Die Erde wandelt sich

von Marko Pogačnik erschienen in Hagia Chora 9/2001

In dieser Kolumne beschreibt der Geomant, Bildhauer und Erdheiler Marko Pogacnik seine Wahrnehmung der gegenwärtigen Erdwandlung. Die alarmierenden Zustände in der "Nutz"-Tierhaltung und die extremen Massenschlachtungen der letzten Zeit haben das allgemeinde Bewusstsein für die Tierwelt geschärft - ein Effekt, den Pogacnik in der Welle der Erdveränderungen wiederfindet. Für ihn manifestieren die Tiere die seelischen Ebenen, die zwischen Geist und Materie vermitteln.

Die Katastrophe der Tierseuche in Großbritannien und Europa im Frühjahr dieses Jahres hat die Aufmerksamkeit der Menschen erneut auf die Tierwelt gelenkt. In der Geomantie haben wir es oft mit den Pflanzen zu tun, besonders mit den Bäumen, sehr selten jedoch mit den Tieren. Die Pflanzen sind an einen Platz gebunden, und deswegen ist ihre Rolle im Raum gut definierbar. Bei den Bäumen kann man z.B. oft eine radiästhetische Beziehung zwischen den Wuchsformen und den geomantischen Systemen vor Ort erkennen. Mit den Tieren ist es ganz anders. Sie bewegen sich durch die Landschaft und scheinen deswegen kaum Einfluss auf die Geomantie eines Ortes zu haben. Doch dieser Schein trügt. Es ist vielmehr so, dass die Tiere zwar nicht stabile geomantische Systeme widerspiegeln, dafür aber die seelische Ebene der Landschaft, der Erde und des Menschen. Sie stehen für den dynamischen, vom Ort ungebundenen Aspekt der Geomantie, den man allgemein die seelische Ebene nennt. Die Seele ist frei, so wie es die Tiere sind, sich zu bewegen und an verschiedensten Orten zu erscheinen. Dazu kommt, dass, historisch gesehen, die Tiere als erste die seelische Ebene auf der Erde entwickelt und dadurch die Möglichkeit geschaffen haben, dass ein Geist sich durch die Materie ausdrücken kann. Der Seele kommt wohl die einzigartige Rolle zu, zwischen den geistigen und materiellen Ebenen des Daseins zu vermitteln. Tiere kennen zwar noch keine individuelle Seele, so wie der Mensch sie kennt, wohl aber eine Gemeinschaftsseele, die allen Tieren der gleichen Gattung gemeinsam ist. Wir Menschen der gegenwärtigen Evolutionsstufe haben uns mindestens eine Million Jahre lang gemeinsam mit den Tieren verkörpert, um von ihnen zu lernen, wie sich die seelische Verbindung zwischen Geist und Materie vollzieht. Die Tiere sind in dieser Hinsicht unsere Lehrerinnen und Lehrer. Man sollte sich erinnern, wie heilig die Tiere den ursprünglichen Kulturen waren. Sie verkörperten die Schutzgeister der Menschen, symbolisierten verschiedene göttliche Tugenden usw. Seit dem Neolithikum hat sich die intime Beziehung zwischen Menschen und Tierreich gewandelt. Als Haus- und Zuchttiere hatten sie nun ihrerseits die Möglichkeit, von den Menschen zu lernen. In der modernen Epoche hat der Mensch jedoch begonnen, die Tiere zu versklaven und sie als bloße Gewinnobjekte zu züchten. Wie ich schon dargestellt habe, hat sich seit Herbst 2000 der Schwerpunkt der Erdwandlungen auf die geistig-seelische Ebene verlagert. In dieser Situation treten die Tiere hervor, um die Botschaft der Wandlung weiterzugeben. Sie spiegeln die Ignoranz des modernen Menschen seiner Seele gegenüber zurück. Es gilt, die Kontrollmechanismen aufzulösen, welche die urbildlichen Kräfte und Qualitäten unserer Seele - der inneren Göttin - unterdrücken. Die Tiere sind bereit, sich zu opfern und unter furchtbarsten Umständen unterzugehen, um ihre Botschaft zu übermitteln, die, in unsere Sprache übersetzt, lautet: "Beendet die Unterdrückung eurer Seele, findet wieder Kontakt mit der Seele, dem Aspekt eures Wesens, der als einziger fähig ist, Himmel und Erde in euch zu verbinden!" Mit der Seele meine ich den weiblichen, komplementären Part gegenüber dem Bewusstsein. Das Bewusstsein leitet mit seinen logischen Strukturen die gesamte Lebensführung des modernen Menschen, aber die ganzheitlich, gefühlsmäßig und intuitiv veranlagte Seele wird an den Rand des bewussten Lebens gedrängt und an der Erfüllung ihrer Aufgabe bei Entscheidungen über den Lebensweg des Menschen und der Zivilisation gehindert. Einerseits erbringen die Tiere eine Art selbstloses Opfer, indem sie einen himmelschreienden menschlichen Mangel spiegeln. Andererseits hat die Welle der Erdveränderungen auch das Tierreich in eine tiefgreifende Wandlungsphase geführt, worauf ich bei meinen Kontakten mit Tieren seit April 2001 immer wieder hingewiesen werde. Es mag noch zu früh sein, sie voll zu verstehen. Was ich aber höre, ist etwa Folgendes: Die Tiere sind dabei, umzusetzen, was sie in den letzten 10000 Jahren von den Menschen gelernt haben. Sie und ihre geistigen Leiter entwickeln eine neue, höher individualisierte Beziehung zu ihrer Geistseele. Man kann sie bei diesem entscheidenden Schritt in ihrer Evolution dadurch unterstützen, dass wir Menschen die Kommunikation mit unserer eigenen seelischen Ebene wieder aufnehmen und dadurch die Tiere von ihrer aufgezwungenen Opferrolle befreien. Zweitens bin ich sicher, dass wir Menschen, langfristig gesehen, unsere Ernährungsweise umstellen müssen, um den neuen Umständen der Individuation der Tiere gerecht zu werden. Jedenfalls steht eine völlig neue Form der wechselseitigen Beziehung zwischen der Evolution der Tiere und der des Menschen bevor.