Zuviel des Guten?

Wenn die Kräfte der Erde krank machen

von Dipl. Ing. Stefan Brönnle erschienen in Hagia Chora 9/2001

Was sind eigentlich "Erdstrahlen"? Wurde der angeblich krankmachende Einfluss einer Wasserader jemals "physikalisch" gemessen? Der Ausdruck "Geopathologie" klingt sehr wissenschaftlich - was steckt dahinter? Stefan Brönnle klärt in diesem Artikel über die Geschichte der radiästhetischen Forschung auf.

Dass die Erde - der Boden, auf dem wir stehen, oder der Ort, an dem wir uns befinden - unterschiedliche Einflüsse auf die auf ihr lebenden Wesen - die Pflanzen, die Tiere und natürlich den Menschen - ausüben kann, ist zumindest in einer Zeitschrift für Geomantie eine Binsenweisheit. So entwickelten die verschiedenen Kulturen eine ganze Reihe von Methoden, um den Ort auf seine positiven und negativen seelischen wie physischen Eigenschaften hin zu interpretieren: Die Etrusker legten dabei in erster Linie das ostendarium arborium, die Vorzeichendeutung mittels Bäumen zugrunde. Verschiedene Pflanzen wie Eichen, Hasel, Birne oder Apfel galten als Indikatoren der positiven Eigenschaften eines Ortes, andere dagegen wie Farn, Stecheiche oder Brombeeren galten als den dei inferii, den Göttern der Unterwelt geweiht und daher als Indikatoren unglückbringender Ortseigenschaften. In ähnlicher Weise wird auch im indischen Vastu die Grundeigenschaft des Ortes mit Hilfe des Geschmacks, des Geruchs sowie der Farbe des Bodens und der Hangneigung gedeutet, um den gesunden und glückverheißenden Bauplatz zu bestimmen. Marco Polo berichtete sogar von einer merkwürdigen Begebenheit aus dem alten Persien: Den Gelehrten der friedfertigen Stadt Kerman war aufgefallen, dass sich in bestimmten Gegenden des Reiches negative Verhaltensweisen der Bewohner häuften. Ihrer Meinung nach war der Boden daran schuld. Um dies zu beweisen, ließen sie sich Erde aus der Stadt Isfahan bringen, die angeblich alle anderen Städte an Lasterhaftigkeit übertraf. Diese Erde streuten sie auf den Fußboden des Palastes, legten Teppiche darüber und hielten ein Gastmal ab. Doch kaum begonnen, kam es unter den nichts ahnenden Gästen zu einem heftigen Streit, zu Beleidigungen bis hin zur Gewalt: "So erkannte der König, dass die Erde daran schuld war." Im Spanien des 16. Jahrhunderts wurden bei solchen Ortsanalysen meist Weise herangezogen, die Zahoris genannt wurden. Das Wort "Zahoris" bezeichne Menschen, so der Jesuit Martin del Rio, die in der Lage sind, "Dinge zu sehen, die in den inneren Eingeweiden der Erde verborgen sind, Wasseradern, Metallschätze und Leichen in Sarkophagen". So hat es den Anschein, dass - wie auch viele Rutengänger behaupten - die Deutung von Plätzen nach gesundheitsfördernden oder gesundheitsschädigenden Einflüssen eine Art von radiästhetischer Interpretation war.

Zur Geschichte der Radiästhesie

Unter Radiästhesie, wörtlich "Strahlenfühligkeit", versteht man die Fähigkeit von Personen, verborgene Objekte, meist mit Hilfe eines radiästhetischen Instruments wie Schwingstab, Gabelrute oder Pendel, aufspüren zu können. Bereits Tacitus benennt die virga mercurialis, die "merkurische Rute", die zu besonderen weissagenden Zwecken benutzt wurde und die später unter dem Namen virga divinatoria bekannt wurde. Häufigstes Werkzeug der Radiästhesie waren Stäbe oder Ruten der verschiedensten Ausführungen. Der Benediktinermönch und Alchimist Basilius Valentinus, der im späten 14. Jahrhundert in Erfurt gelebt haben soll, beschreibt sechs verschiedene Rutenarten: Die virgula lucente (Feuerrute), die virgula candente (Brandrute), die virgula salia (Springrute), die virgula fucilla (Schlagrute), die virgula trepidante (Heberute) und die virgula cadente (Unterrute). Die Kunst, mittels Stäben zu weissagen, wurde auch als "Rhabdomantie" bekannt. So ist auch der italienische Ausdruck für die Radiästhesie noch heute rabdomanzia. Umfangreich beschrieben wurde die Radiästhesie aber erst ab dem 15. Jahrhundert. Vor allem Georg Bauer (1494-1555), latinisiert bekannt als Agricola, beschreibt in seinem Werk "De re metallica" ausführlich das Wesen das Rutengehens. Er ist es auch, der erstmals Erzadern mit Wasser in Verbindung bringt. Möglicherweise handelt es sich bei ihm um den Urvater des in der Radiästhesie gängigen Begriffs der "Wasserader". Ein ebenfalls wichtiges Datum in diesem Zusammenhang ist das gut 100 Jahre später (1665) erschienene Werk "Magnes sive de arte magnetica" von Athanasius Kircher, denn hier beginnt sozusagen die Radiästhesie zunehmend "physikalisch" zu denken. Pierre Gassendi, ein epikuräischer Philosoph und Zeitgenosse Kirchers äußert die Vermutung, das Universum bestehe - ganz dem Gedanken Epikurs folgend - aus winzigen Partikeln, den Atomen. Diese würden von den Metallen ausstrahlen und die Rute zum Ausschlag bringen. Auch der Rosenkreuzer Robert Fludd spricht zu dieser Zeit davon, dass Erzadern "Strahlen" aussenden. Dies erscheint uns heute oft als selbstverständlich. Valentinus war jedoch noch 100 Jahre zuvor davon ausgegangen, Rutengänger würden vielmehr auf "Atmosphären" oder "Ätherkräfte" reagieren, die von oberhalb der Erdoberfläche in die Erde hineintreten um dann - verändert - aus der Tiefe wieder empor zu steigen. Ein Gedanke, den in unserem Jahrhundert Wilhelm Reich zur Erklärung des Rutenphänomens aufgriff, als er schrieb, der Ausschlag der Wünschelrute sei das Resultat des "orgonenergetischen Kontaktes" des Rutengängers mit dem Orgonfeld einer Wasserader. Dieser löse einen Orgonfluss im Körper des Rutengängers aus, der schließlich Muskeln zum Zucken bringe und die Rute ausschlagen ließe. Dennoch siegte das gängige physikalische Weltbild in der Theorie um das Verständnis der Wünschelrute, obgleich die Erklärung mit Hilfe eines "Ods" oder "Äthers" nie völlig ad acta gelegt wurde. Da aber die radiästhetische "Strahlung" nicht mit physikalischen Methoden gemessen werden konnte, fristete die Radiästhesie bis ins 20. Jahrhundert ein Dasein im Schatten der Naturwissenschaften Physik und Biologie. Wiederholt kam es zu spektakulären Experimenten, die das Phänomen beweisen oder widerlegen sollten. Ein besonders eindrucksvoller Test war der des französischen Biologen Armand Viré und des Geografen Henri Mager (1913), bei dem das ausgedehnte Netz römischer Steinbrüche unter der Stadt Paris als Versuchsfläche diente. Mehrere Rutengänger, u.a. der bekannte Pater Alexis Mermet bewiesen hier ihr Können, indem sie Tunnels und Hohlräume unterhalb eines Parks orteten.

Die Geopathologie

Immer wieder war den Radiästheten aufgefallen, dass Personen, die über den von ihnen georteten Wasseradern oder geologischen Brüchen lebten, arbeiteten und schliefen, häufig chronischen Krankheiten unterlagen. Auch Abbé Mermet war von der negativen Wirkung unterirdischer Wasseradern überzeugt. Die Strahlungen, die sie aussenden, so Mermet, würden in jedem Haus, das über ihnen liegt, von Stockwerk zu Stockwerk weitergeschickt und die "Gesundheit vollends untergraben". So schrieb auch der englische Radiästhet W.M. Trinder in seinem Buch "Dowsing" in den 20er-Jahren: "Es scheint unzweifelhaft, dass Strahlen, die von unterirdischem Wasser ausgehen, sowohl für Menschen als auch für Pflanzen absolut schädlich sind, sofern man ihnen andauernd ausgesetzt ist. Ich kenne viele Menschen, die von Nervenleiden und Rheumatismus befallen wurden. In allen Fällen verbrachten die betreffenden Personen einen großen Teil des Tages über einem unterirdischen Wasserlauf." Noch aber blieb die Erfahrung der Rutengänger auf der Ebene einer Behauptung. Zwar war bereits 1897 eine Untersuchung bekannt geworden, bei der ein italienischer Rutengänger in Piacenza eine Wasserader unter einer Molkerei entdeckt hatte, die ständig mangelhaften Käse produzierte. Nach mehrtägigen Tests konnte er beobachten, dass sich die für die Herstellung des Käses notwendigen Bakterienkulturen abweichend entwickelten, wenn sie über einer Wasserader platziert wurden. Doch ein Einfluss auf Menschen war dadurch noch keineswegs belegt, und zudem wurden seine Ergebnisse heftig angezweifelt.
Erst in den 20er-Jahren gelang es in Deutschland den beiden Forschern Winzer und Melzer, in Stuttgart erste statistische Belege für die krankmachende Wirkung bestimmter unterirdischer Faktoren zu finden: Stuttgart wurde nach verschiedenen Krebserkrankungsarten in verschiedene Zonen eingeteilt. Dabei stellten sie fest, dass die fünf bedeutendsten geologischen Verwerfungen, welche die Stadt durchqueren, genau durch die Gebiete mit der höchsten Sterblichkeitsrate durch Krebserkrankungen verliefen. Diese Untersuchung veranlasste 1929 Gustav Freiherr von Pohl zur ersten systematischen Studie über den Zusammenhang von Krebserkrankungen und Standort. In der Gemeinde Vilsbiburg in Bayern, die damals 8300 Einwohner zählte, häuften sich Todesfälle aufgrund von Krebserkrankungen. Pohl mutete nun zunächst die das Gemeindegebiet durchquerenden Wasseradern und übertrug sie in eine Karte im Maßstab 1:1000. Dann verglich der Amtsarzt Dr. Bernhuber die Karte mit den Todesfällen. Er konstatierte, dass die Betten der an Krebs Gestorbenen immer über den von Pohl gemuteten Wasseradern lagen.
1932 endlich konnten auch die Versuche über die Intensivierung bakteriellen Wachstums auf Wasseradern am Institut für Biologie der Technischen Hochschule in München wissenschaftlich bestätigt werden. Mit Krankheitskeimen geimpfte Mäuse erkrankten schneller, wenn die Mäuse in Käfigen über gemuteten Wasseradern lebten. Je nach Krankheitserreger ließ sich die Beziehung aber auch umkehren. Aufgrund solcher Ergebnisse prägte 1933 Dr. h.c. Johann Walther in der Broschüre "Das Rätsel der Wünschelrute" als Erster den Ausdruck "Geopathie" für die Untersuchung schädlicher standortbezogener Einwirkungen. Bis in die 50er-Jahre hinein folgten weitere Tests mit ähnlichen Ergebnissen. So berichtete der Mediziner Prof. Dr. W. von Gonzenbach aus Zürich in der Zeitschrift "Gesundheit und Wohlfahrt" von mehr als 12-jährigen Beobachtungen und Versuchen an über 24000 Mäusen und anderen Nagetieren, die vor allem von Dr. E. Jenny durchgeführt wurden, dass die Geburtenzahl der Tiere auf "Strahlungszonen" um durchschnittlich 15 Prozent zurückgingen. Auch die Zahl der Würfe war bei Tieren über so genannten Störzonen um ca. 20 Prozent reduziert, ebenso die durchschnittliche Zahl der Jungen pro Wurf. Die Sterblichkeit der Jungen war auf den Reizzonen höher, und Versuche mit Mäusen in Wanderkisten bewiesen, dass die Tiere den reizfreien Boden bevorzugten.

Geophysikalische Forschung

Im Jahre 1955 betonte daher der Geophysiker Dr. Volker Fritsch die Wichtigkeit gemeinsamer Forschungen von Rutengängern, Ärzten, Geologen und Physikern in seinem Buch "Das Problem geopathogener Erscheinungen vom Standpunkt der Geophysik". Anfang der 60er-Jahre schließlich gelang es Dr. Ernst Hartmann und seinem Bruder, eine "biophysikalische" Methode zu entwickeln: Im Rhythmus von 30 Sekunden werden über die Handflächen eines Probanden die Gleichstromwiderstände des menschlichen Körpers gemessen. Die Mess-Spannung der Elektroden beträgt dabei 1,5 V. Diese Messmethode, die heute unter dem Namen "Georhythmogramm" bekannt ist, zeigte, dass Menschen über den von Rutengängern gemuteten Störzonen dazu neigen, Schwankungen des Hautwiderstands zu produzieren, die zum Teil mehr als das Fünfzigfache dessen betragen, was auf "ungestörten" Plätzen gemessen wird. Eine Reaktion des Organismus auf die von Rutengängern bezeichneten Plätze war damit belegt. Interessanterweise liegen die Potenzialunterschiede beim Menschen in ihrer Größenordnung stets im selben Bereich wie im Boden, auf dem er sich befindet. Bei den Versuchen Hartmanns kamen erstmals nicht nur geologische Phänomene wie fließendes Untergrundwasser oder geologische Brüche zum Tragen, sondern auch lediglich durch Radiästheten definierte Plätze, die gitterartige Strukturen zeigten, wie das von Dr. Francois Peyre um 1940 entdeckte und später (1955) von Siegfried Wittann weiter untersuchte Strahlungsmuster, das von Dr. Manfred Curry, des damaligen Direktors des medizinisch-bioklimatischen Instituts in Riederau/Ammersee beschriebene Diagonalgitter oder eben das von Hartmann beschriebene Globalnetzgitter. Auch die Bluttests nach Dr. Dieter Aschoff in den 70er-Jahren konnten zeigen, dass derartige Reizzonen Einfluss auf die Eigenschaften des Blutes ausüben können. So konnte zwar immer wieder belegt werden, dass die von Radiästheten als Störzonen benannten Plätze (bisweilen negative) Auswirkungen auf Menschen ausüben. Wie sich jedoch diese Wirkweise genau ausdrückt und welcher Art von Einfluss der Mensch hier unterliegt, dafür gab es keine schlüssigen Belege.

Erdstrahlen - was ist das?

Mit den Versuchen der 40er-Jahre über den Einfluss von Reaktionszonen auf Tiere und Menschen begann man auch, verschiedene Theorien zu erörtern, worauf der Rutengänger eigentlich reagiert und wodurch die gesundheitsgefährdenden Effekte der Störzonen ausgelöst werden. Dr. I. Wüst aus München formulierte drei Möglichkeiten, die als auslösende Faktoren in Frage kämen: Ähnlich wie später Hartmann folgerte er, dass Unterschiede des so genannten Eigenpotenzials der Erde Auslöser für Rutenreaktionen und auch für diverse Krankheitsbilder sein könnten. Solche elektrische Eigenpotenziale sind über oberflächennahen unterirdischen Einschlüssen, wie z.B. Erzlager, nachweisbar, wenn an ihrer Außenseite durch Grundwasser oder Bodenfeuchte elektrolytische Prozesse stattfinden. Ähnlich erzeugt fließendes Wasser an der Grenzfläche mit Stoffen anderer Dielektrizitätskonstante so genannte Strömungspotenziale, wobei sich das Wasser positiv, die Umgebung negativ auflädt. Der russische Forscher Bogojavlensky führte mit Elektrometern Messungen der von Wüst bezeichneten "harten Erdstrahlung" durch, die offenbar von der Konzentration radioaktiver Elemente im Untergrund abhängig ist. Geologische Verwerfungen und Spalten sind durch Intensitätsunterschiede erkennbar. Bogojavlensky hielt diese "harte Erdstrahlung" für den Hauptionisator der Luft, da eine Beziehung zwischen ihrer Intensität und der Luftleitfähigkeit besteht. Messungen mit dem Elektroskop zeigten zudem über gemuteten Wasseradern einen meist höheren Ionisationsgrad, d.h. eine höhere Leitfähigkeit der Luft. Ein Zusammenhang von ionisierender Strahlung und Krebshäufigkeit war Anfang der 40er-Jahre durch den französischen Ingenieur Cody in einer siebenjährigen Untersuchung nachgewiesen worden. Er wendete das Elster/Geitel-Elektrometer an und untersuchte über 7000 "Krebsbetten". So wurden beispielsweise von ihm zehnmal höhere Ionenkonzentrationen im Bereich des Bettes im Vergleich zu 2 Metern Entfernung gemessen. Als dritte Möglichkeit benannte Dr. Wüst den Infraschall. Viele Rutengänger reagieren auf schwache mechanische Erschütterungen des Bodens mit Rutenausschlägen. Eine allgegenwärtige Quelle von Infraschallschwingungen ist die mikroseismische Bodenunruhe, wie sie von Flussläufen, Sturm, Wind oder Brandung etc. ausgelöst werden kann. So ist die Brandung an Norwegens Küste noch in Moskau zu messen. Die Infraschallschwingung verhält sich jedoch nicht überall gleich. Am geringsten ist sie über festem, gewachsenen Gestein, sehr stark dagegen über Schuttkegeln und alluvialen Flussablagerungen. Am stärksten aber ist die Bodenunruhe über Lockerböden (Moorböden, Seeufer, Schwemmböden, Flussniederungen) und schuttgefüllten Spalten und Verwerfungen messbar. Für Wüst ist der Rutenausschlag eines Radiästheten daher die Reaktion auf Schwingungen leichter Ionen, die durch Infraschall bzw. seismische Bodenunruhe angeregt werden, wobei "harte Erdstrahlung" als Ionisator fungiert. Der Physiker und Radiästhet Reinhard Schneider dagegen stellte die Theorie auf, der Rutengänger reagiere auf "mikrowellenähnliche Erscheinungen" aus dem Untergrund, deren Wellenlänge bei Wasseradern, Verwerfungen etc. jeweils unterschiedlich seien. Wesentlich für deren krank machende Wirkung sei dabei zum einen die Resonanzfähigkeit des Menschen auf bestimmte Frequenzen, zum anderen die Intensität der Strahlung und nicht zuletzt ihre Polarisation (links-/rechtsdrehend), die er als Elektronenspin deutete. Doch letztlich blieben auch dies nur Arbeitstheorien. Erst in den 70er-Jahren gelang es zwei Forschern unabhängig voneinander, Geräte zu entwickeln, welche die von Rutengängern lokalisierten Wasseradern meßtechnisch erfassbar machten: Das von Jakob Stängle entwickelte "Szintillometer" besteht aus einem stationär angebrachten Messkopf und einer fahrbaren Einheit. Durch den Einfall ionisierter Strahlung in den Kristallsensor des Gerätes werden hier extrem schwache Lichtblitze ausgelöst. Diese werden in elektrische Impulse umgewandelt und millionenfach verstärkt. Aus beiden gemessenen Werten wird die Differenz gebildet. Der Differenzwert liefert ein Maß für die Strahlungsaktivität. Stängle konnte so einige der von Freiherr von Pohl in Vilsbiburg georteten Wasseradern bestätigen. Etwa zur selben Zeit entwickelte Dr. Arnim Bickel sein Szintillometer, das mit einer Photomultiplikationsröhre arbeitete. Ein Zusammenhang von Wasseradern/Verwerfungen und Erkrankungen sowie der Rutenreaktion schien damit zum mindesten in Ansätzen belegt.

Ein Gespenst geht um .

Gerade in dieser Phase der Euphorie ließen die weiteren Untersuchungen von Ernst Hartmann mit dem Georhythmogramm Ergebnisse zu Tage treten, die nicht recht ins Bild passten. 1988 wiesen Berichte in der Zeitschrift "Wetter Boden Mensch" des Forschungskreises für Geobiologie darauf hin, dass die negativen Auswirkungen des Ortes auf keinen Fall ausschließlich auf ionisierende Strahlung etc. zurückzuführen seien. Bereits in den 60er-Jahren hatte Hartmann beobachtet, dass eine Person auf einem ungestörten Platz und mit "normalem" Georhythmogramm schlagartig die Polarisationswiderstände veränderte, wenn sich eine zweite Versuchsperson in der Nähe auf einen Kreuzungspunkt einer geopathogenen Bodenstruktur setzte. Nun stellte er sogar fest, dass die Gestik der zweiten Versuchsperson, selbst wenn sie sich nicht in Sichtweite befand, den Polarisationswiderstand entscheidend verändern konnte. Was gedacht wurde und welchen Ausdruck dies in Gesten und Symbolen fand, beeinflusste nachhaltig das objektive wie subjektive Wohlempfinden und die Gesundheit der Testpersonen. So kam es beim Gebet der zweiten Versuchsperson zur deutlichen Harmonisierung der Polarisationswiderstände der ersten Versuchsperson, wärend z.B. die Geste des "Hitlergrußes" eine deutliche Stresszunahme der ersten Person bewirkte, vergleichbar dem Aufenthalt über einer geopathogenen Störzone. In einem Doppelblindversuch gelang es Dr. Jörg Purner gar, eine Wasserader in einen Raum "hineinzudenken", die später von anderen Rutengängern dort geortet wurde.
Solcherart Ergebnisse konnte viel eher mit der alten Äthertheorie als mit der moderneren Sichtweise der mikrowellenähnlichen oder ionisierenden Strahlung erklärt werden. Die Bedeutung jener eigenartigen Versuchsergebnisse ist nicht zu unterschätzen, denn bei all den beschriebenen Versuchen hatte - da es keine physikalischen Messinstrumente gab - stets der Rutengänger die Lage der Störzone festgelegt, auf welcher die Versuche vollzogen wurden. War es möglich, dass der Rutengänger bei der scheinbar passiven Ortung der Störzone diese quasi erst geschaffen hatte und dadurch die beschriebenen negativen Effekte erst ausgelöst wurden? Die Radiästheten hatten ja bereits das Meinungsbild von der Schädlichkeit der Orte in sich getragen. Hatten sie diese "Meinung" lediglich auf den Ort "übertragen"? Gewiss können so nicht alle Forschungsergebnisse vom Tisch argumentiert werden, denn, wie beschrieben, die Ergebnisse von Freiherr von Pohl konnten zum Teil mit dem Szintillometer nachvollzogen werden. Doch bleibt als Manko, das bisher nicht untersucht wurde, wie viele Menschen auf Wasseradern, Verwerfungen etc. schlafen, ohne zu erkranken! In der aktuellen Hausberatung ist es vielmehr so, dass der Radiästhet den Verlauf einer Störzone lokalisiert und allein über dieses Wort "Störzone" eine negative Wirkung induziert. Auch sollte bedacht werden, dass gerade die mentale Radiästhesie die Weltsicht des Radiästheten widerspiegelt. Denn was als gut oder schlecht bezeichnet wird, ist abhängig von dessen innerer Wertung. Die Wenigsten sind sich bewusst, dass dies allein - bei aller "geistigen Leere und Erwartungslosigkeit" - schon die Macht hat, entsprechend negative Wirkungen hervorzurufen. Um wieviel problematischer wird die Sachlage, wenn der als Gutachter beauftragte Radiästhet zugleich als Verkäufer von selbstentwickelten Entstörgeräten fungiert. Hier ist eine Beeinflussung seiner selbst, des untersuchten Platzes und nicht zuletzt des Klienten praktisch unvermeidlich.
Zusammenfassend kann man daher sagen, dass die Untersuchungen einerseits die Möglichkeit negativer Wirkungen von bestimmten Reizzonen dringend belegen, andererseits aber das Fehlen von Untersuchungen über die möglicherweise nicht negative Auswirkung von Reizzonen die Brisanz der vorgelegten Untersuchungsergebnisse verfälscht. Nicht zu unterschätzen bei der Beratung durch einen Rutengänger ist dagegen die negative gesundheitliche Wirkung von unbewussten Gesten, Wortwahl bis hin zu den Gedanken des Gutachters.

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