Geist, Geld und Macht

Ein geomantischer Blick hinter die Kulissen der Stadt

von Martin Schmidt-Bredow erschienen in Hagia Chora 16/2003

Mit geomantischen Stadtführungen in München, Nürnberg und anderen Städten möchte Martin Schmidt-Bredow dazu beitragen, den modernen Lebensraum Stadt mit anderen Augen sehen zu lernen.

Wahrscheinlich hatte jede Hochkultur eine eigene Lehre von den Erdenergien und eigene Regeln für harmonisches Bauen. Ich möchte sie als die ältesten Ökologielehren der Welt bezeichnen. Gut überliefert ist das chinesische Feng Shui. Die große Resonanz, die Feng Shui heute in Deutschland erfährt, hat wohl auch damit zu tun, dass Europa seine eigene Geomantie fast völlig vergessen hat. In der Architektur sind Aspekte unserer Geomantie noch als "Harmonik" oder auch "heilige Geometrie" überliefert. Seit fünf Jahren veranstalte ich monatlich geomantische Stadtführungen in München, Nürnberg und Augsburg und gelegentlich in Berlin und in bayerischen Kleinstädten. Mein Hintergrund dazu ist mein Engagement im Bereich Stadtmarketing, wo es darum geht, der Verödung von Innen- und Altstädten entgegenzuwirken. Auf diesem Gebiet können Feng Shui und Geomantie einen wertvollen Beitrag leisten. Ich suche (bisher vergeblich) noch nach Mitstreitern, die sich nicht scheuen, diese Themen aktiv für die Städte relevant zu machen. Für die Führungen habe ich zwei Varianten entwickelt, die ich aus Marketing-Gründen "Feng-Shui-Stadtführungen" bzw. "Alte-Baugeheimnisse-Rundgänge" nenne. Grundsätzlich geht es dabei um die Frage, wie Atmosphäre darüber entscheidet, wo Menschen in der Stadt sich wohlfühlen und wo nicht, und dass das alles mit Feng Shui und Geomantie zu tun hat, weil beide ja auch von der Landschaftsbeobachtung abgeleitet sind. Also sind beide auch auf die künstliche Stadtlandschaft anwendbar, da die erfolgreiche Integration von Naturprinzipien in künstliche Umgebungen das letztliche Geheimnis der Geomantie ist. In der Feng-Shui-Führung zeige ich die eher unter dem Stichwort Feng Shui bekannten Grundsätze, in der Geomantie-Führung ("Alte Baugeheimnisse") mehr die Prinzipien des harmonikalen Bauens und der heiligen Geometrie und demonstriere einige radiästhetische Effekte.

Alte Stadtgrundrisse und Kirchen

Beste Beispiele für das alte geomantische Bauwissen sind die großen Kirchen, die in der Gotik nach den Prinzipien der heiligen Geometrie und unter sorgfältiger Wahl des energetisch richtigen Platzes als spirituelle Kunsträume oft heidnische Kraftorte ablösten oder überbauten. Auch die Grundrisse vieler alter Städte, z.B. in Freiburg, Offenburg, Villingen, München oder Siena, wurden samt ihrer scheinbar unregelmäßigen, geschwungenen Gassen als Kreisbogensegmente geometrisch durchgeplant, wie jüngst der Stuttgarter Stadtplanungs-Professor Klaus Humpert (siehe S. 54; Anm.d.Red.) nachgewiesen hat. In München lässt sich noch schön der Konstruktionsmittelpunkt an einer Ecke des Marienplatzes sowie am Polizeipräsidium, dessen Gebäudeform exakt einem Kreisbogensegment auf dem ehemaligen Stadtgraben folgt, zeigen. Meiner Anschauung nach bestätigt sich damit die geomantische Vermutung, dass alleine schon das alte Straßen- und Gassensystem einer mittelalterlichen Stadtgründung ein Energiemuster darstellt, das Atmosphäre, Leben und auch wirtschaftliche Prosperität gewährleistet. Wurden diese alten Straßenzüge zugunsten einer moderneren Stadt aufgegeben, wurde dies meist mit Verödung der entsprechenden Straßen bestraft. Dies lässt sich gut an dem wirtschaftlich schwächsten Teil der Nürnberger Altstadt demonstrieren. In einem gesamtdeutschen Vergleich zeigt sich übrigens auch, dass römische Stadtgründungen offenbar heute noch wirtschaftlich besser florieren und über attraktivere Innenstädte verfügen als mittelalterliche Städte, die 1000 Jahre jünger sind. Wussten die Römer noch mehr von der geomantischen Stadtgründungskunst?
Weitere Themen meiner geomantischen Führungen sind unter anderem die Fragen, warum Kirchen nach bestimmten Himmelsrichtungen - vornehmlich nach Osten - ausgerichtet wurden, oder die harmonikalen Maße sakraler Bauwerke. Sehr interessant und auch von den Teilnehmern der Führung intensiv erlebbar sind besonders aufgeladene Orte in den Kirchen. Eine alte Kirche hat mindestens zwei Kraftplätze, der stärkste Platz ist der vor dem Altar (wörtlich "das Erhöhte"), während von der Kanzel, dem "Platz der Beredtsamkeit", der Redner besonders gut den Kirchenraum mit seiner Präsenz ausfüllt. Stark abladende Plätze hingegen stellen alte Beichtstühle dar, denn dort sollte man "Sünden abladen", und wer dann auch energetisch etwas in die Knie ging, dem fielen vielleicht noch ein paar Sünden mehr ein - ein anschauliches Beispiel dafür, wie es die mittelalterliche Kirche verstand, Spirituelles mit Machtinteressen zu verknüpfen. Das Wissen vom Bauen nach der so genannten heiligen Geometrie war vermutlich als geheimes Zunftwissen bei den damals "freie Maurer" genannten Bauhütten-Architekten konzentriert, die uns insbesondere die großartigen Kathedralen hinterließen, deren besondere Atmosphäre bis heute von vielen auch nicht gläubigen Menschen geschätzt wird. Insgesamt war die mittelalterliche Stadt ein Yin-Yang-Energiesystem, das die Anbindung an Himmel und Erde suchte. Auch der lebendige Bauorganismus des Gotteshauses hatte mindestens zwei Einspeisungspunkte: den Altar für Yin-Erdenergie und Türme für die Yang-Himmels-Energie. Letzteres konnten später auch Schlösser oder z.B. eine Pyramide leisten, die in Karlsruhe als Energiepol einer ganzen Stadt dient. Die häufigsten Himmel-Erde-Antennen sind aber Kirchtürme, die sozusagen das Yang der Atmosphäre bündeln und mit dem Yin der Erde verbinden - stehen sie doch oft auf Kultorten der erdgebundenen, matriarchalen Urreligion Europas. Eine ähnliche Wirkung als Himmel-Erde-Antennen haben auch große alte Kaufhaustempel wie z.B. der alte Hertie in München oder das Lafayette in Paris, nur dass dort ein großer Schacht mit Lichtkuppel die Funktion des Turms übernommen hat. Durch das durch die Glaskuppel einfallende Licht zirkuliert von oben Yang-Energie zu den erdgebundenen Yin-Kaufhauseingängen. Die Menschen werden unbewußt immer dort gerne hineingehen, wo sie einen Sog des Qi verspüren. Drehtüren unterstützen diesen Effekt. In Berlin lässt sich übrigens am neuen Lafayette-Kaufhaus der Friedrichstadt demonstrieren, was passiert, wenn ein heutiger Architekt versucht, dieses alte Prinzip optisch zu imitieren, aber nichts mehr vom Qi-Fluss weiß. Es entstand ein kegelförmiger Schacht, der eher Energie absaugt und vor dem viele Passanten unwillkürlich zurückschrecken, sobald sie seinen Rand erreichen und in einen gigantischen, tiefen Trichter schauen.

Von Drachenadern und Yin und Yang

Die Vernetzung der Stadt über so genannte Drachenadern sollte auch weltliche und geistliche Macht im sprichwörtlichen Sinne "auf eine Linie" bringen, was sich in einigen Städten anhand von schnurgeraden Linien demonstrieren lässt, die sowohl durch Kirchen wie durch das Rathaus laufen.
Interessant ist, dass sowohl das alte China wie auch das keltische Europa den Begriff der Drachenwege kennen, die sogar in einigen Details übereinstimmen. Im alten England waren es unter anderem "Königsstraßen", in China durften bestimmte, zu Straßen ausgebaute Drachenwege nur vom Kaiser auf einer allein für ihn reservierten mittleren Spur befahren werden. Der deutlichste Unterschied zwischen dem fernen Osten und Europa liegt darin, dass der Drache im traditionellen Feng Shui generell eine glücksbringende Kraft repräsentiert, während im alten Europa die Drachenkraft vom Patriarchat zunehmend dämonisiert wurde, weil sie mit der weiblichen Erdenergie verknüpft war. So findet eine alte Münchener Stadtsage die Ursache für eine Pestepidemie in einem unterirdischen Drachen, der besiegt werden musste. Dieser Drache hängt heute am "Wurmeck" des Rathauses, und zwar zufällig auf einer mit der Wünschelrute aufzeigbaren besonderen Drachenader. Diese verbindet die Altarplätze der zwei ältesten Kirchen Münchens, und auf ihrem Teilpunkt im goldenen Schnitt steht zufälligerweise die Mariensäule.
Selbstverständlich kommen bei meinen Führungen noch viele lokale Besonderheiten dazu, z.B. dass eine mittelalterliche Stadt wie München von vornherein mit einer weiblichen und einer männlichen Stadthälfte angelegt wurde, in denen sich dann der jeweils andere Pol anzusiedeln hatte, damit Yin und Yang wieder zusammenkommen und ein Mehr an Lebensenergie entsteht: Das Patriachat, Bischof und Herzog, setzten sich in die weibliche Hälfte der Frauenkirche. Grenze und Mittelpunkt zugleich bildet die heutige Fußgängerzone, zu deren beiden Seiten es einmal geldig-edel (Nord), und einmal provinziell-kleinbürgerlich (Süd) aussieht.
Eine Architektin im mittelfränkischen Schwabach entdeckte, dass sich entlang einer schnurgeraden Linie eine "Gründungsachse" durch ihre Stadt zieht, auf der die Altäre der alten Kirchen, das alte und das neue Rathaus, der ursprüngliche Königshof sowie wichtige alte Brunnen und die früheren Schulen lagen bzw. noch liegen. Auch die Fußgängerzone folgt weitgehend diesem Muster, und wo sie davon abweicht, sind deutlich weniger Passanten zu beobachten. Ein Indiz für diese "Schwabach-Linie" ist der am Marktplatz gelegene Pferdebrunnen. Dieser Brunnen besitzt in der Mitte eine Säule mit dem alten antiken Omphalos-Symbol oben auf seiner Spitze. Damit hat man seit der Römerzeit, in Deutschland z.B. in römisch-rheinischen Städten, den Mittelpunkt einer Stadtgründung markiert; an anderen Orten geschah dies auch oft mit einer Jupiter- bzw. Mariensäule oder einem Obelisken. In Schwabach liegt diese Säule exakt auf dieser Linie und markiert deren goldenen Schnitt. Feng-Shui-Ausbilderin Susanne Ehlert macht bei der Volkshochschule dazu Führungen entlang der Linie.

Moderne Feng-Shui-Stadtführungen

In meinen Feng-Shui-Stadtführungen zeige ich heutige Feng-Shui-Prinzipien anhand des Stadtbilds und einzelner Gebäude.
Wann ziehen Plätze Menschen an, wann nicht? Jeder kann in seiner Stadt beobachten, wo Passanten gerne und wo sie weniger gerne verweilen. Eine hohe Passantenzahl an einem zentralen Platz ist keine Garantie für Verweilqualität. So ist z.B. der Platz vor der Nürnberger Lorenzkirche ein reiner "Durchgangsbahnhof", obwohl wahrscheinlich der höchstfrequentierte der Stadt. Es gibt z.B. schlicht keine Sitzgelegenheiten. Ganz anders dagegen der Münchener Marienplatz und der Augsburger Rathausplatz, wo zum Teil sogar öffentliche Stühle stehen, damit - nicht nur - Touristen den Blick auf die Rathausfassaden genießen können. Wer sich mit Feng Shui auskennt, braucht nur zu beobachten, wieviele der Faktoren, die den Qi-Fluss sowie den Ausgleich der Elemente begünstigen, vorhanden sind oder fehlen, und er wird wissen, ob sich an solch einem Ort Menschen gern aufhalten oder nicht. Welche der fünf Elemente fehlen besonders in einer modernen Innenstadt? Das ist eine der Fragen, die unter Feng-Shui-Gesichtspunkten interessant sind. Wir haben einmal reichlich Erde in Form von Stein, der aber eher harte Yang-Qualität darstellt. Weiche, offene Yin-Erde ist recht selten, weil der Boden immer mehr versiegelt wurde. Das Element Feuer ist durch die spitzgiebeligen und zum Teil sogar roten Dächer unserer Altstädte reichlich vertreten. Metall ist zwar als Baumaterial mit unangenehmen baubiologischen Folgen häufig verbaut worden, aber die gerundete Metallform ist gleichzeitig immer seltener zu finden.
Am stärksten fehlen Wasser und Holz in der City. Beim Grün wurde inzwischen viel aufgeholt, aber dass Brunnen auch Plätze mit Qi und Wasser-Energie versorgen, ist kaum bekannt. Viele Brunnen tun jeder Stadt gut, aber es sollten auch Brunnen sein, bei denen nicht nur ein bißchen Wasser an einer modernen Skulptur herabrinnt. Wie Wasser Qi in die Umgebung bringt, lässt sich an unterschiedlichen Brunnentypen gut erklären. Am besten wirken Brunnen, bei denen viel Wasser mit viel Sauerstoff in Berührung kommt, und es einfach sprudelt und sprüht. Leider wurden oft die alten, energiereicheren Brunnen dem Autoverkehr geopfert und aus der Altstadt abgeschoben. Große künstliche Höhlen, wie sie beim U-Bahnbau entstehen, können alte Energielinien beschädigen, sagt der englische Geomant Nigel Pennick. In Nürnberg scheint das passiert zu sein, in München nicht, mit entsprechend unterschiedlichen Folgen: In München "brummt" der Kommerz in Bahnhofsnähe, in Nürnberg entwickelte sich unmittelbar nach dem U-Bahn-Bau an der doch so schön eingerichteten Fußgängermeile ein sozialer Brennpunkt und politischer Zankapfel, das umstrittene "KOMM".

Kunden anziehen oder vertreiben

Weiterhin zeige ich auf meinen Stadtführungen Zonen sowohl stark positiver wie auch deutlich negativer Energie, z.B. wo sich fast nie Menschen hinsetzen, obwohl dort seit dreißig Jahren ein Café seine Stühle offeriert. Oder wenn sich eine höchst wertvolle Innenstadtimmobilie mit riesiger Fläche in zentraler Lage seit einem Jahrzehnt der Bebauung verweigert, weil dort eine unaufgearbeitete Vergangenheit aus der Nazizeit lauert. Ganz unterschiedlich wird von den einzelnen Städten die Zulassung für Vordächer gehandhabt. Moderne, vorne glatt abgeschnittene Vordächer aus Glas, die steil über Ladeneingängen angebracht sind, vertreiben mit ihren negativen Energiepfeilen eher Kunden vom Schaufenster, als dass sie ihnen einen Regenschutz gewährten. Ein besonders reichhaltiges Feld sind bei einer Feng-Shui-Stadtführung selbstverständlich Eingänge von Geschäften und öffentlichen Einrichtungen. Wie kann man an einem Hoteleingang gutes Feng Shui erkennen? Welche Geschäftseingänge locken eher Laden-Kunden hinein? Passt der Eingang zum gewünschten Publikum? Was ist z.B. die symbolische Aussagekraft der vier verschiedenen Eingänge am Gebäude der Industrie- und Handelskammer zu Nürnberg? Jeder Eingang wurde für einen anderen Zweck, für andere Menschen aus einem bestimmten Zeitgeist heraus geschaffen und strahlt dies deutlich erkennbar aus. Für starke, kommerziell wirksame Energie steht z.B. in München die "Energiemaschine Stachus" - die Einkaufszone um den Karlsplatz. Ihre Kraft entwickelt sich aus der speziellen Form der baulichen Platzanlage, dem Geländegefälle und den riesigen Wasserspielen. Seit der Installation der großen Brunnenanlage hat sie sich - rein umsatzmäßig betrachtet - zur erfolgreichsten Fußgängerzone Deutschlands entwickelt und ist eine der am meisten verdichteten der Welt. Als einzige große Einkaufsmeile Deutschlands wächst sie immer noch an Passantenzahlen, während alle anderen stagnieren oder verlieren.

Missbrauch der Geomantie

Eine Sonderexkursion meiner Führungen beschäftigt sich mit den NS-Großbauten, von denen etliche noch in Nürnberg und München stehen. Die Nationalsozialisten verstanden es, mit monumentalen Bauten den dagegen vergleichsweise kleinen Menschen das Gefühl zu geben, sich dort ganz groß fühlen zu dürfen, was auch eine Art von Feng Shui darstellt. Nachweislich haben sich die Nazis mit Geomantie beschäftigt und damit manipuliert. Gleichgültig, ob chinesischer Kaiserhof, mittelalterliche Kirche oder NS-Diktatur - immer versprach man sich von der Kenntnis der Erdenergien Machtgewinn. Vor diesem Aspekt der Geomantie sollte man nicht die Augen verschließen. Wie der Nürnberger Geomant und Landschaftshistoriker Herbert Stahl (siehe S. 60; Anm.d.Red.) im Bundesarchiv entdeckt hat, nannten die Nazis die Qi-Kraft "Elektromagnetismus der Erde". Nach dem Ende der Nazi-Zeit verschwand das Thema der Erdenergien in der Versenkung, weil es zu sehr mit "Blut und Boden" behaftet war. Diese problematische Vergangenheit der Geomantie lässt sich besonders gut an den Orten der NS-Machtpräsentation zeigen, z.B. an den zwei Zentren der Nazi-Bewegung München, wo die Partei entstand, und Nürnberg, der "Stadt der Reichsparteitage". In München lag der Komplex der NSDAP-Zentrale auf einer Leylinie, die schon von den Wittelsbachern angelegt worden war, und merkwürdigerweise wurde die Parteizentrale nie in die Reichshauptstadt Berlin verlegt. In Nürnberg, wo die Nazionalsozialisten für ihr Reichsparteitagsgelände am Dutzendteich milliardenschwere Bauten in den Sand setzten, zeige ich zwei interessante Kraftplätze und eine Linie, die sich schon seit dem Mittelalter durch Deutschland zieht und die es den Nazis wegen ihrer Symbolik offenbar so sehr angetan hatte, dass danach das ganze Parteitagsgelände ausgerichtet wurde.

Vergessenes Wissen bewusst machen

Wie ich bei meinen Führungen zeigen möchte, erlosch das Wissen um geomantische Prinzipien zuerst im Städtebau, dann vor etwa 300 Jahren im Kirchenbau, erlebte aber eine letzte Blüte in der Anlage vieler Schlösser (z.B. Schloss Nymphenburg) und Parkanlagen (z.B. Englischer Garten München). Vor etwa achtzig Jahren ging mit der Jugendstilepoche nicht nur die Ästhetik der Yin-Formen, sondern auch das letzte Restwissen der Geomantie verloren. Alte Hausfassaden finden wir fast immer schöner als heutige Bauten, weil der fruchtbare Kontrast von gerundeten Yin- und geraden Yang-Formen früher noch gestaltet wurde. Seit 80 Jahren kommen jedoch kaum mehr weibliche Yin-Fassadenelemente zur Gestaltung, und seitdem hält sich keine architektonische Modewelle länger als 15 bis 20 Jahre, wahrscheinlich, weil das Unterbewusstsein der meisten Menschen diese formenarme Yang-Monotonie spürt. Mit den besonders spitzen Formen der Jahrtausendwende unter Verwendung der härtesten Baumaterialien Glas, Stahl und Beton ist in unseren Stadtzentren jetzt ein Höhepunkt des einseitigen Yang mit seinen kühl-abweisenden Fassaden erreicht. Mein Ziel ist, mit meinen Stadtführungen dazu beizutragen, diesem vergessenen Wissen wieder zum Durchbruch zu verhelfen. Es ist wichtig, wieder über das Wohlfühlen in der Stadt nachzudenken.