Albert Hofmann

Biografische Anmerkungen

von Claudia Müller-Ebeling erschienen in Hagia Chora 1213/2002

Albert Hofmann wird am 11. Januar 1906 in Baden (Kanton Argau, Schweiz) geboren. Eine tiefe Liebe zur Natur seiner Heimat, die er einmal als Knabe in mystischer Verzauberung erlebt, weckt sein Verlangen, durch die Chemie "tieferen Einblick in den Bau und das Wesen der materiellen Welt" zu gewinnen. 1925 nimmt er an der Universität Zürich das Studium auf, das er 1929 mit einer vielbeachteten Dissertation bei dem Nobelpreisträger Paul Karrer abschließt.
Mit Respekt für die Leistung "eines jeden Gräsleins, das mit Licht als einziger Energiequelle Stoffe herstellt, für deren Synthese die Arbeit von Hunderten von Chemikern über viele Jahre nicht ausreichen würde", widmet er von 1929 bis 1971 seine Forschungen in den pharmazeutischen Laboratorien der Sandoz AG in Basel der Naturstoffchemie. Im Zentrum steht seine Mutterkornforschung, der wichtige Arzneimittel zu verdanken sind.
Am 16. April 1943 wird er mit der Entdeckung der halluzinogenen Wirkung des LSD, das er fünf Jahre zuvor aus Mutterkornalkaloiden synthetisiert hatte, für seine Forschungen belohnt. Diese Entdeckung geschah zufällig. Drei Tage später vollzog er den ersten bewussten Selbstversuch. "Nur ein vorbereiteter Geist findet", kommentiert er diesen bedeutsamen Moment. Für einen heilsamen und gewinnbringenden Gebrauch dieser Substanz setzt er sich verantwortungsvoll ein, auch als das LSD durch zunehmenden Missbrauch ins Kreuzfeuer der Öffentlichkeit gerät.
Sein Interesse an psychoaktiven Substanzen führt ihn zu den mexikanischen Zauberdrogen (Psilocybe mexicana und Ololiuqui), deren Wirkstoffe er chemisch erforscht (Hofmann gelingt die Isolierung des Wirkstoffes Psilocybin) und deren heilsame Anwendung er während einer Forschungsreise nach Mexiko kennen lernt. Seine engagierte Forschungsarbeit führt ihn mit herausragenden Persönlichkeiten der Geisteswelt zusammen - unter anderem mit den Schriftstellern Ernst Jünger und Aldous Huxley, dem Orientalisten Rudolf Gelpke oder dem Psychiater Stanislav Grof.
Nicht nur naturwissenschaftlich, sondern darüber hinaus durch ein breites philosophisch-metaphysisches Interesse motiviert, wird Albert Hofmann zum Buchautor: 1978 verfasst er mit R.G. Wasson und C.A.P. Ruck "Weg nach Eleusis"; 1979 folgt in Zusammenarbeit mit R.E. Schultes "Pflanzen der Götter" und der Bericht seiner Entdeckung in "LSD - Mein Sorgenkind"; 1986 erscheint sein Plädoyer für die Einheit des Menschen mit der Natur "Einsichten Ausblicke".
Seine umfangreichen (etwa 140 Originalarbeiten umfassenden) Forschungen werden von amerikanischen, schwedischen, schweizerischen und deutschen Universitäten gewürdigt; Ehrendoktortitel und Ehrenmitgliedschaften werden Albert Hofmann verliehen: Dr. pharm. h.c. (Stockholm), Dr. sc. nat. (Zürich), Honorary member of the American Society of Pharmacognosy; Ehrenmitgliedschaft der Gesellschaft für Arzneimittelforschung. Im Dezember 1988 wird ihm der dritte Ehrendoktortitel Dr. rer. nat. h.c. vom Fachbereich Pharmazie der Freien Universität Berlin zuteil, "für seine grundlegenden Beiträge zur Isolierung, Strukturaufklärung und Totalsynthese der Wirkstoffe wichtiger Arzneipflanzen, für seine wegweisenden Arbeiten zur Entwicklung spezifischer Arzneistoffe durch partialsynthetische Abwandlung natürlicher Mutterkornalkaloide, für seine erfolgreichen phytochemischen Untersuchungen an mexikanischen Zauberdrogen, für die Entdeckung der einzigartigen psychoaktiven Eigenschaften des LSD und die kritische Auseinandersetzung mit den Folgen dieser Entdeckung."
In zahlreichen Gremien, Stiftungen und Kollegien ist er Vorstandsmitglied. Seinen Namen trägt außerdem eine Spezialbibliothek zum Thema Bewusstseinsforschung in Los Angeles (USA).
Heute lebt Albert Hofmann, Vater von vier Kindern und Großvater vieler Enkelkinder, mit seiner Frau Anita im Leimental bei Basel, mit grenzüberschreitendem Ausblick inmitten prächtiger Pflanzenwelten, die ihm "Tor zum inneren Raum" sind und waren.

(Aus: "Naturwissenschaft und mystische Welterfahrung", Der Grüne Zweig, ISBN 3925817506.)