Feng Shui und Gesundheit

Wie man das nötige Gleichgewicht findet

von Anka Moritz erschienen in Hagia Chora 9/2001

Zu den sieben Säulen der Gesundheit gehören in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) neben Meditation, Qigong, Massagen und Bädern, Ernährungslehre, Kräuterheilkunde und Akupunktur auch das Feng Shui. Zentrales Anliegen der TCM wie auch des Feng Shui ist es, der Lebensenergie Qi zum freien Fluss zu verhelfen, damit sie nicht stagniert oder pfeilschnell schießt. Zu schnell fließendes Qi führt im Haus zu einer unruhigen Atmosphäre. Im Körper kann hochschießendes Qi Hitzewallungen oder Bluthochdruck auslösen. Als Feng-Shui-Beraterin gehe ich davon aus, dass die persönlichen Strukturen eines Menschen sich im Haus und seiner Umgebung manifestieren – wie innen, so außen. In seinen Räumen zeigen sich Aufgaben, Stärken und Schwächen eines Menschen und können von jeder Ebene aus behandelt werden. Der Körper ist sozusagen die engste Umgebung des Menschen. In ihm wirken dieselben Kräfte wie in seiner Umgebung, und so stoßen wir in der Hausanalyse auf dieselben Muster, die auch im Inneren seiner Bewohner wirken. Aus diesem Phänomen schließe ich, dass ein energetisches Ungleichgewicht, das zu Krankheiten führt, auch mit Hilfe von Feng-Shui-Maßnahmen beeinflussbar ist. Bestimmte Divinationstechniken im Feng Shui und in der chinesischen Astrologie zielen ohnehin direkt auf die persönliche Situation des Klienten ab. Hier denke ich an das Ba Gua der Himmelsrichtungen, die 4 Säulen des Glücks, die 8 Säulen des Schicksals, die Numerologie und die 7 Omen, die alle von sich aus darauf abzielen, die persönliche Situation des Klienten zu erfassen. Die einzelnen Organsysteme sind den fünf Wandlungsphasen zugeordnet und damit auch Farben, Himmelsrichtungen und Qi-Qualitäten. Die Leber wird beispielsweise mit der Wandlungsphase Holz assoziiert und damit mit der dynamischen, aufsteigenden Energie des Frühlings und des Ostens. Jedes Organ, jeder Gemütszustand fügt sich in das System der fünf Elemente, des Qi-Flusses und der kosmischen Realitäten. Wie das Feng Shui, so bietet auch die TCM Wege, um die Ursache für ein Ungleichgewicht der Elemente herauszufinden. Einen wichtigen Platz in der Diagnose nimmt die ausführliche Befragung des Patienten ein. Die Frage nach der Schlafqualität gibt z.B. Aufschluss über Blutmangel, Substanzmangel und Qi-Störungen. Schreckt ein Klient gegen 1.00 Uhr nachts aus dem Schlaf, so ist sein Herz nicht ausreichend mit Blut versorgt, und das Leber-Qi fließt zu stark ins Herz. Nach der "Organ-Uhr" ist die energetische Versorgung und Funktion des Herzens nämlich nachts von 23.00 bis 1.00 Uhr im Minimum, während die Leber nachts von 1.00 bis 3.00 Uhr maximal mit Energie versorgt wird. Ein Schluck Kirschsaft oder kaltes Wasser und ein ruhigerer Lebensstil wären hier als erste ausgleichende Maßnahme zu empfehlen, um Blut aufzubauen und Qi zu binden. Neben der Befragung sind die Puls- und Zungendiagnose aufschlussreiche Instrumente der TCM. Bei einem ausgeglichenen Menschen befinden sich die zu- und abfließenden Energien im Gleichgewicht; er ruht in sich, auch wenn er aktiv ist. Dynamische, zielgerichtete Yang-Energie ist verbunden mit emotionaler Yin-Energie. Ist der Qi-Fluss gestört, was sich körperlich durch stechende Schmerzen oder unkontrolliertes Zellwachstum bemerkbar machen kann, zeigt sich dieses möglicherweise auch in der Wohnung. Dort finden wir unter Umständen blockiertes oder pfeilschnell fließendes Qi oder geomantische Störzonen wie Wasseradern, Verwerfungen etc. Maßnahmen zur Auflösung der Qi-Stagnation können daher auf mehreren Ebenen ansetzen: durch Kräuter, Ernährung, Akupunktur und Qigong oder Veränderungen des Raumes z.B. mit Hilfe von Doppelachten, Spiegeln, Bildern oder sogar Umbaumaßnahmen. Besonders der Schlafplatz sollte in einer störungsfreien Zone liegen, unterstützt durch die persönlichen Omen des hellen Palastes, Heilers oder der Vitalität. Die Qualität des Umgebungs-Qi ist wesentlich als Grundlage für das nachgeburtliche Qi, das der Mensch während seines Lebens in sich aufnimmt. Holzschutzmittel, Schimmelpilze und Emissionen gehören ebenfalls zur Kategorie des Sha-Qi und können Ursache für chronische Allergien und Krebserkrankungen sein. Es ist also wichtig, bei einer Hausbegehung eine qualitative Messung des Qi auf verschiedenen Ebenen vorzunehmen. Gesundheitliche Probleme können sich auch im Himmelsrichtungs-Ba-Gua zeigen. Beispielsweise hatte eine Frau, die unter Unterleibsproblemen und Existenzängsten litt, Fehlbereiche im Norden und Südwesten entsprechend den Trigrammen "Kun Mutter" und "2 Partnerschaft". Im Südwesten habe ich für einen Monat einen Brunnen auf den Balkon gestellt, um den Bereich, der gerade für Frauen ab 50 wirksam ist, zu beleben. Die Energie floss gleichzeitig in den Norden und belebte die Lebensachse Nord-Süd. Mit Steinen wurde zudem die Erdachse gestützt. All dies wirkte sich günstig auf den Heilungsprozess und die Beziehung aus. Die eigentliche Ursache eines Ungleichgewichts ist nicht immer offensichtlich: Ist die Wasserader Ursache einer Krankheit, oder hat die Krankheit den Betreffenden auf die Wasserader gezogen, weil sie im weitesten Sinn Ausdruck seiner Persönlichkeit ist? Eine Behandlung aller die Krankheit widerspiegelnden Phänomene, die dem Klienten oder Berater zugänglich sind, trägt zu einem Gesundungsprozess bei. Die Auswahl der Behandlungsmethode ist entweder so naheliegend wie das Kräutlein, das gegen jede Krankheit gewachsen ist, oder ergibt sich aus der Beratungssituation durch Intuition und gemeinsames Gespräch. Ich gehe davon aus, dass der Klient das ganze Wissen über seine Situation besitzt und ich es ihm als Beraterin durch meinen Hintergrund und meine Vorschläge bewusst und zugänglich mache. Vielleicht reicht es, das Bett umzustellen, vielleicht ist eine Ernährungsumstellung wesentlicher, vielleicht löst eine Akupunktur die Qi-Blockade, vielleicht muss der Klient seinen Lebensrhythmus ändern. Diese Entscheidung findet sich entweder spontan, indem dem Klienten "ein Licht aufgeht", oder aus der Erfahrung des Beraters, der mit seinen Vorschlägen einen Weg des Ausgleichs aufzeigen kann. Je eher ein gesundheitliches Ungleichgewicht behandelt wird, desto einfacher ist es auszugleichen, und entsprechend weniger leidet der Mensch. Im alten China waren Ärzte und Berater dazu da, Gleichgewichte herzustellen und zu erhalten, und wurden bezahlt, solange es den Menschen gut ging. Auch für unsere Zeit wäre es wünschenswert, dass sich ein Gesundheits- und Wohlfühlbewusstsein etabliert, in dem Qigong, bewusste Ernährung und Feng Shui im Alltag integriert sind.