Volkamer inspiriert durch einen Zeitschriftenartikel über sogenannte Entstörzylinder nach Wilhelm Reich - eine Wicklung aus Alu- und Isolierfolie zur Absorption von vermeintlichen Stör-energien. Damit fing er an.

Die Kunst der Präzisionswägungen
Wiegen klingt so einfach. Waage hinstellen, Objekt auflegen, Ergebnis ablesen - fertig. Präzisionswägungen erfordern da eine ganz andere Experimentierkunst. Über acht oder neun Größenordnungen genau zu messen, heißt so viel, wie beim Wiegen eines Autos unterscheiden zu können, ob gerade eine Fliege auf der Motorhaube sitzt oder nicht. Oder bei einer Probe von einem Kilogramm noch ein Mikrogramm Gewichtsunterschied - etwa so viel wie ein Zuckerkörnchen - auflösen zu können. Folglich gilt es, jede nur denkbare Störung systematisch auszuschließen oder rechnerisch nachzukorrigieren. Hier hat Klaus Volkamer nichts unversucht gelassen, und darin besteht wahrscheinlich der wichtigste Wert seiner Arbeit. All seine Wägungen hat er ausschließlich als Vergleichswägungen zwischen unterschiedlich geformten Wägeobjekten gleicher Beschaffenheit konzipiert. Damit konnte er vielen unkontrollierbaren oder noch unbekannten Störeffekten weitgehend vorbeugen. Den bekannten Störgrößen versuchte er systematisch zu Leibe zu rücken. So ließ er jedes Testobjekt vor einer Wiegung einige Stunden unter konstanten Außentemperaturbedingungen stehen, damit sie ins thermische Gleichgewicht kamen, denn jede Wärmeausdehnung ruft kleine Auftriebseffekte hervor. Er hat den Luftdruck und Wasserdampfgehalt der Luft kontrolliert, in manchen Versuchsreihen sogar das Wiegegehäuse bis auf ein Torr evakuiert; er hat konstante Lichtverhältnisse eingehalten, geprüft, inwieweit seine körperliche Wärmeabstrahlung die Proben beeinflusst, eventuelle elektrostatische Aufladungen neutralisiert, eine staubfreie Atmosphäre geschaffen und die Proben immer vollautomatisch auf die Waagschalen gesetzt. Sogar Gezeitenkräfte hat er berücksichtigt und herausgerechnet und auch seine Messungen immer zu gleichen Tageszeiten, mitunter zu gleichen Mondphasen angestellt. Belohnt wurden seine Bemühungen durch ein recht eindeutiges Ergebnis: Die Masse der Entstörzylinder bleibt nicht konstant. Massenkonstanz, in der Regel als große Selbstverständlichkeit vorausgesetzt, ist eine Illusion. Abweichungen von der erwarteten Null-Linie sind auf 99% Niveau hochsignifikant und schwanken bis in den Milligrammbereich. Eine Sensation - im stillen Kämmerchen.
In der Folgezeit verbesserte er die Technik, kaufte sich eine noch genauere Waage, standardisierte die Wägeobjekte, indem er die Entstörzylinder durch innenversilberte und luftdicht verschlossene Glaskolben ersetzte, betrieb weitere Fehlerforschung und suchte nach Hinweisen, ob nicht schon andere Forscher auf ähnliche Effekte gestoßen seien. Und er wurde fündig. Insgesamt fand er in der Literatur neun Wissenschaftler, die Masse-anomalien zwischen 1890 bis heute publiziert hatten. Im Unterschied zu ihm aber hatten sie alle mit handbetriebenen Waagen gearbeitet und waren dadurch in den Messreihen technisch viel stärker begrenzt. So hatte beispielsweise der Privatgelehrte Rudolf Hauschka bereits 1934-1940 Wägungen mit keimenden Samen in luftdicht abgeschlossenen Glaskolben unternommen und, je nach Mondphase, erstaunliche Abweichungen von der Massenkonstanz festgestellt: positive Ausschläge in Vollmondphasen, negative Ausschläge in Neumondphasen. Interpretiert hat er diese Schwankungen als ein nicht näher erklärtes Vergehen und Entstehen von Materie. Für Klaus Volkamer ist das Unsinn, weil es dem Einsteinschen Äquivalenzprinzip von Energie und Materie (nicht Masse!) widersprechen würde. Er sieht darin vielmehr den entscheidenden Hinweis auf eine neuartige Form feinstofflicher Energie oder Materie, die es nun systematisch zu erforschen gilt. Rund 40 Jahre früher hatte der damalige Inhaber des Lehrstuhls für physikalische Chemie an der Humboldt-Universität Berlin, Hans Heinrich Landolt, zwischen 1890 und 1905 ebenfalls Masseanomalien bei chemischen Reaktionen entdeckt. Aber er mochte offenbar nicht so recht an das Kuriosum glauben und vermutete wohl messtechnische Fehler bei seinem Versuchsaufbau, weshalb er seine Ergebnisse in späteren Publikationen in undurchschaubarer Weise nachkorrigierte. In Lehrbüchern wird Landolt heute manchmal als derjenige zitiert, der die Konstanz der Masse bei chemischen Reaktionen nachgewiesen hat. Dabei haben bis heute insgesamt neun andere Wissenschaftler seine Versuche mit vergleichbaren Messanomalien reproduziert.
Klaus Volkamer ist dagegen von vornherein mit einer anderen Einstellung an die Messungen herangegangen: nicht die Konstanz der Masse nachzuweisen, sondern ihre Nichtkonstanz und ihre Abhängigkeit von feinstofflichen Energien. Dabei stolperte er ab und an auch über einige Zufallsentdeckungen. Einmal war ihm eine Probe, die er gerade umstellen wollte, aus der Pinzette entglitten und auf den Tisch gefallen. Zu seinem großen Erstaunen zeigte sich, dass der Aufprall die zuvor gemessenen Masseschwankungen für einige Tage fast auf Null weggedämpft zu haben schien. Weitere Messreihen bestätigten das Phänomen. Immer, wenn er die Testobjekte mit einem Metallstab anschlug, verringerten sich die Gewichtsschwankungen, bis sie sich nach vier bis fünf Tagen wieder aufbauten. Da klingen deutliche Assoziationen an die Homöopathie an. Zu schwache Stöße lösten seiner Beobachtung nach keinen Effekt aus.
Dies brachte ihn auf die Idee, dass die vermuteten feinstofflichen Energien genauso gequantelt sind wie die elektromagnetische Strahlung. Also auch im feinstofflichen Bereich macht die Natur Sprünge. Die waren in seinen Messkurven mitunter auch überdeutlich sichtbar, und zwar - die nächste große Überraschung - exakt in Einheiten der sogenannten Planck-Masse. Die Planck-Masse bezeichnet eine Masseneinheit von 21,77 Mikrogramm. Max Planck hatte sie aus der Kombination verschiedener Naturkonstanten postuliert als größtmögliche Masse, die als unteilbare Quantität in der Natur jemals vorkommen kann. Im Interview verweist Klaus Volkamer auf eine auffällige Parallele zur vedischen Tradition. Atman ist dort der Name der menschlichen Seele, die das Absolute verkörpert. -Wenn dieser Atman sich selbst zu beobachten beginnt, heißt es, treten Vibrationen auf. Diese Vibrationen sind gequantelt, und sie führen zu dem, was man in dieser Tradition den Veda nennt - das ist diese Ebene der Feinstofflichkeit mit plus oder minus Planckmassequanten, die dann einen Äther aufbauen.“

Ein feinstofflicher Gedächtniseffekt
Aussagen wie diese, die eigentlich die wunderbare Konsistenz zwischen altem Wissen und neu entdeckten naturwissenschaftlich basierten Erkenntnissen darlegen sollen, beunruhigen eher, als dass sie überzeugen. Da passt manches einfach zu gut und zu glatt zusammen, was im gewöhnlichen Wissenschaftsbetrieb in einer Entwicklungsphase nur selten der Fall ist. Freilich betont Klaus Volkamer mehrfach, dass er ja nur die Essenz seiner Forschungen mitteile und nicht den ganzen Weg dokumentiere, der mit etlichen Irrtümern, Zweifeln und mühsamem Ringen gepflastert war. Den Anflug von Skepsis zerstreut das nicht.
Zu seinen größten Zweifeln oder Verzweiflungen gehörte jene Phase seiner Experimente, als er sich schon auf sicherem, reproduzierbarem Terrain glaubte und plötzlich feststellen musste, dass seine unverspiegelten Glaskolben keine Null-Linie mehr hergaben. Die frisch von Schott bezogenen Glaskolben, die er vor ihrem ersten Einsatz immer unversilbert zunächst einmal durchgewogen hatte, zeigten keinerlei Masseschwankung, wie es eigentlich auch sein sollte. Diese saubere Null-Linie als Referenzwert ist eine unabdingbare Voraussetzung, um Einflüsse der vermuteten Feinstofflichkeit überhaupt von Zufallsschwankungen unterscheiden zu können. Da diese Kolben aber teuer sind, ist er irgendwann dazu übergegangen, nach jeder Messreihe die Kolben gründlich zu spülen und zu entspiegeln und sie so für weitere Versuchsreihen wieder in den Ausgangszustand zu versetzen. Zwei oder drei Messreihen lang ging das gut, bis er zu seiner großen Überraschung bemerkte, dass die mehrfach verwendeten Kolben schließlich auch ohne Verspiegelung schon Masseschwankungen aufwiesen. Sein gesamtes Forschungsbemühen stand damit in Frage. Sollte vielleicht doch alles nur ein Gaukelspiel undurchschaubarer Artefakte sein?
-Und dann habe ich weiter gedacht und bin auf die Erkenntnis gekommen, dass das Glas einen Erinnerungseffekt hat, wenn es mit dieser feinstofflichen Materie einmal in Verbindung gekommen ist“ - so berichtet er seinen Befreiungsschlag aus der Depression. Zwei bis drei Nutzungen, so fand er dann später heraus, verträgt jeder Kolben, bis sich der Gedächtniseffekt messbar bemerkbar macht.
Ein feinstofflicher Gedächtniseffekt - diese Idee ist in der im weiteren Sinn esoterischen Literatur häufig zu finden. In der Geomantie beispielsweise zählt es zu den unbestrittenen Erfahrungsgewissheiten, dass Orte durch Steinsetzungen oder besondere rituelle oder kultische Handlungen energetisch aufgeladen werden können, und dass diese Energie oft über Jahrhunderte dort bewahrt bleibt. Menschen und Steine könnten demnach feinstoffliche Energien unter speziellen Umständen bündeln bzw. akkumulieren. Und Klaus Volkamer wäre nicht Klaus Volkamer, wenn er dies nicht auch längst schon untersucht hätte. Er hat Geistheiler einbestellt und sie vor seine Proben gesetzt mit der Aufforderung, sie geistig -massiv“ zu beeinflussen. Bei den ausgewählten Glaskolben hatte er unmittelbar zuvor sichergestellt, dass sie gerade eine gute Null-Linie produzierten. Kaum dass der Heiler sich auf die Proben konzentriert hatte, so erzählt er noch mit Euphorie in der Stimme, tickerte das Probengewicht kontinuierlich um über 30 Mikrogramm nach oben, erreichte schließlich einen Plateauwert und blieb dort. -Als das der Heiler zum ersten Mal gemacht hatte, war er vollkommen verblüfft, dass er über seine Fähigkeit einen objektiv messbaren Effekt auf seiner Probe erzeugen konnte. Er saß tief beeindruckt auf seinen Stuhl und musste das erst einmal fassen.“ 65 Sekunden hatte er dafür gebraucht. Klaus Volkamer deutet mit seinem Finger auf die Plateaulinie. Dann wollte es der Heiler auch umgekehrt wissen, ob er die Probe auch wieder -leichter denken“ kann. -Er war richtig emotional, und ich konnte es gar nicht glauben. Ich sitze da und gucke nur zu, denn das wird ja alles per Computer registriert, und das fällt und fällt und fällt. Und nach acht Minuten war er sogar im Minusbereich gegenüber dieser perfekte Nulllinie.“ Kein Einzelfall, wenngleich bei anderen Geistheilern oft deutliche Verzögerungen in der Gewichtszu- oder -abnahme zu beobachten waren. Die Korrelation als solche aber, versichert Volkamer, sei in aller Regel erhalten geblieben. Demgegenüber, zur Gegenkontrolle, vermochten -Normalsterbliche“ keine oder nur ungleich schwächere Gewichtsveränderungen herbeizuführen. Das änderte sich aber teilweise, wenn sie sich Einkristalle aus Amethyst unter die Daumen klemmten und damit auf die Probe zeigten, damit erzielten sie ähnliche Gewichtsveränderungen wie erfahrene Heiler.
Die Ergebnisse irritieren durch ihre Makellosigkeit. Keine einzige vom Feinstofflichen hergeleitete Vermutung, die sich nicht glanzvoll bestätigt hätte. Natürlich, wenn es diese feinstoffliche Energie gibt und sie tatsächlich für all jene Phänomene gleichermaßen verantwortlich ist, wenn sie sich außerdem in versilberten Glaskolben zuverlässig einfangen lässt, dann sollte sich auch eine möglichst vollständige Übereinstimmung von Erfahrungswissen und Experiment ergeben. Da sich zeigt, dass diese Phänomene von unglaublich vielen feinstofflichen Einflussfaktoren gleichzeitig abhängen, erscheint eine so schöne, manchmal fast störungsfreie 1:1-Zuordnung eher unwahrscheinlich. Da können die insgeheimen Erfolgshoffnungen des Versuchsleiters eine genauso große Rolle spielen wie die Planetenkonstellationen, die Gedächtniseffekte oder Gravitationsanomalien.
Gerade die Sternkonstellationen scheinen nach seinen Beobachtungen Masseschwankungen sogar im Minutenbereich hervorrufen zu können. So geschehen bei der Sonnenfinsternis vom 12. Oktober 1996, deren Auswirkungen er wägetechnisch intensiv verfolgt hat. Seine Grafiken zeigen eine geradezu perfekte Übereinstimmung zwischen Masseschwankungen und den verschiedenen berechneten astrologischen Abschattungsvorgängen. Kaum dass ein Stern aus dem Mondschatten auftauchte, reagierte seine Waage. Da solche Sternbedeckungen aber ständig stattfinden, nur eben ohne Sonnenfinsternis nicht sichtbar sind, sollten seine Messkurven permanent vom kosmischen Geschehen beeinflusst sein. Wahrscheinlich gibt es Erklärungen, warum das bei ihm nicht so ist, wie es für fast alles Erklärungen gibt, wenn man es durch die Brille einer bestimmten Modellvorstellung betrachtet. Manchmal freilich erinnert das an den Mann mit dem Hammer, für den jedes Problem zum Nagel wird.

Der zugehörige Theorieentwurf
Klaus Volkamer ist inzwischen noch viele Schritte weiter gegangen und hat seine gesammelten Messdaten in einen einheitlichen, grandiosen Theorieentwurf gekleidet. Darin entwickelt er geometrische, wesentlich auf Platon zurückgreifende Ordnungsschemata, wo er die feinstofflichen Quanten genauso wie Elementarteilchen als Wirbelpaare deutet und anhand der Systematik etliche Massen bekannter Elementarteilchen auf 0,5% Genauigkeit über insgesamt sieben Größenordnungen genau vorhersagen kann. Wenn das so stimmt, wäre das eine kleine Revolution - ein neues Ordnungsschema, das, wie Klaus Volkamer betont, quantitativ verträglich ist mit Einsteins Relativitätstheorie als auch mit der Quantentheorie. Spätestens hier winken gestandene Hochenergiephysiker ab, weil sich Volkamer zwar vieler Begriffe aus Relativitätstheorie und Elementarteilchenphysik bedient, seine geometrischen Ordnungen aber in keiner Weise an deren Formalismus anbinden kann. Hier, so sagt er, bräuchte er Unterstützung von einem Theoretiker, der diese Zusammenhänge herstellen kann. Diesen freilich findet er nicht, weil sein Theorieentwurf bereits zu fertig oder festgefügt ist, um noch Platz für eigene Kreativität zu lassen, und weil seine Ideen in der Fülle auch zu jenseitig vom etablierten physikalischen Weltverständnis liegen. Das heißt noch nicht, dass seine Ideen falsch sind, aber es verlangt Physikern eine gewaltige und zumeist überfordernde Offenheit ab.

Die subjektive Komponente
Nichtsdestotrotz, seine Wägungen sind bemerkenswert und zu gediegen, um sie einfach als Spinnerei ignorieren zu können. Dass er der erste ist, der all dies herausgefunden haben will, erklärt er sich damit, dass er nicht im Handbetrieb wiegt, wie alle seine Feinwäge-Vorgänger, sondern vollautomatisiert und dadurch keinerlei unkontrollierte Erschütterungen einbringt. Nur dadurch kann er Messwerte im Sekundentakt abgreifen, und erst bei dieser dichten Messfolge würden jene Quantensprünge und Feinstofflichkeitseffekte strukturell sichtbar. Die Wägungen in universitärem Rahmen nachzuvollziehen, sollte keine besondere Schwierigkeit darstellen, zumal eine preiswertere Chance, womöglich an den Grundfesten der Physik zu rütteln, heute anderswo kaum mehr zu haben ist. Allerdings dürfte es schwierig sein, den Messungen das gleiche Maß an Objektivität abzuringen, wie es in der Wissenschaft gewöhnlich gefordert ist. Denn sobald geistige Einflüsse irgendeine Rolle spielen, schwappt unvermeidlich auch eine schwer zu kontrollierende subjektive Komponente mit hinein. Es gibt dann keinen unabhängigen Außenstandpunkt mehr. Diese Problematik erinnert an den Beobachtereffekt in der Quantenmechanik. Tatsächlich zeigen ja etliche Phänomene, insbesondere aus dem Bereich des geistigen Heilens (Synchronizitäten, telepathische Erfahrungen etc.) so viele Analogien zu quantenmechanischen Phänomenen (Synchronizitäten, Verschränkungen, Delokalität etc.), dass einige Freiburger Wissenschaftler die Quantentheorie formal verallgemeinert haben und damit auch auf makroskopische Bereiche anwenden können. Diese sogenannte schwache Quantentheorie kommt ohne feinstoffliche Energien aus und kann insbesondere den merkwürdigen Umstand erklären, warum in so vielen grenzwissenschaftlichen Forschungen sowohl Skeptiker wie -Gläubige“ jeweils ihre Ansichten in scheinbar objektiven Experimenten bestätigt finden. Zur Zeit tüfteln jene Wissenschaftler an Versuchsanordnungen, die erlauben könnten, den möglichen Einfluss geistiger Haltungen oder innerer Gewissheiten der Versuchsleiter auf den Ausgang von Experimenten dingfest zu machen. Masseschwankungen vermag diese Theorie nicht zu erklären. Sie zeigt jedoch deutlich, wie diffizil die Messproblematik gelagert sein kann und dass der naturwissenschaftliche Wissensbegriff hier offenbar an gewisse Grenzen stößt.
Wissen bedeutet gewöhnlich, einen beobachtbaren Vorgang hinreichend von allen anderen (bekannten und erfassbaren) Einflüssen isolieren zu können und in eine Darstellungsform zu bringen, die anderen Menschen erlaubt, diesen Vorgang auf der Grundlage ihres bisherigen Erfahrungshorizontes zu rekonstruieren. Klafft zwischen den Erfahrungshorizonten eine zu große Lücke - wie beispielsweise zwischen Wissenschaftlern und Esoterikern oder auch dem Volkamerschen Theorieentwurf -, entsteht in diesem Sinn kein Wissen, selbst wenn die Erkenntnisse sich später als richtig erweisen sollten.
Genauso wenig entsteht (vermeintlich objektives) Wissen, wenn die vielfältigen Einflussfaktoren nicht mehr überschaut und ausgesondert werden können. Die Naturwissenschaft hat ihre bestechende Konsistenz nur dadurch erreicht, dass sie ihre Erkenntnisse rigoros und konsequent allein auf die Detektionsfähigkeit von Apparaten beschränkt hat. Alle ganzheitlich-feinstofflichen Aspekte bleiben ausgeklammert, zum einen, weil lebendige Systeme viel zu komplex sind und immer auf Teilausschnitte reduziert werden müssen, zum anderen, weil jeder Messapparat aus Einzelteilen gestückelt ist und nicht, wie alles Lebendige, aus einer Ganzheit erwachsen ist und daher kaum für ganzheitliche Aspekte sensitiv sein kann. Eine Ausnahme könnte der physikalisch so schwierige Begriff der Masse darstellen, insofern sich hier tatsächlich feinstofflich-ganzheitlichen Aspekte verfangen. Aus Messungen dieser ein-dimensionalen Größe aber schon einen derartigen zusätzlichen Strukturreichtum physikalischer Gesetze abzuleiten, wie es Klaus Volkamer unternimmt, ist zumindest äußerst gewagt - allerdings auch wissenschaftlich herausfordernd.
Vielleicht ist es gar nicht unbedingt sinnvoll, eine vollständige Theorie der Feinstofflichkeit entwickeln zu wollen, weil sie ohnehin nie das Maß an Konsistenz wie das bisherige physikalische Theoriegebäude wird erreichen können. Trotzdem erlauben solche Forschungen, präziser über das Verhältnis von Objektivität und Subjektivität nachzudenken und überhaupt neue Denkwege zu öffnen. Weil Apparate so zuverlässig arbeiten, hat die Wissenschaft den Menschen als ganzheitlich-sensitiven Messapparat völlig ausgeblendet und seine Subjektivität mit Beliebigkeit gleichgesetzt. Wahrscheinlich zu Unrecht, denn wahrnehmungsgeschulte Menschen kommen bei diversen, z.B. geomantischen, Versuchsanordnungen im Kern meist zu überraschend ähnlichen Wahrnehmungen. Die Ergebnisse sind dann gewissermaßen -quasi-objektiv - wie auch viele naturwissenschaftliche Ergebnisse heutzutage, je näher sie sich an komplexe Zusammenhänge heranwagen, nur anerkannte Mehrheitsmeinungen repräsentieren -, lassen sich aber vom Subjekt nicht mehr ablösen. Es handelt sich dann um eine echte Form von Erkenntnis, mit der sich arbeiten lässt, die jedoch nicht mehr Wissen genannt werden kann, sondern stärker unter die Rubrik Weisheit fällt.
Apparative Messungen wie die Volkamerschen Wägungen können die Kluft zwischen Wissenschaft und allgemeinerer, die ganzheitlichen Aspekte einbeziehende -Erkenntnisschaft“ punktuell verkleinern helfen, wohl aber nicht schließen. Umgekehrt kratzt eben dieser apparative Zugang einmal mehr am Vertrauen, dass das geschulte menschliche Wahrnehmungsvermögen für sich genommen und ohne apparative Bestärkung bereits großen Wert habe. Dabei gilt gerade im feinstofflichen Bereich die allgemeine Überzeugung, dass das unvoreingenommene Vertrauen in bestimmte Wahrnehmungen und Phänomene Rückwirkungen auf jene Phänomene habe. Davon geht auch Klaus Volkamer aus. Das macht es aber nicht gerade leichter, seine Wägungen und sein Lebenswerk einzuordnen. #

Literaturempfehlung: Klaus Volkamer: Feinstoffliche Erweiterung der Naturwissenschaften, Weißensee-Verlag, Berlin 2003, 667 Seiten, 38,- Euro,
ISBN 3-89998-037-9, www.weissensee-verlag.de.