Fernheilung unter der Lupe

von Günter Haffelder erschienen in Hagia Chora 9/2001

Im Rahmen des diesjährigen Hagia-Chora-Pfingstsymposiums wurde ein Experiment mit der Heilerin Dr. Maria Sagi durchgeführt. Als Beobachter waren rund 120 TeilnehmerInnen im Plenarsaal anwesend, in dem die Gehirnströme eines zu heilenden Probanden durch unser Institut EEG-spectralanalytisch gemessen wurden. Parallel wurde Frau Dr. Sagi gemessen, die sich außerhalb des Saales, durch Wände und Türen getrennt, im angrenzenden Flur befand. Heilerin und Proband hatten zuvor das Beschwerdebild ausgetauscht. Der Standardtest des Instituts, der normalerweise vor einer solchen Messung als eine Art Eichung durchgeführt wird, muss aus organisatorischen Gründen später nachgeholt werden. Erst dann ist eine abschließende Auswertung möglich. Zum Zeitpunkt dieser ersten Vorauswertung kann aber immerhin ausgesagt werden, dass Frau Dr. Sagi in diesem ungewöhnlichen Setting zu bemerkenswert prägnanten Ergebnissen gelangt ist. Die Spectrogramme beider Versuchspersonen zeigten zu Beginn des Experiments das Bild eines normal wachen Gehirns, nebenstehend das des Patienten. Die von unserem Institut entwickelte EEG-Spectralanalyse unterscheidet sich vom konventionellen medizinischen EEG in der Form der Ableitung, wobei hier überwiegend Signale des Limbischen Systems abgeleitet werden. Die Messimpulse werden mittels eines speziellen mathematischen Verfahrens in ihre jeweiligen Frequenzanteile zerlegt und im so genannten Chronospectrogramm graphisch dargestellt. Dieses zeigt über den zeitlichen Verlauf der Messung die Aktivität der einzelnen Frequenzanteile in der rechten und linken Gehirnhälfte. Das Ableitungsverfahren ermöglicht eine neue Interpretation der EEG-Spectralanalyse: Typische Muster in den einzelnen Frequenzbereichen stehen für spezifische Gefühls- und Verhaltenszustände und deren funktionelle Bedeutung. Im folgenden Messabschnitt sind die Deltawellen als Bereich der Übertragung nonverbaler Kommunikations- und Interaktionsmuster besonders interessant: Im Takt von drei bis vier Sekunden treten in der linken Gehirnhälfte der Heilerin starke Delta-Aktivitäten (0-3Hz, rot) - eine Übertragungsfrequenz nonverbaler Information - in Form prägnanter, hoher Ausschläge auf, was eine intensive Kontaktaufnahme mit dem Probanden anzeigt. Synchron erscheinen beim Probanden Delta- und Alpha-Aktivitäten, wobei über die Delta-Aktivität die Informationen empfangen werden und sich über die Alpha-Aktivität auswirken. Alpha-Aktivität (8-14 Hz, blau) ist ideal für Lernprozesse und steht auch für innere Zentriertheit. Hier kann man von einer inneren Stabilisierung des Probanden sprechen. Der Verlauf der Frequenzaktivitäten während des Heilvorgangs kann zusammenfassend als typischer Ablauf interpretiert werden, der vor dem Hintergrund unserer Forschungsarbeiten über solche Phänomene mehrfach bestätigt wurde: Zunächst "fragt" die Heilerin die Verfassung des Probanden ab, die sich durch bestimmte Frequenzmuster im Gehirn ausdrückt. Dieses "Bild" wird im Chronospectrogramm der Heilerin selbst sichtbar. Sie gleicht das Muster aus und "schickt" es ausgeglichen wieder zum Probanden zurück. Im Verlauf dieser Messung (das ganze Experiment dauerte ca. 20 Minuten) tritt beim Probanden noch ein bemerkenswertes, in diesem Rahmen zunächst noch nicht interpretierbares Phänomen auf: So zeigt sich etwa fünf Minuten nach Beginn des Heilvorgangs eine hohe Aktivität im Delta-Bereich vor allem der linken Gehirnhälfte, welche sich ähnlich einer Welle dann über den Theta-Bereich kontinuierlich zum Alpha- Bereich hin entwickelt, um dann abrupt nach insgesamt neun Sekunden Dauer bei etwa 9 Hz zu enden.