Jenseits des Individuellen

von Daniel J. Benor erschienen in Hagia Chora 9/2001

Die Existenz von Psi-Heilung (auch spirituelles, mentales und paranormales Heilen genannt) ist für mich eine gesicherte Tatsache. Ich selbst habe 152 publizierte Studien über das Heilen zusammengetragen (Benor 1990, Benor 2000), und mehr als die Hälfte der Arbeiten weisen signifikante Effekte nach. Das Phänomen des Heilens ist somit besser erforscht als irgendein anderes Gebiet der komplementären Therapien mit Ausnahme von Hypnose und Psychoneuroimmunologie. Geistiges Heilen ist die intentionelle Beeinflussung eines oder mehrerer lebender Systeme durch eine oder mehrere Personen ohne Zuhilfenahme bekannter physischer Behandlungsweisen. Die beiden am häufigsten praktizierten Methoden sind
- das Handauflegen - die Hände berühren dabei den Körper leicht oder werden in dessen Nähe gehalten, wobei dies oft in Verbindung mit Visualisationen geschieht, und
- Meditation, Gebet oder eine fokussierte Zuwendung, wiederum verbunden mit inneren Bildern des Heilers (Benor, 1993 LeShan). In diesen wird der Kranke z.B. als gesund und glücklich gesehen, es werden ihm weißes oder farbiges Licht zugeführt oder ein Nebel in seinem bioenergetischen Feld geklärt etc.

Heilung empfangen

Die Studien zeigen, dass das Bewusstsein eines Heilers auf alle Formen von lebenden Organismen einwirken kann, Zellkulturen im Reagenzglas, Bakterien, Hefen, Pflanzen, Tiere oder Menschen. Manche Heiler können sogar anorganische Substanzen wie Wasser, die Kristallisation von Salzlösungen oder Enzyme beeinflussen. Auch eine signifikante Wirkung von Fernheilungen ist belegt. Der zentrale Punkt, um den alle derartigen Studien kreisen, ist die Frage, ob das Phänomen Heilung tatsächlich existiert und ob damit bestimmte Organismen oder andere Systeme gezielt beeinflusst werden können. Die Resultate deuten allerdings darauf hin, dass die Wirksamkeit von Heilungseffekten sogar über ein individuelles oder einzelnes Zielsystem hinaus gehen kann. Psi-Heilungsversuche wirkten sich beispielsweise auf ganze Gruppen von Bakterien oder Mäusen aus. Einige Berichte sowie meine eigenen Erfahrungen deuten darauf hin, dass Heilung, die sich auf die persönlichen Probleme eines Einzelnen richtet, auch die Qualität seiner Beziehungen mit anderen verändern kann. Offenbar können es auch un- oder unterbewusste Bedürfnisse bzw. Wünsche sein, die den Heilungssuchenden telepathisch mit dem Heiler oder einer anderen "Quelle der Heilung" verbinden. Erfahrungsberichten zufolge kommt es auch vor, dass Bedürftige sich selbst Heilung zukommen lassen oder dass ein Heiler unbeabsichtigt oder ohne sich dessen bewusst zu sein Heilkräfte überträgt. Heiler, New-Age-Anhänger, Mitglieder verschiedenster religiöser Gruppen und einige Psi-Forscher glauben, dass man sich in der Meditation, im Gebet oder in Gruppenaktivitäten, wie z.B. Sport, telepathisch miteinander verbindet. Es scheint, als seien Hellseher und telepathisch begabte Menschen in der Lage, über weite Entfernungen hinweg jede von ihnen gewünschte Information aus einer unbekannten Quelle zu erhalten. Dies erstreckt sich bis hin zur intuitiven Diagnoseerstellung, was sich als Teil des Heilungsphänomens darstellt. Aus einer Vielzahl von Versuchen müssen wir schließen, dass es so etwas wie eine "Super-ASW" (außersinnliche Wahrnehmung) gibt. Vermutlich ist das Psi-Feld das Agens, welches uns mit einem kollektiven Bewusstsein verbindet und uns bei Bedarf Zugang zu Informationen über jede Person überall in der Welt ermöglicht.

Gaia-Bewusstsein als Basis von Heilung

Viele grundlegende Experimente für Rupert Sheldrakes Theorie der morphogenetischen Felder lassen unter der artspezifischen Erinnerung ein kollektives Bewusstsein vermuten. So wird etwa derzeit Gaia zunehmend als geobiologisches Ökosystem wahrgenommen. Das bisher Gesagte legt den Schluss nahe, dass Psi uns als Individuen mit anderen Individuen und mit unserem Planeten so verbindet, wie die Zellen eines Organismus untereinander verbunden sind, dessen Ganzes größer ist als die Summe seiner Teile. Das wachsende Bewusstsein, welches Gaia zu einem Gesamtorganismus vereinigt, nährt die Vermutung, die Parapsychologie könne einiges über mögliche Mechanismen aussagen, in denen sich Teile wie das Ganze verhalten. Ich möchte immerhin zu einem einfachen Experiment anregen, das in diese Richtung weisen könnte: Rex Stanfords Modell des "konformen Verhaltens" postuliert, dass Psi bereitwillig auf Systeme reagiert, die sich in einem stochastischen (vom Zufall gesteuerten) Fluss befinden. Zellen, die sich zur Reproduktion teilen (in der Meiose), scheinen durch eine Phase zu gehen, in der sich die individuellen Gene nach dem Zufallsprinzip zu Chromosomenpaaren anordnen. Offenbar haben wir es hier also mit einem System zu tun, das leicht durch Psi-Kräfte beeinflusst werden kann. Man könnte nun versuchen, in einem Mendelschen Experiment mit Bohnen unterschiedlicher Färbung durch mentale Einwirkung mehr schwarze oder mehr weiße Bohnen entstehen zu lassen (Benor 1987).

Originaltitel: Psi Healing and Related Evidence: Implications Beyond Individual Treatment. (©1994) Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Autors.
Literatur: Benor, DJ: "Healing Research, Volume I, Spiritual Healing: Scientific Validation of a Healing Revolution", Southfield, MI: Vision Publications 2001. "Lamarckian genetics: theories from psi research and evidence from the work of Luther Burbank", Proceedings of SPR Conference, Edinburgh, 1987.
Dr. Daniel J. Benor betreibt ganzheitliche Psychotherapie und erforscht die Wirkungsweise des geistigen Heilens. Er ist Gründer des Doctor-Healer-Network in England und den USA, des American Board of Holistic Medicine und Beirat diverser Facheitschrften in diesem Bereich, www.WholsiticHealingResearch.com.