Bedrohte Göttin

Maltas Menschheitserbe ein Jahr nach dem Attentat auf Mnajdra

von Monika Gödecke erschienen in Hagia Chora 1213/2002

In Hagia Chora Nr. 9 berichteten wir über den Anschlag auf den Tempel von Mnajdra auf Malta vor einem Jahr. Monika Gödecke war am Schauplatz. Sie beschreibt ihre eigenen Erfahrungen mit diesem Ort der Kraft und denkt über die Hintergründe und Auswirkungen des Anschlags nach.

Vor gut einem Jahr, in der Karwoche 2001, wurde auf die Tempelanlage von Mnajdra in Malta ein schwerer Anschlag verübt, und noch immer ist er nicht aufgeklärt. Systematisch wurden über 60 der riesigen Steine aus ihrer Lage gehebelt, und viele zersprangen beim Aufprall. Bereits 1980 war Mnajdra in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufgenommen worden. Seit 1998 stehen die Tempel außerdem auf der Liste der 100 meistgefährdeten Bauten. Mnajdra ist älter als Stonehenge oder die Pyramiden und gilt als das älteste freistehende Bauwerk der Welt. Der Anschlag richtete sich gegen das kulturelle (und spirituelle) Erbe der gesamten Menschheit. Im Südwesten von Malta, einsam und majestätisch, hoch über dem Meer, liegt Hagar Qim. Ein Fußweg führt etwa einen Kilometer weiter nach unten, noch näher ans Meer, zur Tempelanlage von Mnajdra. Die Gegend ist nahezu baumlos, felsig, Sträucher halten sich auf dem kargen Boden fest. In einiger Entfernung ragt einer der zahlreichen Wachttürme auf, die der Orden der Johanniter einst überall auf der Insel als Postenkette errichtet hatte. Vor der Küste liegt das Inselchen Filfla. Die Gegend erweckt den Eindruck, man befinde sich jenseits der Zeit. Mnajdra hat eine einzigartige Lage zwischen Himmel und Meer, eine Mittlerposition in vermutlich mehr als nur einer Hinsicht. Als ich vor zwei Jahren zum ersten Mal nach Malta fuhr, lockten mich vor allem die "alten Steine" - aber dass Mnajdra mich derart beeindrucken würde, war eine Überraschung. Schon als ich den Fußweg hinunterging, merkte ich, wie ich immer wacher und aufmerksamer und zugleich immer langsamer wurde und sozusagen jeden Schritt der Annäherung auskostete. Ich bin mehrere Stunden dort geblieben und hatte den Eindruck, angekommen bzw. wie von einer langen und manchmal beschwerlichen Reise nach Hause gekommen zu sein. Es war der Eindruck, einerseits als Individuum etwas Besonderes an diesen Ort mitzubringen und gleichzeitig die eigenen Batterien wieder aufzuladen. Es tat einfach gut, dort zu sein, und ich erinnerte mich an einen Versuch vor vielen Jahren im Physikunterricht, der meinen Zustand gut spiegelte: wie sich Metallspäne auf einer Glasplatte zu Mustern ordnen, wenn ein Magnet unter der Platte hin und her geführt wird.

Ein Leben spendender Ort

Seltsamerweise wurde mir erst einige Tage später bewusst, welches Geschenk ich in Mnajdra erhalten hatte: Mnajdra hatte mich mit einer großen Freude und Dankbarkeit und mit einem tiefen Vertrauen zum Leben erfüllt. Inzwischen fühlt es sich so an, als sei dieses Geschenk ein bleibendes. Ein inneres Bild, das mich damals streifte, kann ich inzwischen beschreiben: Aus der Anlage von Mnajdra öffnet sich eine Art transparenter Trichter in den Himmel, darin ist eine ebenfalls transparente doppelspiralige flache Treppe, das Ganze pulsiert in einem sehr langsamen und majestätisch-machtvollen Rhythmus. Wie eine Fontanelle: eine zugleich sehr sensible und für das Leben des jeweiligen Wesens immens wichtige Zone! Beim Rückflug zog das Flugzeug noch eine Schleife, genau über Filfla und Mnajdra, und ich habe seither immer wieder den Gedanken genossen, dass Mnajdra dort ist, lange vor mir dort war und lange nach mir dort sein wird. Die Erinnerung an die Tempelanlage ist so lebendig, dass ich innerlich seither immer wieder dorthin zurückkehren konnte. Umso entsetzter war ich, als ich letztes Jahr unmittelbar nach meiner Ankunft in Malta von dem Attentat auf Mnajdra erfuhr. Eine Gruppe ausländischer Studierender hatte gegen 23 Uhr in der Nacht auf Karsamstag mit Sondergenehmigung der Museumsbehörde das Gelände betreten, und der Schein ihrer Taschenlampen hatte die Attentäter verscheucht. Die Täter (es müssen mehrere gewesen sein) hätten noch sehr viel größeren Schaden angerichtet, wären sie nicht gestört worden. Bis heute ist von "Unbekannten" die Rede.

Singvogeljagd

Im gesamten Gebiet von Hagar Qim und Mnajdra fallen Unterstände und Hütten und kleine Sockel ins Auge: Hier werden Singvögel gejagt, Netze ausgelegt, Käfige mit Lockvögeln aufgestellt, Patronen verschossen. Wie in anderen Mittelmeer-Ländern ist dies auch in Malta eine beliebte Art der "Freizeitgestaltung". Mit Flinten, Netzen und nicht zuletzt dem perversen Einsatz anderer Singvögel als Lockvögel frönen die Einwohner diesem fragwürdigen Hobby in erschreckendem Ausmaß. Allein im Gebiet von Buskett/Girgenti wurden in einem einzigen Monat mehr als tausend Vögel geschützter Arten getötet. Im Rahmen von drei parlamentarischen Anfragen (März 2002) stellte sich heraus, dass in Malta im Jahr 2000 mehr als 129000 Vögel getötet wurden und dass die Zahl der ausgegebenen Lizenzen für die Jagd und besonders für Fallenstellerei stark angestiegen ist. Allein vom April 2000 bis April 2001 war die Zahl der Unterstände um Mnajdra stark angewachsen. Auch oberhalb der Grabanlage von Xemxija (im Norden der Insel) kann man keine fünf Meter mehr gehen, ohne auf Patronenhülsen zu treten. Seit Jahren schon versuchen die Singvogel-Jäger, das gesamte Gebiet um die Anlagen von Hagar Qim und Mnajdra in Beschlag zu nehmen. Bereits 1991 wurde ein Anschlag auf Mnajdra verübt, 1994 auf Mdina, und der Ministerpräsident und die ornithologische Gesellschaft von Malta (BirdLife Malta) erhielten Drohungen, die an die Megalithen von Borg-in-Nadur (einer anderen prähistorischen Tempelanlage) geschmiert waren. 1996 war in Hagar Qim dreist auf den Boden gepinselt worden: "Lasst uns unser Hobby, sonst jagen wir das hier in die Luft". Damals hatte die Regierung die Singvogeljagd verboten, kurze Zeit später kam es zu einer Serie von Anschlägen. Nur einen Tag nach den Wahlen im selben Jahr wurden Graffiti auf Mnajdras Megalithen gesprüht, die Assoziationen an satanistische Rituale wecken (z.B. ein umgedrehtes Kreuz). Noch im März 2001 hatten Museumsfachleute von der starken Zunahme der Unterstände um Hagar Qim und Mnajdra berichtet. Die Behörde hatte daraufhin alle Bauten im Gebiet der Tempelanlagen untersagt und in der ersten Aprilwoche 20 Abriss-Anordnungen erteilt. Dies dürfte der Zündfunke gewesen sein. Unglaublich, aber wahr: Mnajdra ist von einem Maschendrahtzaun umgeben, wie er in jedem Hühnerhof vorkommen könnte, tagsüber sind einige Museumsangestellte vor Ort, nachts bleibt das gesamte Gelände praktisch sich selbst überlassen. Seit Gründonnerstag 16 Uhr war nur ein einziger Wachposten vor Ort. Der Angestellte, der die Studierenden begleitete und den Anschlag bemerkte, musste erst weit laufen, um Hilfe zu holen - offenbar hatte er weder Handy noch Funkgerät. Nur wenige Kilometer von Mnajdra entfernt steht eine Sprengstoff-Fabrik. Ein Steinbruch ist ebenfalls nahe gelegen, und allein die dort immer wieder verursachten Erschütterungen hätten die Tempelanlagen im Lauf der Zeit massiv schädigen können. Als die Planungsbehörde 1997 die Genehmigung zum Betrieb des Steinbruchs aufhob, mussten Polizeikräfte eingesetzt werden. Ein zweiter ähnlicher Betrieb in der Nähe wurde, ebenfalls auf behördlichen Druck hin, geschlossen. Der salzige Seewind, vor allem aber die industriell verunreinigte Luft (über Malta regnet ja nicht nur der dort selbst erzeugte Dreck ab) tun ein Übriges. Der Zustand von Hagar Qim hat sich im Lauf der letzten zehn Jahre dramatisch verändert, bis 1994 sogar ein Teil der Anlage einstürzte. Der Witterung als Gefahrenpotenzial war man sich bewusst, den Gefahrenfaktor "Mensch" wollte man offenbar nicht sehen, und so war dieser jüngste Anschlag auf Mnajdra offensichtlich die bisher letzte Explosion in einem seit Jahren schwelenden Konflikt. Dabei hatte bereits Claude Lévi-Strauss (ein Anthropologe von Weltgeltung) auf die prekäre Situation hingewiesen, als er die Tempel im Zusammenhang mit ihrer Klassifizierung als Weltkulturerbe im Auftrag der UNESCO besuchte. Von Finanzmitteln, die für ausreichendes Personal erforderlich wären, von einem Wachdienst rund um die Uhr und fest installierten Schutzeinrichtungen (für Mnajdra ist derzeit ein Zelt in Diskussion) bis hin zu ausreichend vielen professionellen ArchäologInnen - davon kann man bis dato nur träumen. Im Land selbst war das Interesse bisher eher gering, für SpezialistInnen aus dem Ausland fehlte das Geld. Dagegen wurde im letzten Jahr eine Umgestaltung des City Gates (Stadttor von Valetta) geplant (Kosten voraussichtlich 100 Millionen Euro) und - auf einer Insel mit notorischem Wassermangel irrwitzig - ein zweiter 18-Loch-Golfplatz. Die katholische Kirche nennt das Attentat auf Mnajdra ohne Umschweife "Sünde". 98 Prozent der maltesischen Bevölkerung sind katholisch. Prunkvolle Prozessionen und Umzüge und zumal ein Papstbesuch finden begeisterte Teilnehmer - unbequeme Worte stoßen dagegen auf taube Ohren. Dabei bestünde theoretisch die Möglichkeit, dass die Kirche wieder die Zuständigkeit für das Gebiet um Hagar Qim und Mnajdra bekommt, denn so war es vor etwas mehr als 100 Jahren, und sie hatte sie damals nur unter der Bedingung an den Staat abgetreten, dass die Tempelanlagen sorgfältig behandelt würden. Was tierschützerische Aktivitäten betrifft, sind die Kirchen(männer) allerdings nicht gerade die Avantgarde. Dabei wird der Heilige Geist doch vielleicht nicht ganz zufällig in Gestalt einer Taube dargestellt?

Amigos?

Gleich in den ersten Tagen nach dem Anschlag wurden Singvogeljäger verhört - ohne Ergebnis. Ein Mann, der unter dem Verdacht der Beteiligung dreimal verhaftet worden war, wurde immer wieder auf freien Fuß gesetzt, und die Presse zitierte Vermutungen, es habe Protektion von sehr weit oben gegeben. Der Verband der Singvogeljäger distanzierte sich (natürlich) mit harschen Worten von dem Attentat und wies zugleich jede Kritik an den Jägern zurück. In Malta (und Gozo) gibt es laut öffentlichen Zahlen etwa 50000 legal zugelassene Gewehre. Die Ausstellung einer Jagdlizenz ist anscheinend pure Formsache und sehr preiswert: Laut eigener Einschätzung des Verbandes gibt es 20000 Singvogeljäger, das sind bei einer Gesamtbevölkerung von nicht ganz 392000 Menschen mehr als zehn Prozent. Zumal für die beiden großen der drei politischen Parteien (neben den alteingesessenen Nationalisten und der Arbeiterpartei fällt das Klientel der jüngeren "grünen" Alternattiva Demokratika kaum ins Gewicht) ist dieses Wählerpotenzial interessant. Die Jäger und Fallensteller haben eine aggressive und lautstarke Lobby, die immer wieder versucht, die Regierung mit der Drohung eines Wahlboykotts zu erpressen. Schon mehrere Wahlen wurden nur sehr knapp entschieden: in einer Parteienlandschaft, in der die beiden großen Parteien in der Wählergunst nah beieinander liegen und das Mehrheitswahlrecht herrscht, kann schon eine geringe Stimmenanzahl den Wahlausgang mit erheblichen Konsequenzen bestimmen. Leider gibt es auf beiden Seiten auch Politiker, die diese Lobby willfährig mit Zugeständnissen bedienen. Jägervereinigungen haben bisher regelmäßig öffentliche Zuschüsse erhalten: immerhin rund 12500 Euro jährlich! Der Aspekt des Wählerpotenzials ist umso brisanter, als die Frage des EU-Beitritts ansteht, denn die EU-Gesetze würden den Singvogeljägern einen Strich durch die Rechnung machen, und EU-Umweltkommissarin Margot Wallström fand bei ihrem Besuch in Malta 2001 denn auch deutliche Worte. Wer also verfügt über ausreichende Macht(mittel), dass die seit Jahren erfolgten Appelle der Museumsleute nach mehr Schutz für die Tempelanlagen nicht umgesetzt wurden, und dass die polizeiliche Untersuchung des Anschlags bisher nicht zur Ermittlung der Schuldigen geführt hat? Umgekehrt: Wie kann es nach einem solchen Attentat passieren, dass - wie im letzten Dezember gemeldet - die Museumsbehörde 2001 nur ganze zwei (!) Prozent ihres Sicherheitsbudgets ausgegeben hat?

Machismo?

Mag sein, dass die vielen Touristen, die von den Tempelanlagen angezogen werden, die Singvogeljäger lediglich bei der Ausübung ihres mörderischen Hobbys stören. Allerdings kommen die meisten Touristen in den Sommermonaten, und Hochsaison für die Singvogeljagd ist wegen der Zugvögel im Frühjahr und Herbst. Ich vermute, hier spielt auch noch eine tiefere, vielleicht unbewusste Ebene hinein. Gerade junge Männer versuchen durch die Singvogeljagd sich und anderen ihre Männlichkeit zu beweisen - oder was sie dafür halten. Als besten Beweis dafürempfinden sie es offensichtlich, wenn sie Gewalt ausüben und sich als die Herren des Landes und als Herren über Leben und Tod aufführen können. In den letzten Jahren hat die häusliche Gewalt in Malta stark zugenommen, und allein die Hilfsorganisation "Appogg" erhielt im vergangenen Jahr 500 Notrufe. Das ist jedoch vermutlich nur die Spitze des Eisbergs, denn viele Fälle häuslicher Gewalt, vor allem sexueller Gewalt, werden nicht angezeigt. Wie mehr oder weniger in allen südeuropäischen und/oder stark von der katholischen Kirche geprägten Ländern lässt die Situation der weiblichen Bevölkerung zu wünschen übrig. Von Rechts wegen ist keine Ehescheidung möglich, und erst kürzlich erinnerte die Kirche die Frauen wieder an ihre "heiligen" Pflichten in Ehe und Mutterschaft. "Natürlich" sind ausschließlich die Mütter für die Kinder zuständig, und ihnen wird nahegelegt, dafür den Beruf aufzugeben. Alleinstehende Frauen werden verdächtigt, Lesben zu sein. Unter der provozierenden Überschrift "The guardians of our prisons - The Maltese burqa" wurde in der Times of Malta anlässlich des Internationalen Frauentages eine ernüchternde Bilanz gezogen. Die Frauen hätten durch den EU-Beitritt Maltas viel zu gewinnen. Einiges spricht dafür, dass Maltas Tempelanlagen aus einer matriarchalen Zeit stammen, zumindest aber einer Zeit, in der eine weibliche Gottheit im Mittelpunkt stand. Dazu würde passen, was neuere Forschungen ergeben haben: dass Mnajdra kein Sonnenkalender war, sondern eher nach dem Mond ausgerichtet ist. Vielfach gelten die Tempel auch als Zeugen einer gewaltfreien Kultur, und ich halte es für gut möglich, dass ihre Ausstrahlung wahrgenommen wird. Kann es sein, dass sie deshalb von einer gewaltbereiten patriarchalen Gesellschaft für bestimmte Gruppen zu Objekten ihres Hasses werden? Für mich sieht es so aus, als sei Mnajdra einem Hate Crime zum Opfer gefallen.

Positive Tendenzen?

Wenige Tage nach dem Attentat hatte die nichtstaatliche Denkmalschutz-Organisation Fondazzjoni Wirt Artna zu einer Protestkundgebung aufgerufen. Verbale Unterstützung kam von allen Seiten, von allen Parteien, von Regierung und Staatspräsident, von der Kirche, zahlreichen Behörden, Verbänden und weiteren NGOs ebenso wie dem Tourismus-Verband und nicht zuletzt von den Medien - aber statt der erwarteten 50000 beteiligten sich gerade einmal ein paar hundert Menschen an der Kundgebung. Dennoch haben Erschütterung und Zorn, die nicht nur im Land selbst, sondern weit über Malta hinaus laut wurden, über die Monate hin einiges bewirkt. Im gesamten schulischen und außerschulischen Bildungssystem in Malta spielte das eigene prähistorische Erbe offensichtlich bisher keine Rolle. Seit dem Attentat auf Mnajdra regt sich nun Bedauern und Bestürzung darüber, wie wenige SchülerInnen und StudentInnen die Tempelanlagen besuchen und wie gering das Wissen um diese Vergangenheit auch in anderen Teilen der Bevölkerung ist. Projekte in der schulischen und außerschulischen Bildungsarbeit versuchen jetzt, Kinder und Jugendliche dafür zu interessieren, und der Eintritt in viele Museen ist an einem Sonntag pro Monat kostenlos. Die Kultur-Organisation Din l-Art Helwa veröffentlichte Ende Januar eine umfangreiche Liste mit detaillierten Vorschlägen für strengere Jagdgesetze. Am 23. März 2002 wurde sie mit dem "Europa Nostra"-Preis ausgezeichnet. Bereits im letzten Juli hatte Din l-Art Helwa eine Fernseh-Serie mit dem Titel "Heritage in Peril" (Kulturerbe in Gefahr) gestartet, die für die Bewahrung der Kulturschätze und der Natur sensibilisieren sollte. Sie richtete sich an die gesamte Bevölkerung und hat offensichtlich große Aufmerksamkeit gefunden. Mit ähnlicher Zielsetzung hatte die englischsprachige Tageszeitung The Times of Malta wenige Tage nach dem Attentat eine Spendenkampagne für Mnajdra gestartet, die später verlängert und zu einem Wettbewerb bis zum Ende des Sommers ausgeweitet wurde. George Cini, der in der Times eine ganze Reihe von Hintergrundberichten und Interviews veröffentlicht hatte, erhielt Ende 2001 eine Auszeichnung auf internationaler Ebene. Solcher Einsatz, aber auch künstlerische Projekte wie die Ausstellung "Come dream with me" der New Yorker Malerin Janet Caruana Savage (die Bilder waren gerade zur Zeit des Attentats in der Landeshauptstadt Valletta zu sehen) oder ein Benefiz-Konzert für Mnajdra im berühmten Manoel-Theatre können unterstützen. Die herabgestürzten Steine der Tempel von Mnajdra konnten inzwischen in mühevoller Arbeit wieder aufgerichtet werden, viele mussten geklebt werden, und da die beteiligten Archäologen und Handwerker vermutlich andere Sorgen hatten, bleibt zu befürchten, dass das geomantische Gleichgewicht nie mehr völlig wiederhergestellt werden kann. Es bleibt zu hoffen, dass Maltas Tourismus-Verantwortliche Fehler vermeiden können, die etwa auf Mallorca gemacht wurden. Noch vor 50 Jahren gab es auf Malta so gut wie keine Industrie, und auch der Tourismus entwickelte sich erst später. Mit kurzssichtigen Projekten wie Golfplätzen oder Stranddiscos könnte die Insel bald so ruiniert sein, dass die Touristen wieder ausbleiben. Mittel- bis langfristig wird es sich auszahlen, wenn man sich gut überlegt, welches Publikum man ansprechen will, gerade jetzt im Internationalen Jahr des Öko-Tourismus. Die gute Nachricht zum Schluss: Nach fast zehnjähriger Restaurierung ist das Hypogäum in Tarxien seit Ende 2000 wieder öffentlich zugänglich. Da die Wände unter Flechtenbefall litten, der u.a. durch die Atemluft der Besucher hervorgerufen wurde, werden jetzt pro Tag nur fünf bis zehn Gruppen zu je höchstens zehn Personen eingelassen, und man muss rechtzeitig seinen Platz buchen. Das Archäologische Museum in La Valletta zeigt die Originalfunde aus dem Hypogäum und anderen Tempelanlagen in einer kürzlich überarbeiteten Ausstellung. Einen ausgezeichneten allgemeinen Einstieg finden Touristen, wenn sie sich die Multimedia-Show "The Malta Experience" ansehen, einen inhaltlich wie technisch faszinierenden Überblick über die Geschichte der Inselgruppe.