Spirale des Lebens

Das Homöopathische Gesundheitszentrum Lippe

von Silvia Reichert de Palacio erschienen in Hagia Chora 9/2001

Die Stadt Lage entschied sich zu einem selten realisierten Projekt: Um den ganzheitlichen Ansatz eines geplanten homöopathischen Gesundheitszentrums zu stärken, wurde die Geomantin Silvia Reichert de Palacio mit der Projektbegleitung beauftragt.

Seit einiger Zeit ist es für mich zu einem sehr konkreten Thema geworden, eine Atmosphäre der Genesung, der Heilung mitzugestalten. Zusammen mit mehreren Architektenteams ringen wir um das Zusammenwirken von Inhalt, Form und Ortsidentität des Homöophatischen Gesundheitszentrum Lippe in Lage-Hörste , das "unavicum" oder auch "Hörsterspirale" genannt wird. Bei diesem Projekt integriert die Geomantie Architektur und Landschaftsplanung, um einen Ort der Genesung und Heilung zu schaffen. Gesundheit wird hier nicht als Abwesenheit von Krankheit definiert, sondern im Sinne eines Heilungsprozesses verstanden. Die Gestaltung von Gebäude und Umgebung soll eine Atmosphäre schaffen, die in den Patienten Heilung resonieren lässt. Dies ist das gemeinsame Ziel des Stadtbaudezernenten der Stadt Lage, Willibald Dommes, und dem Bauherrn Health Care Systems, vertreten durch Bernd Völker. Im staatlich anerkannten Luftkurort Lage-Hörste, eingebettet in den Naturpark Teutoburger Wald, entsteht somit als Bestandteil des Heilgartens Ostwestfalen-Lippe ein Krankenhaus von ganz besonderer Art. Auf der Suche nach einem ganzheitlichen Nutzungskonzept wendete sich der Bauherr auf Anregung von Marko Pogaÿcnik an das von mir geleitete Büro für Geomantie. In Zusammenarbeit mit meinem Kollegen Wolfgang Körner erarbeitete ich die gesamte Analyse und die Dokumentation des geomantischen Gutachtens. Die Aufgabe bestand darin, die energetischen, seelischen und geistigen Voraussetzungen in der Landschaft zu erkunden und räumlich darzustellen. Die Geomantie gilt als Leitlinie des Entwurfs und wird in die Planung und Ausführung für das gesamte Gelände einbezogen. Ziel ist es, durch die intensive Abstimmung mit den vorhandenen Bewusstseinselementen und Energien der Landschaft eine größere Nachhaltigkeit in der Arbeit des Gesundheitszentrums zu erreichen. Da dessen Schwerpunkt im Bereich der Homöopathie liegt, möchte es die energetischen, seelischen und geistigen Bereiche des Menschen gleichermaßen ansprechen. Die geomantische Arbeit will gerade diese feinen Ebenen anregen und entsprechend nutzen und zugleich störende Faktoren in der Umgebung der Genesenden minimieren. Im besten Fall entsteht ein Lebensumfeld, das Ganzheit vermittelt.

Die Geomantie des Geländes

Die Abbildung links zeigt die geomantische Topographie. Im ersten Bauabschnitt wird das innere Oval bebaut werden. Die grundlegenden Gitterstrukturen sind nicht in den Plan eingetragen. Dazu lässt sich sagen, dass das Hartmann-Gitter in den Haupthimmelsrichtungen ohne Abweichungen von der Normalität über dem Gelände verläuft. Das Diagonal-Gitternetz weicht von der üblichen Struktur ab. Es ist in den einzelnen Streifen breiter, intensiver, und deren Abstand ist wesentlich enger. Sehr stark ist die Richtung Südwest-Nordost betont.
Im Folgenden möchte ich auf das Zusammenwirken der einzelnen Faktoren eingehen. Dabei wird besonders ins Auge fallen, dass viele Phänomene in den beiden komplementären Ausprägungspolen auf dem Gelände vorhanden sind. Seit den 90er-Jahren beginnt sich in Mitteleuropa verstärkt die Sicht eines Zusammenwirkens von Erde und Menschheit zu entwickeln. Man erkennt die Erde als lebendiges Wesen, zu dem der Mensch in einer Wechselbeziehung steht. So ist der Fortschritt der Menschen im ganzheitlichen Sinne nur möglich, wenn auch der Erde ein Fortschreiten zugestanden wird. Der geistige Fokus der Erde (1) auf dem Gelände der Hörsterspirale ist von besonderer Art. Dort empfinde ich die geistige Qualität der Erde in reiner Form, ein leuchtendes Schwarz, der immer empfangende Aspekt der Erdengöttin Gaia. Hoch über diesem Ort wirkt die hellstrahlende Schwingung des Göttlichen im Kosmos. Zwischen beiden Polen fließt in spiralförmiger Bewegung Energie, einer Himmelsleiter gleich. Ist diese Verbindung aktiviert, speist sie den ganzen Landschaftsraum. Wegen dieser besonderen Qualität steht der Ort eindeutig an erster Stelle - hier liegt die Mitte des Baukomplexes.

Die Leyline der Sophienkraft

Eine Leyline, auch Drachenlinie genannt (Anm.d.Red.: zur Diskussion des Ley-Konzepts siehe auch S. 74 ff. in diesem Heft), durchzieht das Gelände diagonal in Richtung Südost-Nordwest in großer Höhe über der Erdoberfläche. Es ist ein großräumiges Landschaftsphänomen, das seine Quelle an den Externsteinen hat und sich über den Teutoburger Wald hinaus erstreckt. Die Leyline ist Trägerin hoher geistiger Qualitäten, mit denen sie das Land inspiriert und dem zukünftigen Zeitgeist die Möglichkeit bietet, sich zu manifestieren. Das Hauptcharakteristikum der Leyline beschreibe ich als die Qualität Sophia (= Weisheit). Ihr Fokus im Südosten des Geländes (2) speist den Ley zusätzlich mit der ihr innewohnenden Qualität. Von der Sophienkraft als ursprüngliche kosmische Weisheit gehen wesentliche Impulse für die Gesellschaft der Zukunft aus. Sie bringt aus einer ganzheitlichen Sphäre Anregungen für synthetisches Denken mit sich. Neue Lösungen für komplexe Probleme tauchen als intuitiv empfundene Richtungsweisungen auf, die nach und nach durch das diskursive Denken in der Praxis verifiziert werden. Die Leyline verläuft relativ genau durch das Zentrum des Klinikbereichs und stellt damit einen der Hauptimpulse für das gesamte Vorhaben dar. Wird diese Kraft der Inspiration baulich integriert, wird sie das Projekt wie ein Rückenwind in die Zukunft tragen und seine innovativen Ziele unterstützen.

Die Rolle der Herzkräfte

Das Herz als zentrales Lebensorgan vermittelt die Seinsebenen in der Polarität von Inhalt und Gefäß, es integriert Substanz und Form. Dort erhalten Qualitäten einen Rhythmus sowie den Impuls des Ausströmens. Analog wirkt auch die feinstoffliche Qualität in der Landschaft integrierend zwischen Himmel und Erde und fügt dieser Polarität eine rhythmische Tatkraft hinzu. Die Qualität des Taktes ist für alle Heilungsprozesse wichtig. Die "Herzachse" besteht aus einer geraden Verbindung zwischen drei Orten, wobei die beiden Eckpunkte mit den elementaren Kräften der Erde (4) bzw. mit den geistigen Kräften des Universums (5) verbunden sind. Der mittlere Punkt (6), die Synthese, wird zur Quelle, aus der sich die Herzkraft in die Landschaft ergießt und eine neue Herzqualität geboren wird. Die Konfiguration gehört zusammen mit den beiden zuvor beschriebenen Phänomenen zu den wichtigsten Bausteinen der Anlage. Im Zusammenwirken von Mensch und Erde ist die Vitalenergie oder Lebenskraft ein zentraler Faktor. Nachdem wir als Mitteleuropäer eine Kultur aufrecht erhalten, welche die Lebenskräfte schwächt, wird man heute zunehmend auf diesen feinen Lebensstrom, den die Erde für die Menschen ausbreitet, aufmerksam. Dieser ist notwendig, um lebende Organismen in ihrer Form, Funktion und Identität zu erhalten. Die Lebensenergie geht über rein biochemische Vorgänge hinaus, sie ist tatsächlich die steuernde Kraft, welche die materielle Basis organisiert.
Eine aus der Erde sprudelnde Quelle dieser Kraft, ein vitalenergetisches Zentrum (7) liegt im Planungsraum und schickt ihre Ausgießungslinien in den Landschaftsraum hinein. Das Gesundheitszentrum übernimmt dadurch auch Verantwortung für die umliegenden Orte. Da eine der Außgießungslinien direkt über das Gelände des Bebauungsplans verläuft, profitiert das Gebäude in ganz besonderem Maße von dieser Qualität, die alle Lebensprozesse vital unterstützt.

Erzengel Raphael und Landschaftsdeva

Im Südwesten befindet sich der höchste Punkt des Geländes. Hier treffen sich die Kräfte verschiedener archetypischer Entitäten, die ich als Hierarchien der Feinstofflichkeit (3) bezeichne. Dem Gesamten übergeordnet, schwingt fein eine Qualität, die wir in der Sprache unseres Kulturkreises als Erzengel Raphael benennen könnten. Es ist der Heilungsengel, der "Grüne Strahl", eine universelle Qualität, die in allen Kulturen entsprechende Namen trägt. Sein Wirken kommt zum Ausdruck in Wahrhaftigkeit, Geradlinigkeit und dem Identisch-Sein mit sich selbst als Prinzip der Heilung. Im Jahreskreislauf ist sein Impuls um die Osterzeit am stärksten. Am selben Ort ist auch der Fokus der Landschaftdeva verankert. Sie sorgt im Zusammenwirken mit anderen sich ihr unterordnenden Elementarwesen weit über das Gelände des Gesundheitszentrums hinaus für den Landschaftsraum und bewahrt dessen Identität. Der feinstoffliche Erdenkörper stellt alles zur Verfügung, was die Anlage von dieser Seinsebene her braucht. Die Hauptimpulse kommen aus dem Kosmos im Wirken der Sophienkraft, der kosmischen Weisheit, und sie gehen von der Erde als Planetenwesen aus, das der Menschheit gegenüber völlig offen, rein und klar ist. Außerdem gehören die integrierenden Herzkräfte zu den wichtigsten Impulsgebern. Dies entspricht der klassischen Gliederung des Menschen in Körper, Seele und Geist. Da alle drei Aspekte klar und stark spürbar sind, kann das Projekt vom Potenzial der Ganzheit des Ortes profitieren. In einem solchen Zusammenhang übernimmt das Homöopathische Gesundheitszentrum auch Verantwortung für die nähere Umgebung als sinngebendes Element und Quelle von Lebenskräften. Dies ist bei der Planung zu beachten, denn durch Unachtsamkeit beim Bau können Schäden im feinstofflichen Gewebe des gesamten Geländes entstehen. Ebenso schwerwiegend wären Fehler im späteren Betrieb oder durch Installationen, wie z.B. Elektrik, Versorgungszuleitungen oder die Verkehrsführung.

Nutzung der einzelnen Qualitäten

Von den bisher beschriebenen und weiteren Phänomenen liegen die Folgenden im direkten Bebauungsplanbereich:
- geistiger Erdfokus
- Leyline
- Fokus Herzmitte
- Linie der Herzkraft
- Linie der Vitalenergie
- Fokus der Elementarwesen
- Sonnenfokus
- die Wasseradern 1 und 3
Das Dreieck zwischen dem geistigen Erdfokus, dem Elementarwesenfokus und dem Sonnenfokus (1, 12, 13) ist insgesamt ein Raum von intensiver energetischer Qualität und hohem Potenzial. Aus dem achtsamen Umgang mit einem solchen Potenzial können sich viele neue Qualitäten entwickeln. Hier liegen große Chancen verborgen, die alle dem Gesundheitszentrum zu Gute kommen können. Es ist selten, dass ein Bereich von höchster Energiequalität gleichzeitig auch tief geerdet ist. Dies ist etwas Besonderes - das Zentrum sollte daher bei der Bebauung offen gehalten werden und auch für die Öffentlichkeit zugänglich bleiben. Der Bereich des Herzzentrums (6) bietet sich für Meditationsräume an. Hier kann man sich gut in eine ausgeglichene seelische Verbundenheit mit der Umwelt und den Mitmenschen einschwingen. Der Raum, den die Leyline einnimmt, erstreckt sich von Südost nach Nordwest in einer Breite von 25 Metern diagonal über das Gelände. Dieser Bereich hat die Qualität der Anregung von Inspiration und Weisheit. Die Bereiche in den Wasseradern 1 und 3 (15) wirken stark anregend auf das Nervensystem. Hier sollten keine Ruhezonen oder Schlafräume liegen. Statt dessen eignen sich diese Bereiche für alle Arten von Aktivität. Besonders intensiv ist der Kreuzungsbereich der beiden Wasseradern. Es empfiehlt sich, ihn ganz von der Bebauung auszusparen.

Der Plan der Architekten

Mit dieser ausgearbeiteten geomantischen Begutachtung und meiner persönlichen Beratung erarbeiteten mehrere Architektenteams ihren Entwurf. Die Stadt Lage genehmigte in einem Ratsbeschluss einstimmig den Vorschlag des amerikanischen Architektenteams Ellerbe Becket Architects aus Phoenix, Arizona, unter der Leitung von Joe Ellis. Die Architekten haben die Geomantie in ihre Design-Philosophie übernommen: Inspiriert vom Bewusstsein einer Verbundenheit aller lebenden Organismen mit dem Kosmos, entstand der Entwurf für die "Hörsterspirale". Sie findet Ausdruck in der geometrischen Anordnung der Baukörper und letztlich in der Anpassung an die Umwelt und das gesamte landschaftliche Gefüge. Dabei werden die Theorien und Prinzipien der Geomantie und des Feng Shui als Grundlagen übernommen. Die Hörsterspirale - das homöophatische Gesundheitszentrum - soll mit seiner Form ein Prinzip der Heilung verkörpern. Die Abbildung auf der vorigen Seite zeigt die spiralförmige Energiebewegung des Baukörpers. Angelehnt an das fernöstliche Symbol der göttlichen Ganzheit, Yin und Yang, erschließt sich uns die Idee einer Form, die zwei Energiebewegungen ausdrückt. Die linksdrehende Yin-Bewegung löst Blockaden, verkörpert den Impuls des Loslassens, sie befreit von Materie. Die linksdrehende Bewegung führt ins Dunkle, in das Numinose oder in die Einheit, in die senkrechte Achse. Von dort aus wendet sie sich zum anderen Pol in einer rechtsdrehende Yang-Bewegung, Vitalität und Aktivität ausstrahlend, den gesunden Lebensprozessen zu. Alle Bewegungen gemeinsam - die linksdrehende, der Stillstand und die rechtsdrehende - bilden das Ganze, das Heil-Sein als Qualität. Im Grundriss des bestehenden Vorentwurfs von Ellerbe Becket ist die Idee der gegenpolaren Bewegung nachvollziehbar und gelungen in Form gebracht. Die Eingangssituation zu Gelände und Krankenhaus lässt eine linksdrehende Energiebewegung zu, die im geistigen Erdfokus - im zentralen Punkt des Projektes - mündet. Hier ist Stillstand und Umkehr möglich. Die rechtsdrehende Gestalt wird durch den Gebäudekörper symbolisiert. Mir war es ein Anliegen, dass der zentrale Punkt des Geländes, der geistige Erdfokus, in diesem Sinne auch durch die Architektur Ausdruck findet. So wird in der Mitte eine Sitzfläche in Form eines Amphitheaters entstehen. Von dort wird sich eine Holzstruktur nach oben hin öffnend in den Mittelpunkt der Spiraldachs hineinstrecken. Symbolisch kommt mit dem Bild einer Schale, wie es das Amphitheater zeigt, das Prinzip des empfangenden und haltenden Weiblichen zum Ausdruck. Der kosmische Impuls, der Zeitgeist, strömt vertikal als axis mundi, Weltenachse, hinein und vertritt das männliche Prinzip. Diese Verbindung bildet die Einheit als Mitte und verteilt sich horizontal ins Land. Eine solche Qualität ist kapazitiv als Potenzial bereits vorhanden und erhält durch entsprechende Ausformung in der Architektur ihre Wirkkraft. Besondere Aufmerksamkeit soll der Darstellung der Leyline gegeben werden. Sie kann in einem Wasserlauf oder in einem Alignment, d.h. einer Reihung von stehenden Steinen, Ausdruck finden. Derzeit arbeiten die amerikanischen Architekten zusammen mit dem Kasseler Architektenteam HHS Planer + Architekten AG unter der Leitung von Andreas Wiege an der detaillierten Planung mit den verschiedenen Fachbereichen aus dem Bauwesen zusammen. Dieses Projekt ist in seiner Besonderheit ein praktisches Beispiel für die Verbindung von Geomantie, Architektur und Heilung. Anknüpfend an die uralte Tradition wird ein Gebäude in Harmonie mit der Ortsidentität und der Funktion in Einklang gebracht.