Elektronischer Schamanismus

von Hermann Größer erschienen in Hagia Chora 9/2001

In neuerer Zeit sind verschiedene Ansätze zur Erklärung der Funktionsweise radionischer Instrumente veröffentlicht worden, die jedoch aus meiner Sicht nicht unbedingt den Kern der Sache treffen und eher mehr Schaden als Nutzen bringen. So werden unter anderem klar definierte wissenschaftliche Termini aus der Physik, wie z.B. "elektromagnetische Schwingung", auch für immaterielle Vorgänge benützt. Dies geschieht vielleicht aus dem Wunsch heraus, die eigene Gelehrsamkeit darstellen zu wollen oder aber in Missachtung der tatsächlich auf der Bewusstseinsebene ablaufenden Vorgänge in der Radionik. Es ist äußerste Vorsicht geboten, will man nicht mit abstrusen Erklärungsmodellen im Nirvana der Biophysik enden und damit von vornherein jede Chance auf wissenschaftliche Anerkennung aufs Spiel setzen. Nicht die Schulmedizin, die dabei oft noch vehement attackiert wird, ist hier der Feind, sondern die Verfechter pseudophysikalischer Thesen, welche die Sprache der Wissenschaft für eigene Zwecke missbrauchen. Gerade bewusstseinsrelevante Prozesse sind doch die stärkste Waffe der ganzheitlich orientierten Medizin – und selbstverständlich auch das schwächste Bindeglied einer konventionell wissenschaftlichen Beweisführung. Warum geistig funktionierende Verfahren unbedingt mit materieller Terminologie erklärbar sein müssen, ist völlig unlogisch. Im Gegenteil, eine geistige Grundlage entzieht sich jeder Kritikmöglichkeit seitens der Wissenschaft, denn deren selbst proklamierte Kompetenz ist materieller Art und endet an der Grenze zu den Reichen der geistigen Welt. Hinzu kommt, dass die Schulmedizin weder etwas Vergleichbares zu bieten hat noch die bewusstseinsrelevanten Prozesse ersetzen oder gar ausklammern kann, zumal sie unumstößlicher Teil menschlicher Wirklichkeit sind. George de la Warr, der zu Beginn der 40er-Jahre eine neue Generation radionischer Geräte in England baute, war nach jahrelanger Forschung zu folgendem Schluss gekommen: "Welche Instrumententypen auch immer benutzt werden, der gemeinsame Faktor in all unseren Experimenten ist der Gedanke des Bedieners. Dieses Phänomen ist eng verbunden mit dem Geist, führte aber zu Verwirrung, weil physikalische Instrumente benutzt wurden. Elektronische Schwingkreise sind lediglich eine bequeme Form, um die existierende Schwingungsverwandtschaft hervorzuheben. Das wesentliche Merkmal in der Bedienung von solchen Geräten ist die Genauigkeit der Visualisierung des Anwenders. Substanz-Proben zu verwenden ist vermutlich nicht mehr wert als ein Diagramm, das geschriebene Wort oder das nähere Betrachten eines zur Überprüfung vorliegenden Objekts." De la Warr war Herausgeber der Zeitschrift "Mind and Matter" und hat zahlreiche Bücher veröffentlicht. Ihm verdanken wir, dass die Radionik heute auf einem geistigen und nicht alleine auf einem physikalischen Funktionsmodell ruht.

Die Wirkung bewusstseinsgeprägter Arzneien

Nicht das Instrument oder die Elektronik, sondern der Anwender (mit ihrer Hilfe) ist die entscheidende Komponente sowohl in der Radionik als auch bei anderen bewusstseinsrelevanten Verfahren. Es handelt sich bei der Radionik um angewandte Psychobiophysik oder ganz einfach um eine Art instrumenteller Biokommunikation. Die dafür eingesetzten physikalischen Instrumente werden ähnlich einem Instrument in der Musik erst duch den Anwender aktiviert. Vor diesem Hintergrund ist es keinesfalls als Abwertung gemeint, wenn ich Radionik und Bioresonanz als elektronischen Schamanismus bezeichne. Schamanen verschiedenster Ethnien verwenden in ihrer Praxis beispielsweise körpereigene Substanzen, so wie es auch in der Radionik und Bioresonanz geschieht, z.B. der Einsatz von Nasensekret zur Überwindung eines Schnupfens. Die Magier in Marakesh arbeiten mit einer weißen Paste, der so genannten Mondpaste als magische Trägersubstanz, die sich sowohl für Heilungszwecke, aber auch missbräuchlich für Racheakte einsetzen lässt. Die Macht der Informationsübertragung verleiht ihr die Zweckbestimmung des Anwenders. Entscheidend für das Ergebnis ist die emotionale Aufladung beim Rezitieren des entsprechenden Zauberspruchs. Bewusstseinsgeprägte Arzneien können ebenso wirksam sein und im Körper entsprechende Reaktionen hervorrufen, wie sie uns von homöopathischen oder auch pharmazeutischen Präparaten her bekannt sind. Das Bewusstsein prägt hier die Materie und erzeugt die biologische Wirksamkeit der jeweiligen Arznei. Dass dem tatsächlich so ist, legt etwa der grenzüberschreitende Vergleich der Indikation von bewährten Volksheilmitteln nahe. So zielt z.B. Johanniskraut in Frankreich auf andere Anwendungsbereiche als in Deutschland oder England. Gemeinsamkeiten sind nur in wenigen Fällen vorhanden. Die Benennung bzw. Zuschreibung alleine erschafft jedoch noch keine materielle Wirklichkeit. Dort, wo echte Materie benötigt wird, z.B. das Insulin für Diabetiker, kann auch kein symbolischer Ersatz auf Dauer wirksam sein. Umgekehrt heißt es jedoch auch, dass dort, wo keine Materie zur Heilung benötigt wird, die bewusstseinsgesteuerte Methode das Mittel der Wahl ist. Gerätehersteller und Exponenten eines elektronischen Schamanismus, die immer noch der Meinung sind, pseudophysikalische Modelle anführen zu müssen, riskieren je länger, je mehr, den Anschluss endgültig zu verpassen. Wer nämlich einen Paradigmenwechsel wünscht, muss ihn erst einmal in seinem Inneren selbst vollziehen, erst dann kann im Außen etwas geschehen.