Wie wir wahrnehmen

Lehrgang in Fortsetzungen, Teil 3: Der Umgang mit inneren Bildern

von Dipl. Ing. Stefan Brönnle erschienen in Hagia Chora 18/2004

In der Geomantie begegnen wir anderen Wirklichkeiten, die sich nicht oder nur sehr eingeschränkt messtechnisch fassen lassen. Wir sind hier auf uns selbst zurückgeworfen: Wir können unserer Wahrnehmung trauen oder sie beiseite schieben - und einer anderen trauen. Wahrnehmung und Weltbild hängen direkt zusammen; nur selten sind wir bereit, unsere Wahrnehmung anders zu interpretieren. Auch in der Geomantie buhlen die scheinbar unterschiedlichsten Wahrnehmungsmethoden um Akzeptanz: Radiästhesie, Imagination, Intuition, Hellsichtigkeit, Empathie, Anwendung biokybernetischer Apparaturen usw. Diese Zugänge zu anderen Realitätsebenen sind rückführbar auf wenige "Wahrnehmungsmechanismen" unseres Gehirns, dem Substrat für unser Bewusstsein. In dieser Schulungsreihe nähern wir uns diesen Grundlagen an. Einführend erklärte Stefan Brönnle zunächst, wie unser Gehirn strukturiert ist und welche Wahrnehmungsfilter existieren. In der zweiten Folge stellte er die unterschiedlichen Wahrnehmungstypen vor und setzte mit einer Reihe von praktischen Übungen zur erweiterten Wahrnehmung fort. Anhand von Lesereinsendungen zu einer der Übungen zeigt er in dieser Ausgabe Möglichkeiten, wie wir lernen können, bei einer medialen Wahrnehmung assoziative Bildketten besser zu deuten.

Wie wir wahrnehmen
In der letzten Ausgabe dieses Wahrnehmungslehrgangs gab ich Ihnen eine kleine "Hausaufgabe", die darin bestand, über verschiedene Wahrnehmungskanäle ein Objekt wahrzunehmen, das sich hinter der Zahlenreihe

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verbirgt. Ich habe dazu viele Zuschriften erhalten und danke für die rege Beteiligung! Diese Zusendungen möchte ich nun nutzen, um zu erklären und Methoden vorzustellen, wie wir mit solchen Wahrnehmungen und deren Interpretationen umgehen können. Wie ich bereits in der letzten Folge erläutert habe, führt unser Bewusstsein unsere Wahrnehmungen zu "Wirklichkeitspaketen" von 2,9 Sekunden Dauer zusammen. Unser Gehirn nimmt rund 600 000 Informationseinheiten pro Sekunde auf, folglich stecken bis zu 1,8 Millionen Informationseinheiten in jedem Wirklichkeitspaket. Doch nur 5 bis 9 Einheiten werden uns davon als Wahrnehmung bewusst. Knapp 3 Sekunden später werden die primären Wahrnehmungen bereits miteinander verflochten, interpretiert, zerlegt, nach Wahrscheinlichkeit sortiert, vergessen oder treten als Dejavu-Erlebnis erneut ins Bewusstsein. Deshalb sind die meisten Wahrnehmungseindrücke bei "medialen Wahrnehmungen" symbolisch zu verstehen. Sie spiegeln unsere inneren Filter wider, die ich im ersten Teil dieses Lehrgangs beschrieben habe, also unsere Erfahrungen, Interessen und Abneigungen. Die "Symbolik" eines inneren Bildes kann sehr weit reichen. Bevor wir bewusst sehen oder hören, werden bestimmte Sinnesqualitäten ausgewählt. Diese vorbewusste, "präattentive" Aufmerksamkeit geht bis zum ersten Speichern einer Information jeder bewussten Wahrnehmung voraus. Die präattentive Aufmerksamkeit findet größtenteils unbewusst statt. Der Schritt von hier aus zur bewussten Wahrnehmung geschieht über die Fokussierung unserer Achtsamkeit. Dadurch fallen Unmengen an Informationen aus unserer bewussten Wahrnehmung heraus. Dennoch wirken die aufgenommenen Informationen auf der präattentiven Ebene in unserem körperlich-seelisch-geistigen System. Bereits in den ersten Sekundenbruchteilen der Fokussierung kommt es zur Erregung und Aktivierung eines Areals im Gehirn mit sensorischen bzw. motorischen Funktionen. Es baut sich eine "Spannung" auf, die sich z. B. als "dumpfes Gefühl" oder reflexartiges Zucken zeigt. Nehmen wir an, in einer medialen Wahrnehmung kommt es zur präattentiven Wahrnehmung des Worts "Torte". Dies setzt die Assoziationskette Torte - Kuchen - Braun - Tisch - Stuhl - Teppich - Wolle - Tau in Gang, die bis zum bewusst wahrgenommenen Wort "Seil" reichen kann.

Assoziative Wahrnehmung
Unser Bewusstsein arbeitet assoziativ. Es kann in Extremsituationen zu verblüffenden Wahrnehmungsverschiebungen kommen, wie Oliver Sacks in seinem Buch "Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte" eindrucksvoll beschrieb. Dass die Abweichungen zwischen primärer bzw. präattentiver Wahrnehmung und bewusster Wahrnehmung meist nicht so krass sind, gewährleistet der bereits beschriebene Bewusstseinsmechanismus, der die erfahrungsgemäß wahrscheinlichste Variante des Assoziationswegs bewusst macht. Wie beschrieben, übernimmt im Gehirn der Hippokampus diese Funktion. Weiterhin ist wichtig, dass wir auch in der Alltagswahrnehmung Objekte nur fragmentarisch wahrnehmen: als etwas Senkrechtes, etwas Rotes, etwas Klingendes, etwas Rundes usw. Erst anschließend fügen wir dies der Wahrscheinlichkeit nach zu einem Gesamtbild (Kirchturm mit Uhr und Glocke) zusammen. Sehen wir uns nun einige der eingesandten Wahrnehmungen zur "Hausaufgabe" genauer an: Roland B. schreibt: "Der erste Gedanke war bei mir: Sonnenlicht. Gleich darauf erschienen innere Bilder von Blumen mit roten und blauen Blüten (undeutlich)." Er erkennt richtig eine primäre Wahrnehmung (Sonnenlicht) und die assoziativen Ableitungen (Blumen). Doch auch "Sonnenlicht" kann bereits eine Ableitung sein. Agnes H. nimmt bildhaft eine "runde Kugel an einer Schnur" wahr, die sie als Pendel interpretiert, das sich von rechts nach links im Kreis bewegt. Auch Renate R. sieht als erste Wahrnehmungsform bildhaft (dies deutet auf einen visuellen Wahrnehmungstyp hin) "eine große gelbe, eher aufgehende Sonne mit etwas Weißem davor - ein Engel oder Schnee - Eisberge". Auch hier erkennt man das Bemühen unseres Bewusstseins, möglichst schnell etwas Unde- finierbares, "Weißes" in ein klares Bild (Engel, Eis) zu bringen. Christof H. dagegen nimmt visuell das Bild einer "Kartoffel, rot, im Uhrzeigersinn drehend" wahr. Wiederum also etwas (im weitesten Sinne) Rundes, sich Bewegendes. Diesmal aber rot! Für Ursula S. tauchen schnell "Wellen auf". Sie interpretiert sie als Wasser, aus dem dann "steil etwas Grau-Schwarzes" aufsteigt. Gisela K. beschreibt dagegen eine "wunderschöne Landschaft, Himalaya- ähnlich. Am Horizont ein Landschaftswesen mit nach oben geöffneten Armen und Schwingen. Es leuchtete weiß-bläulich am Himmel." Esther H. hat als ersten Gedanken eine Brücke und sieht etwas, das mit Wachstum und Sprudeln zu tun hat. Jan v. d. E. sieht einen Kerzenleuchter, Ana F. einen Kieselstein, und Elke G. sieht einen Hasen. Peter H. hat als erste Wahrnehmung den Begriff "Monument, höchste Macht, Allmacht", dicht gefolgt vom Bild eines weißen, zerklüfteten Bergs mit einem mächtigen Wolkenturm darüber. Später sieht er noch eine "Übergangsspalte zu etwas anderem (Anderswelt?)". Ich wies bereits darauf hin, dass auch unsere visuellen inneren Eindrücke zu mehr als 90 Prozent symbolischer Natur sind. Nach der Auflösung wird einiges offensichtlich sein, anderes möchte ich interpretieren. Interessant sind auch die anderen Wahrnehmungszugänge, z. B. der kinästhetische Zugang: Roland B.: "Gefühle von Tiefe, Weite, Schönheit und harmonischer Schwingung"; Renate R.: "Mein Solarplexus öffnet sich. Das Ganze erzeugt Licht und Friede". Ursula S.: "Schwanken." Gisela K.: "Rundes, Weiches, Geformtes". Peter G.: "Die Gefühle sind unbestimmt neutral, heiter, Freundschaftsempfindung." Martina K.: "Warmes, ruhiges Gefühl." Jan v. d. E. fühlt sich "wie in einer Kirche." Aber auch: Christof H.: "Rot, flauer Magen". ("Rot" als kinästhetische Wahrnehmung deutet auf eine synästhetische Fähigkeit hin.) Alexa V.: "Leichte Traurigkeit." Peter H.: "Hitze im Bauchraum, die sich zum Brustraum hochwölbt." Gehört werden z. B. "Stille", "ganz leise Klänge von hellen Glocken", "heller Glockenklang", "ein Singen, Pfeifen, Rauschen, dem Wind ähnlich", "ein langer Ton Aaaaa.", "ein hoher und ein tiefer Ton, ähnlich dem eines schreienden Esels", "Tinnitus", "Schnippen wie von einem Feuerzeug", "sanfte Geräusche", "Schalmeiton", "donnernde Brandung". Viele dieser Beschreibungen erscheinen wie das Erzählen eines Films, bei dem sich eines aus dem anderen ergibt. Dies birgt meist das Risiko rein assoziativen Kreierens weiterer Bilder. Meist sind die ersten Wahrnehmungen "am nächsten dran". Selbstverständlich können aber auch solche "erlebten Geschichten" symbolische Elemente enthalten, die mit dem Wahrnehmungsobjekt sinnhaft verknüpft sind. So wurden z. B. häufig Wahrnehmungen beschrieben, die mit Wasser zu tun haben: Wellen, Meer, Nebel - Bilder, die vor allem bergige Landschaften beschrieben oder auch weibliche Wesen (Frau mit langen Haaren, Engel, Landschaftswesen). So unterschiedlich diese Wahrnehmungen auch sind, sehr vieles von dem hier Gesagten hat mit dem Zielobjekt zu tun. Fassen wir die am häufigsten genannten Eigenschaften zusammen, so wird bereits deutlich, worum es sich handelt: Das Objekt ist im weitesten Sinne rund (Sonne, Kugel, Kartoffel, Kiesel). Es hat den Aspekt von "oben sein", "über etwas sein" (Brücke, Pendel, das herabhängt, Engel, der sich nach oben streckt, Dach, Wolkenturm etc.). Es hat etwas mit "Bergen" zu tun (Himalaya, Berg, Eisberge, weißer Berg). Es hat etwas mit "Wasser" zu tun (Nebel, Brücke, Wellen, Meer, Delphin, Brandungsrauschen). Der Helligkeitsaspekt ist ein Kontrast von Hell und Dunkel (Sonnenlicht, dunkel, duster, Licht, Kerzenleuchter, Feuerzeug usw.). Die vorherrschenden Farben sind Weiß, Blau, Grau, Orange, Rot. Es hat einen rhythmischen, zyklischen Bewegungsaspekt (kreisende Kartoffel, schwingendes Pendel usw.). Es hat den Aspekt von etwas Sakralem, Wichtigem (Monument, Allmacht, Engel, Kirche, tosende Brandung, Licht und Frieden usw.). Das Zielobjekt war - der Mond. In der Summe wurden wesentliche Aspekte des Mondes beschrieben: "Oben", hell/dunkel, sich bewegend, rhythmisch, rund. Sogar die (von der Erde aus erlebten) Farben stimmen: Weiß, Grau, Blau. Interessant ist auch das gelegentlich auftauchende Orangerot: Hans Cousto nennt dies als (oktavierte) Farbe der synodischen Mondfrequenz. Der Mond hat mit Wasser zu tun (beeinflusst z. B. die Gezeiten), mit Weiblichkeit und auch mit Bergen, die öfter genannt wurden. Man weiß nie, aus welcher Perspektive man medial wahrnimmt. Sieht man den Mond von der Erde aus, oder steht man auf ihm inmitten der schroffen, vegetationslosen Landschaft? Die Ergebnisse zeigen die erwähnte Symbolhaftigkeit. Wahrnehmung ist ein aktiver Prozess, sie ist immer interpretiert. Dies wird auch im Bild eines Hasen deutlich, der von der Erde aus gerne in der Oberfläche des Mondes gesehen wird: Die Fruchtbarkeit des Hasen korrespondiert mit dem Fruchtbarkeitsaspekt der Mondsymbolik. Dieser aktive Prozess des Zusammensetzens verschiedener Rohdaten in der Beschreibung eines Wahrnehmungsvorgangs verdeutlicht der erfahrene Hellseher Joseph McMoneagle: "Eigentlich ist es so, dass der Remote Viewer versucht, Symbole und Bilder aus seinem Geist in verständliche Aussagen über ein entferntes Ziel zu übersetzen. Wenn ich zum Beispiel an einem entfernten Ziel arbeite und davon in meinem Geist einen seitwärts weisenden Pfeil bekomme, könnte ich diesen als einen Schiffsbug deuten. Sehe ich später das wirkliche Ziel, dann stelle ich etwa fest, dass es kein Schiffsbug, sondern eine Kirche war. Der Wissenschaftler sieht einen Fehler, jeder Beobachter sieht einen Fehler, doch ich sehe, dass dieser liegende Pfeil Teil meines mentalen Bildes einer Kirche ist. Ich habe also nichts falsch gemacht, sondern etwas gelernt. Ob richtig oder falsch, ich lerne und gewinne hundertprozentig aus der Erfahrung" (Joseph McMoneagle: "Mind Trek", S. 78 f.).

Möglichkeiten der Interpretation
Selbstverständlich gab es in unserem kleinen Versuch auch Bilder, die nicht sofort zu deuten sind, wie ein Auto oder ein Toaster. Waren diese "falsch"? Meiner Ansicht nach ist die Wahrnehmung immer richtig. "Falsch" sind unsere Schlüsse und Interpretationen. Wie aber kann man mit derartigen Bildern umgehen? Hierzu gibt es verschiedene Wege:

Möglichkeit 1: Innere Bilder und Filme vermeiden Das Technical Remote Viewing (TRV) ist eine Methode, die in den USA u. a. durch das Stanford Research Institute zur PSI-Spionage entwickelt wurde. Hier führt das "Protokoll" den "Viewer" (den Wahrnehmenden) in verschiedenen Stufen zu einem umfassenden Wahrnehmungsergebnis. Bei dieser Methode werden innere Bilder möglichst vermieden. Diese sind fast immer symbolisch gemeint. Da man bei der Spionage möglichst detaillierte und nachprüfbare Fakten braucht, führen Symbolbilder eher in die Irre. Bei der Wahrnehmung aufkommende innere Bilder werden im TRV daher als "Analytic Overlays" (AOL), als "Analytische Überlagerungen" unseres Bewusstseins verstanden. Man kann diesen Prozess weitgehend unterbinden, indem man z. B. beim TRV spontan auf bestimmte Fragen antwortet. Länger als 3 Sekunden sollten solche "Kurzwahrnehmungen" nicht andauern, da das Wirklichkeitspaket danach interpretiert wird. Man kann sich dieses Vorgehen zu Nutze machen, ohne ganz auf innere Bilder zu verzichten: Ein Weinkoster z. B. nimmt nicht etwa den Wein in den Mund und lässt ihn dann minutenlang auf der Zunge liegen, vielmehr "beißt" er den Wein. Mit diesem schmatzenden Schmecken nimmt er sozusagen viele Male hintereinander wahr. Verweilen wir zu lange bei einem Bild, setzt sich eine Assoziationskette in Gang, die meist vom Urimpuls wegführt. Daher: Nehmen Sie das erste Bild, das auftaucht. Starten Sie, wenn es nicht eindeutig ist, lieber mehrmals neue Versuche, und vergleichen Sie später die verschiedenen Bilder miteinander. Mindestens ebenso wichtig ist: Schieben Sie eine Wahrnehmung niemals als Unsinn beiseite. Das Unbewusste versucht Ihnen mit diesem Bild etwas zu sagen. Wenn sie es verdrängen, füllt sich lediglich Ihr "Arbeitsspeicher", der auch als "Assoziativspeicher" bekannt ist. Auch bei einer Verdrängung kommt es somit zu stets anderen Bildvarianten, die oft immer weiter weg führen. Daher: Nehmen Sie Ihre Wahr-nehmung als wahr an!

Möglichkeit 2: Inneren Bildern nachspüren Was ist aber, wenn ich ein Bild erhalten habe - z. B. den erwähnten Toaster - das ich nicht verstehe? Hier kann vielleicht eine Methode weiterhelfen, die ich aus dem Focusing, einer Methode zur Emp- findungsklärung, entlehnt und als Wahrnehmungstechnik weiterentwickelt habe. (Als Kinästhetiker, der ich bin, sagt sie mir persönlich sehr zu.) Wir haben einen "Gefühlsraum", der sich in der Regel im Bereich unseres Rumpfs befindet. Zu allem, was wir denken, tun, hören usw. entstehen in diesem Raum Gefühlseindrücke, die in Beziehung zu anderen, früheren Eindrücken stehen. Um nun zu einer Deutung des Symbolbilds zu kommen, nehmen Sie das Bild vor Ihr inneres Auge und achten auf Ihren Gefühlsraum. Achten Sie auf Reaktionen des Körpers wie auch auf Emotionen, die sich an bestimmten Körperstellen manifestieren. Ist eine solche Reaktion aufgetreten, gehen Sie mit Ihrer Aufmerksamkeit an diese Körperzone. Spüren Sie hinein, möglicherweise taucht nun eine weitere Körperreaktion - vielleicht an einer anderen Stelle - auf, oder es steigt eine Erinnerung in Ihnen empor. Legen Sie dann erneut Ihre Aufmerksamkeit auf diese Erinnerung, und achten Sie darauf, wie es Ihnen in der entsprechenden Situation gegangen ist. Auf diese Weise werden Sie tiefer und tiefer in den Kaninchenbau Ihrer eigenen Matrix gezogen. Alle auftauchenden Emotionen, Körperreaktionen und Erinnerungen haben dabei mit dem Ausgangsbild ("Toaster") zu tun. Sie "erklären" Ihnen, was hinter dem Bild an Qualitäten steckt. Möglicherweise führt Sie der "Toaster" zu einer Erinnerung aus Ihrer Kindheit. Ein ähnliches Objekt stand vielleicht bei Ihrer Großmutter, und diese wiederum steht für eine bestimmte Qualität, die Sie sowohl mit Ihrer Großmutter als auch mit dem Mond in Verbindung bringen. Wichtig auch hier: Schieben Sie keine Wahrnehmung weg, nehmen Sie sie immer als wahr an!

Möglichkeit 3: Entleerung des Assoziativspeichers Jedes nicht erkannte oder gar weggeschobene Bild wandert in den Assoziativspeicher. Man kann ihn sich wie den Speicher bei einem Computer vorstellen: Auch Daten, die ich in den Papierkorb lege, rauben Speicherplatz. Folgende Methode hilft dazu, den Assoziativspeicher zu entleeren, und kann daneben dazu verwendet werden, den Sinngehalt hinter einem Symbolbild zu erkennen. Diese Methode ist ebenfalls dem TRV entlehnt und vereinfacht: ! Das innere Bild wird aufgeschrieben. ! In Folge schreiben Sie alles auf, was Ihnen zu diesem Bild einfällt, ohne irgendeine Assoziation zurückzuhalten. ! Die Assoziationen werden sortiert aufgeschrieben nach a) Objekten (Objekte sind Dinge, die gesehen oder angefasst werden können. Objekte können als solche physischen Gegenstände verstanden werden, die z. B. am Ort gegenwärtig sind und darum geholfen haben, das Bild im Geist entstehen zu lassen.) b) Attributen (Attribute sind Eigenschaften oder Qualitäten einer Person oder Sache. Attribute gelten für jene Merkmale des Ortes, die zur Bildentstehung beitrugen.) c) Themen (Themen werden als etwas definiert, mit dem z. B. in einer Diskussion umgegangen wird. Sie sind sozusagen "Ausstrahlungen", die dem Beschreiben des Ortes dienen können. Sie können auch Abstraktes, Nicht-Greifbares beinhalten, oder es können spezifischere Merkmale sein, die mit der Funktion, dem Zweck, der Natur oder Aktivitäten der Bewohner des Ortes zu tun haben.) ! Das Aufschreiben erfolgt nach einer bestimmten Methodik: In unserem Beispiel ist das innere Bild ein Schiff oder Boot. Als Objekte fallen dazu z. B. ein: Schiffsschraube, Wasser, Tau, Ruder, Hafen, Rettungsring oder Anker; als Attribute: weit, groß, mächtig, rauschend, schwimmend, gefährlich; und als Themen: Transport, Prestige, Reise, Handel, Katastrophe. Anschließend tauchen möglicherweise erneut Prädikate, Attribute und Themen auf, die man wiederum in ihre Spalten schreibt, aber so, dass man die vorangegangene Assoziation erkennt, auch wenn sie in einer anderen Spalte steht, z. B. Waffe, bedrohlich, Gefahr. Dies wird so lange fortgeführt, bis beim besten Willen keine Assoziationen mehr auftauchen. Der Assoziativspeicher ist leer! Erst jetzt betrachten Sie, was Sie geschrieben haben. In unserem Beispiel fällt auf, dass stets Assoziationen auftauchten, die mit Gefahren und Unfällen verbunden waren - ein Indiz dafür, dass sich im Symbolbild "Boot" wohl eher die Titanic als ein Ruderboot verbarg. Möglicherweise steht es für einen Gefahrenaspekt. Die Analyse dieser Assoziationskette bedarf dabei allerdings ebenfalls des Einsatzes Ihrer Intuition. Achten Sie beim Lesen Ihrer Niederschrift darauf, was Ihnen ins Auge sticht, was Ihnen auffällt. Ihr Unbewusstes sagt damit: "Hier liegst du richtig!"

Möglichkeit 4: Die kinästhetische Primärbewegung Die Fokussierung des Bewusstseins, die Auswahl eines Informationsimpulses aus der Fülle einströmender Impulse, erzeugt eine Reizung in senso-motorischen Zentren des Gehirns. Oft ist ein leichtes, reflexartiges Zucken die Folge. Der Verfahrensingenieur René Warcollier (1881-1962) hat diese so genannte kinästhetische Primärbewegung als einen für die erweiterte Wahrnehmung wichtigen Bestandteil erkannt. Warcollier beschäftigte sich mit Telepathie und war von 1951 bis 1962 Präsident des Institut Metaphysique International in Paris. Er entdeckte, dass medial Begabte bei telepathischen Übertragungsversuchen vor der eigentlichen Wiedergabe der "gesendeten" Zeichnung kleine - zunächst kaum beachtete - Krakel auf das Papier zeichneten. Diese kaum zu identifizierenden Zeichen entsprangen dem reflexartigen Zucken der Wahrnehmenden und waren Ausdruck eben jener kinästhetischen Primärbewegung. In der obigen Abbildung erkennt man diese Zeichen rechts. Interessanterweise bannt das Aufzeichnen dieses Zuckens gleichsam die psychokinetische Energie auf das Parpier! Nehmen Sie bei einer Wahrnehmung Papier und Stift zur Hand. Nehmen Sie Kontakt mit dem Wahrnehmungsobjekt auf, atmen Sie tief ein, und atmen Sie in 3 Atemstößen aus. Zählen Sie dabei: "3, 2, 1." Achten Sie nun darauf, ob sich eine leichte Spannung im Zucken der Hand entladen will. Halten Sie dazu den Stift auf dem Papier. Möglicherweise entsteht so ein merkwürdiger Krakel. Wenn nun bei der weiteren Wahrnehmung ein Bild auftaucht, das Sie später analysieren möchten, betrachten Sie den Krakel erneut. Nehmen Sie das innere Bild vor Augen, und berühren Sie mit den Fingern oder dem Stift den Krakel an verschieden Stellen. Beobachten Sie, wie Bild und gefühlte Wahrnehmung aus dem Krakel interagieren. Was an dem Bild ist wichtig, was unwichtig? Welches Detail sticht heraus? Wofür steht es? Verändert sich das Bild? Auf diese Weise entschlüsselt das Unbewusste selbst sein Bild. In der nächsten Folge werden wir uns tiefer mit den Bewusstseinsebenen des Alpha- und Thetazustands auseinandersetzen und Techniken zeigen, wie Sie schnell in diese Bewusstseinsstufen gelangen und diese für Wahrnehmungen nutzen können. Damit es Ihnen bis dahin nicht langweilig wird, gebe ich Ihnen erneut einen Zahlencode, den Sie mit den in der letzten und in dieser Folge beschriebenen Techniken bearbeiten können:
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Viel Spaß!