Der Kristallplanet, Teil 02

Ideengeschichte der globalen Gitternetze

von Marco Bischof erschienen in Hagia Chora 8/2001

Mit der letzten Ausgabe von Hagia Chora begannen wir die historische Aufarbeitung der Theorien zur Kristallstruktur der Erde. Marco Bischof ging älteren geologischen Konzepten sowie der Schmutz’schen Tetraedertheorie nach. Hier setzt er seinen Bericht mit Anomalien wie dem Bermuda-Dreieck sowie mit russischen Arbeiten aus den 70er-Jahren fort, die wir im anschließenden Forum erstmals in deutscher Übersetzung abdrucken.

Im Jahre 1974 veröffentlichte der amerikanische Schriftsteller und Hobbyarchäologe Charles Berlitz sein berühmtes Buch über "Das Bermuda-Dreieck", das auf Anhieb zum Bestseller wurde. Den Begriff geprägt hatte jedoch bereits zehn Jahre früher der Schriftsteller Vincent H. Gaddis in seinem Artikel "The Deadly Bermuda Triangle" in der Zeitschrift "Argosy" sowie in seinem Buch "Invisible Horizons" (1965). Bei der Erforschung des Bermuda-Dreiecks und in der Weiterentwicklung der daraus entstehenden Vorstellungen in den späten 60er- und frühen 70er-Jahren spielte der renommierte schottische Zoologe, Botaniker und Geologe Ivan T. Sanderson (1911-1973) eine zentrale Rolle, der nach 1947 in den USA lebte (Sachs, 1980; Magin, 1997). Als Tierfänger für Zoologische Gärten, Expeditionsleiter und Verfasser berühmter Tierbücher, der die Zoologie popularisierte und als einer der ersten einem breiteren Publikum ökologische Gedanken nahebrachte, wurde er in den 60er-Jahren zu einer bekannten Radio- und Fernsehpersönlichkeit. Er bemühte sich zeitlebens um die vorurteilslose wissenschaftliche Aufklärung von sogenannten "Anomalien" in der Wissenschaft, d.h. Beobachtungen von Gegenständen und Ereignissen, die nicht in das geltende wissenschaftliche Weltbild passen. Sein Buch über den amerikanischen Bigfoot machte ihn zum Begründer der "Kryptozoologie", der wissenschaftlichen Erforschung seltener, sagenhafter oder fast ausgestorbener Lebewesen wie Yeti, Bigfoot oder Sasquatch. Gaddis und Sanderson beschäftigten sich beide mit dem Werk von Charles Hoy Fort (1874-1932), der als erster solche Anomalien - von verschwundenen Menschen, vom Himmel gefallenen Fischen, an entfernte Orte versetzten Gegenständen und Menschen, ungewöhnlichen Naturerscheinungen wie Kugelblitzen bis zu elektrischen und leuchtenden Menschen - aus der wissenschaftlichen Literatur dokumentiert hatte und das Monopol der Wissenschaft auf die einzige Wahrheit in Frage stellte (Kaplan, 1991; Magin, 1997). 1965 gründete Sanderson, seit den 50er-Jahren Mitglied der 1931 entstandenen "Fortean Society", die 1959 nach dem Tod ihres Gründers Tiffany Thayer eingeschlafen war, eine eigene forteanische Gesellschaft, die "Ivan T. Sanderson Foundation". Diese Vereinigung hochrangiger Wissenschaftler wurde bald in "Gesellschaft zur Erforschung des Unerklärlichen" (Society for the Investigation of the Unexplained, SITU) umbenannt, gab ab 1968 die Zeitschrift "Pursuit" heraus und hatte ihren Sitz in Columbia, N.J. Sie nahm als erste Aufgabe die Aufklärung des "Bermuda-Rätsels" in Angriff.

Das Bermuda-Dreieck und die Folgen

Das "Bermuda-Dreieck" ist ein 36260 Quadratkilometer großes Gebiet vor der Südostküste der Vereinigten Staaten zwischen den Bermuda-Inseln, Florida und Puerto Rico, in dem angeblich weit mehr als im üblichen Maße Schiffe und Flugzeuge verschwinden (Gaddis, 1964; Kusche, 1973, 1975; Berlitz, 1974; Hitching, 1982; Preisinger). Wie es bei Berlitz heißt, sollen dort von etwa 1950 bis zur Mitte der 70er-Jahre mehr als hundert Schiffe und Flugzeuge spurlos verschwunden sein und mehr als tausend Menschen ihr Leben verloren haben. Es erstreckt sich von ca. 30° bis 40° nördlicher Breite und von ca. 055° bis 085° westlicher Länge und ist eigentlich kein Dreieck, sondern eher ein rautenförmiges Gebiet. 1968 untersuchte Sanderson mit rund zwanzig Ozeanologen und Ozeanographen, Geophysikern und Geomorphologen, Mathematikern und Geographen der SITU die Berichte über rätselhaften Vorkommnisse, die Gaddis und andere gesammelt hatten und zu denen im Laufe seiner Forschungen noch weitere dazukamen (Sanderson, 1970). Dabei stellte er fest, dass das Bermuda-Gebiet nicht das einzige Areal mit einer solchen Häufung solcher Vorkommnisse war. Es gab offenbar ingesamt zehn derartige, rautenförmige "Wirbelgebiete", die Sanderson vile vortices ("üble Strudel/Wirbel") taufte. Sie waren in zwei Ringen auf 36° nördlicher und 36° südlicher Breite ringförmig über die Erde verteilt. Diese Gebiete dehnen sich jeweils etwa 30 Längengrade von Ost nach West aus und liegen in jeweils 72° Abstand, wobei die südlichen jeweils um 23,5 Längengrade gegenüber den nördlichen verschoben sind. Dies könnte in einem Zusammenhang mit der bereits erwähnten 23,5°-Neigung der Erdachse gegenüber der Ekliptik (Ebene des Erdumlaufes um die Sonne, Hagia Chora Nr. 7) stehen. Diese Gebiete, die Sanderson später (1972) noch um Nord- und Südpol ergänzte, nannte er die "Zwölf Friedhöfe des Teufels":
Die sechs nördlichen Teufelswirbel liegen
- im Bermudas-Gebiet,
- in der "Teufelssee" im westlichen Pazifik, zwischen Japan und der Bonin-Insel, 250 Meilen südlich der japanischen Insel Honshu, ca. 140° Ost,
- im Mittelmeergebiet, das als Ganzes Rautenform besitzt,
- im Nordpazifik, wo es ein Gebiet mit eigenartig konkaver Wasseroberfläche gibt,
- im Norden des Arabischen Meeres und des Persischen Golfes,
- am Nordpol
Die sechs südlichen Teufelswirbel liegen
- vor der Ostküste Südamerikas südöstlich von Argentinien,
- vor der Südostküste von Südafrika,
- vor der Südostküste Australiens in der Tasmanischen See,
- im südöstlichen Indischen Ozean,
- in der Mitte des Großen Ozeans im südöstlichen Pazifik,
- am Südpol.
In allen diesen Gebieten treten nach Sanderson (1972) magnetische und andere physikalische Anomalien sowie ein ganzes Spektrum seltsamer ozeanologischer und meteorologischer Erscheinungen auf. Dazu gehört z.B. eines der eigenartigsten ozeanologischen Phänomene, das im nordpazifischen Wirbelgebiet beobachtet wurde. Es handelt sich um sogenannte Depressionen (Vertiefungen) im Ozean, wobei aber nicht jene besonders tiefen Gräben im Meeresboden oder die Gravitationsanomalien gemeint sind, die es auch gibt, sondern die Tatsache, dass hier die Meeresoberfläche über ein großes Gebiet schüsselförmig eingetieft ist. Mit etwas Übertreibung wird dies von einer Seemannslegende illustriert, die besagt, dass an einer dieser Stellen einst einige alte Frachter auf ihrer letzten Fahrt zu japanischen Schrotthändlern es nicht mehr geschafft hätten, aus eigener Kraft aus dieser Vertiefung heraus zu fahren und durch ozeantaugliche Schlepper herausgezogen werden mussten.

Großflächige Wirbelströmungen

Alle diese Gebiete haben die Form von Ovalen oder Rauten, die sowohl im Norden wie im Süden um 25° von Südwest nach Nordost geneigt sind, so dass also die südlichen nicht das exakte Spiegelbild der nördlichen sind (Sanderson, 1970). Gemeinsam ist ihnen auch, dass sie alle vor den westlichen Ausbuchtungen (also "links" in der nördlichen Hemisphäre) bzw. vor den östlichen ("rechten") Ausbuchtungen von Landmassen (in der südlichen Hemisphäre) liegen, die zusammen jeweils eine Serie von fünf perfekten Sinuskurven bilden. Je zwei dieser Gebiete liegen einander jeweils genau gegenüber auf der entgegengesetzten Seite der Erdkugel, so dass eine Linie, die beide verbindet, genau durch den Erdmittelpunkt verlaufen würde. Alle "Wirbelgebiete", mit Ausnahmen von zweien, liegen über Wasser, der Mittelmeer-Wirbel und derjenige über dem persischen Golf teilweise auch über Land. Die eigenartige Tatsache, dass die südlichen Wirbel genauso wie die nördlichen nach Osten geneigt sind - statt spiegelverkehrt nach Westen, wie man wegen der Corioliskraft erwarten würde -, kann nach Sanderson weder auf Temperatur, Luftdruck, noch auf geomagnetische Anomalien zurückgeführt werden, sondern auf Oberflächen-Meeresströmungen (Sanderson, 1970). Fünf der sechs zuerst entdeckten Gebiete im Norden und im Süden (nur das Mittelmeergebiet fällt aus der Reihe) liegen auf der rechten, östlichen Seite der Kontinente, und zwar exakt in solchen Gebieten, wo warme Oberflächenströmungen aus den tropischen Breiten mit kalten Strömungen aus gemäßigten und kalten Gebieten zusammentreffen und so großflächige Wirbelströmungen bilden. Die zwei nördlichen Hauptwirbel drehen im Uhrzeigersinn, die südlichen im Gegenuhrzeigersinn, wobei alle diese warmen Meeresströmungen ihre engsten Drehungen genau in diesen fünf Gebieten machen. So ergeben sich dort die weltweit größten Temperaturveränderungen.

Neue Theorien der Erdwissenschaften

Sanderson erörtert in seiner zurückhaltenden und doch vor gewagten Hypothesen nicht Halt machenden Art das Für und Wider mancher Hypothesen zur Erklärung dieser Beobachtungen. Mit seinen zwölf "üblen Wirbeln" hat auch er das Modell einer kristallinen Erde entwickelt, und zwar in Form eines Ikosaeders, des platonischen Körpers mit 12 Ecken und 20 gleichseitigen Dreiecken als Flächen. In diesem Zusammenhang weist er auch hin auf die, wie er sagt, "Ende der 60er-Jahre viele Geomorphologen beunruhigende Theorie, dass die Erde in Wirklichkeit eine Art Riesenkristall sei, der versuche, eine tetraedrische Form anzunehmen, d.h. eine dreiseitige Pyramide mit der Spitze in der Antarktis und einer flachen dreieckigen Basis ungefähr am Nordpol. Damit würde man Spitzen an vier Punkten erhalten, wie wir sie tatsächlich in den Landmassen von Nordostasien, Nordamerika und der Antarktis haben. Das Resultat wären drei dreieckige Kontinente, die in südlicher Richtung verlaufen - diese haben wir in der Tat in Asien plus Australien, Europa plus Afrika, und in Nord- und Südamerika - und drei dreieckige Ozeane, die dazwischen liegen, wie wir sie tatsächlich in der Form des indischen, atlantischen und pazifischen Ozeans haben; sowie ein flaches dreieckiges Gebiet an der Spitze, gefüllt mit dem arktischen Ozean" (Sanderson, 1970). Eine solche Vorstellung legten - ohne dass auf die in der ersten Folge (Hagia Chora Nr. 7) beschriebenen früheren, fast identischen Tetraedertheorien der Erde Bezug genommen wurde - die Forschungen der beiden amerikanischen Geochemiker George E. Rouse und Ramon E. Bisque von der Colorado School of Mines in Denver nahe, die sie im Mai 1968 auf der Jahresversammlung der Amerikanischen Geophysikalischen Vereinigung in Washington erstmals vorstellten (Rouse und Bisque, 1968; Bisque und Rouse, 1968; Small, 1968). Auf der Suche nach dem Ursprung tiefer Erdbebenimpulse kamen die beiden Erdwissenschaftler zum Schluss, dass die Oberfläche des metallischen Kerns des Planeten kontinuierliche Vertiefungen besaß, die sich um die ganze Erdkugel herumzogen, und dass dazwischen entsprechende "Dome" oder Erhebungen lagen. Dies erklärte mit einem Male eine Reihe von verschiedenen, teilweise bisher unverstandenen geologischen und geophysikalischen Eigenschaften wie die Existenz von Knotenpunkten seismischer und vulkanischer Aktivität, die Verteilung von Schwermetallvorkommen und vieles andere, und wurde deshalb von einigen Fachleuten als "großer Schritt zu einer bisher fehlenden Einheitstheorie der Erdwissenschaften" begrüßt (Small, 1968). Nach Rouse ergeben sich fünf ovale oder rautenförmige Gebiete größter Vertiefung der Erdkernoberfläche rund um den Globus, die mehr im Norden liegen, während ein sechstes, viel größeres Gebiet zwischen Afrika und der Antarktis zu liegen kommt (Bisque und Rouse, 1968). Gleichzeitig sind dies Bereiche geomagnetischer Anomalien; dort macht die vertikale Komponente des Erdmagnetfeldes die häufigsten Schwankungen durch. Die ersten fünf decken sich mit oder liegen zumindest in der Nähe von fünf von Sandersons "Teufelsfriedhöfen" - nämlich dem Bermuda-Dreieck, dem Mittelmeergebiet, dem Gebiet am Persischen Golf, sowie demjenigen östlich von Australien und demjenigen im Südostpazifik. Für die übrigen gibt es allerdings keine Entsprechung.

Eine "Wirbel-Schwerkraft"

Im Laufe seiner Überlegungen zur Erklärung des Phänomens der "Teufelswirbel" gab Sanderson auch eine Arbeit von Schubert und Whitehead zu denken, in der die Autoren sich mit dem Verhalten von Quecksilber auf einem runden Teller befassen, wenn dieses von einer langsam kreisenden Flamme von unten erhitzt wird. Eigenartigerweise beginnt das flüssige Metall in der Gegenrichtung zu kreisen und wird dabei immer schneller, so dass es schließlich sogar die Flamme überholt. Sanderson fragte sich nämlich, ob die gegenläufige Rotation der Luft- und Wasserströmungen in den südlichen Teufelswirbeln - während sich im Norden Wasser wie Luft der Coriolis-Kraft beugen - nicht vielleicht elektromagnetische, gravitationelle oder Zeit-Anomalien verursachende Wirkungen haben könnte. Er verweist auf den Geophysiker John Carstoiu, der die Existenz einer zweiten Art von Gravitationskraft postulierte (Carstoiu, 1969), die bestimmte Effekte auf der Erdoberfläche und insbesondere unter, auf und über bestimmten Meeresgebieten erklären könnte, die mit heutigen geophysikalischen Messmethoden festgestellt werden. Demnach soll das Newtonsche Gravitationsfeld eine "Wirbel-Schwerkraft"-Komponente (vortex gravity) besitzen, die zu ihr in einem analogen Verhältnis steht wie das Magnetfeld zur elektrischen Komponente des elektromagnetischen Feldes. Nach Sanderson (1970) hatte Carstoiu offenbar vor, in einer Publikation in den Proceedings der Nationalen Akademie der Wissenschaften der USA auf eine Korrelation zwischen den Feststellungen des Sanderson-Teams und seinen eigenen Entdeckungen hinzuweisen. Er war überzeugt, dass die neue Gravitationskraft "eine Reihe von Anomalien und eigenartigen Phänomenen erklären könnte, wie z.B. diejenigen, über die Sanderson berichtete". Doch seine Hypothesen bewirkten eine derartige Kontroverse, dass ihre Veröffentlichung in den USA nicht mehr möglich war. Dass Sanderson ähnliche Vorstellungen hatte, zeigt seine Spekulation, es werde vielleicht "eines Tages eine allgemeine Feldtheorie geben, die die verschiedenen Arten der Gravitation, den Erdmagnetismus, die Entstehung der Gebirge, die Kontinentalverschiebung, die Verteilung der Schwermetalle, verschiedene meteorologische und hydrologische (ozeanographische) Phänomene, die Vulkantätigkeit, die seismische Aktivität und selbst unsere "Teufelswirbel" miteinander korreliert und integriert" (1970).

Das russische Gitter

Genau dies wurde einige Jahre später von russischen Laienforschern und Wissenschaftlern mit der Aufstellung einer weiteren Variante eines Kristallmodells der Erde versucht (siehe Bondaruk, 1973; Bird, 1975; Hitching, 1979). Den Anstoß dazu gab offenbar die russische Übersetzung eines Kapitels aus Ivan T. Sandersons Buch "More Things", die im Januar 1973 in der der populärwissenschaftlichen Zeitschrift der sowjetischen Akademie der Wissenschaften, "Chimija i Zisn " (Chemie und Leben), erschienen war (Sanderson, 1973). Im selben Jahr erschienen in Russland die Veröffentlichungen des Bildhauers Witalij Kabatschenko über das "energetische Gerippe der Erde" sowie unabhängig davon eine Darstellung des Modells eines Kristallplaneten der drei Laienforscher Gontscharow, Morosow und Makarow, die im Folgenden noch ausführlicher beleuchtet werden. Die gemeinsame Grundidee ihrer Vorstellungen ist die bereits von Sanderson vertretene Hypothese, dass die Erde kein einfaches Sphäroid, sondern in vielem noch von ihrer ursprünglichen Form eines Kristalles geprägt sei. Erst nach Jahrtausenden habe sich dieser Kristall unter dem Einfluss vieler Kräfte zu seiner heutigen Kugelform gerundet. Auch heute noch erlaube die Struktur der Erdoberfläche Rückschlüsse auf die Tiefenstruktur der Lithosphäre - zwar seien die Umrisse des ehemaligen Kristalls nun nur noch in der Tiefe unseres Planeten erhalten, doch zumindest einige dieser unterirdischen Formationen könnten sich in den Oberflächenstrukturen abbilden, ähnlich wie die Knochen des Skeletts sich auf der Haut eines abgemagerten Tieres abzeichnen.

Der wissenschaftliche Hintergrund

Zu einem solchen Schluss waren offenbar, unabhängig von Sanderson, bereits früher einige sowjetische Wissenschaftler gekommen. So prägte z.B. 1968 der Nowosibirsker Professor G. Pospelow für das Muster der Anordnung der Gesteine und ihrer Bewegungen den Begriff "Skelettnetz". In den 60er-Jahren hatten auch die Leningrader Professoren B.L. Litschkow und I.I. Schafranowski bereits eigene "Kristallplaneten"-Theorien entwickelt, die uns leider bisher nicht zugänglich waren (Litschkow, 1965; Schafranowski und Plotnikow, 1975). Sie verglichen die Erde mit einem Oktaeder. Um zu verstehen, weshalb solche Vorstellungen in der sowjetischen Wissenschaft bereits vor den erwähnten Veröffentlichungen diskutiert wurden, möchte ich auf einige Sonderentwicklungen in der Wissenschaftsszene des damals kommunistischen Landes eingehen. Während die westliche Wissenschaft in den 60er-Jahren die Plattentektonik entwickelte, nahm die sowjetische Geologie einen eigenen Weg. Bei aller Anerkennung der revolutionären Fortschritte, welche die neue "globale Tektonik" brachte, blieb den sowjetischen Wissenschaftlern nicht verborgen, dass die Theorie insbesondere einige der Besonderheiten der Verteilung der Bodenschätze nicht befriedigend erklären konnte (Krasny & Sadowski, 1988). Heute wird übrigens die Plattentektonik, das herrschende Paradigma der Geowissenschaften, von vielen Seiten kritisch beurteilt (Pratt, 2000). Neuere Beobachtungen stellen einige ihrer zentralen Annahmen, wie die Kontinentaldrift, die Expansion des Meeresbodens, die Subduktion der Platten sowie das angeblich junge Alter der ozeanischen Kruste in Frage. Die Russen versprachen sich mehr vom Konzept der "geologischen Schollen", einer Präzisierung der Plattentektonik. 1967 konnte der Geologe Lew Krasny, Mitglied der Akademie der Wissenschaften, erstmals Schollen als selbständige Strukturen der Erdkruste feststellen; später wurde die Schollenstruktur auch im Pazifik und in anderen Regionen gefunden. Schollen sind natürliche geologische Bildungen, die mit einer Fläche von 1 bis 5 Millionen km2 (kontinentale Erdkruste und Übergangszonen zur ozeanischen Kruste) bzw. bis zu 16 Millionen km2 (ozeanische Kruste) viel kleiner als die Platten sind und durch klare natürliche Abgrenzungen definiert werden. Ihre Ränder können mit den üblichen geologisch-geophysikalischen Methoden untersucht werden und sind von dreierlei Art. Die erste Art der Abgrenzung bilden lineare Senkungszonen und Tiefenbrüche, die sich im Laufe der Erdevolution in Überschiebungs-Faltengebirgssysteme verwandelt haben (z.B. die Rocky Mountains oder das Zagros-Gebirge im Iran). Den zweiten Typ bilden die Geosynklinalen, das sind mobile und instabile Bereiche der Lithosphäre mit vulkanischem Gestein. Beispiele sind der Ural und das Elbrus-Gebirge und in den Ozeanen die Inselbögen mit anliegenden Tiefseerinnen, wie z.B. die Kette der pazifischen Inselbögen von Alaska (Aleuten) bis nach Neuseeland. Den dritten Typ von Schollenrändern bilden die ozeanischen und kontinentalen "Riftzonen" bzw. Zonen der Tiefseebrüche, wo die Erdkruste laufend neu gebildet wird. Auch diese markieren untermeerische Gebirgsketten oder Inselketten, wie z.B. die Hawaii-Inseln.
Viele dieser Schollengrenzen kennzeichnen häufige und lang andauernde geologische Prozesse wie Dehnungen, Pressungen und Hebungen sowie stark schwankende Wärmekonvektion und häufige Erdbeben. Dadurch werden sie auch zu Zonen, in denen sich vorzugsweise Erzlösungen und Erzschmelzen bewegen und Bodenschätze ablagern. Diese Schollen unterscheiden sich durch ihre Schichtdicke, die Zusammensetzung der Gesteine, vor allem aber durch ihre Dichte und ihre magnetischen, elektrischen und Gravitationsfelder. Sie existieren selbständig, und ihre gegenseitige Anordnung bleibt, trotz zeitweiliger Bewegungen, relativ stabil.

Entstehung der Erdkruste

Nach den Erkenntnissen der russischen Geologen bilden die Schollen der Erdkruste ein kompliziertes Mosaikmuster aus verschieden großen Teilen, welches das Resultat einer bisher unerkannten Gesetzmäßigkeit in der Verteilung der Materie auf dem Planeten und insbesondere in der Lithosphäre ist. Den Wissenschaftlern fiel auf, dass die Schollen in der Kontinentalkruste am kleinsten sind, in der Übergangszone zwischen ozeanischer und Kontinentalkruste größer werden und schließlich in der ozeanischen Kruste am größten sind. Sie erklären dies damit, dass die härteren kristallinen Gesteine der Kontinentalkruste durch die Meteoriteneinschläge und andere Einwirkungen im Laufe der Erdgeschichte leichter zertrümmert werden konnten als die dünne ozeanische Kruste, die aus Basalten besteht. Die Verteilung der chemischen Elemente und verschiedenen Gesteine und Erze in der Erdkruste führen die russischen Forscher darauf zurück, dass bereits bei der Entstehung der Erde aus dem kosmischen Staub die großen und schweren Teilchen zum Keim des Planeten wurden, während die kleinen und leichten Teilchen auf dessen Oberfläche stürzten. Das ständige Bombardement dieses Meteoritenstroms erhitzte die Erdoberfläche bis zum Aufschmelzen. Dadurch schieden sich die Stoffe nach ihren chemischen und physikalischen Eigenschaften; die schwer schmelzenden Silikate trennten sich von den leicht schmelzenden Metallverbindungen. Eine feste, dünne Kruste entstand als Prototyp der Lithosphäre, deren durch Meteoriteneinschläge verursachte Bruchfurchen die Begrenzungen der späteren Schollen bildete.

Verteilung der Materie im Universum

Die mosaikartige Aufteilung der Erdoberfläche, mit kleineren Schollen auf den Kontinenten und großen in den ozeanischen Gebieten, folgt, wie Krasny und Sadowski spekulieren, möglicherweise einer allgemeinen Gesetzmäßigkeit, die für beliebige Bildungen der unbelebten Natur gilt, von der Struktur der Erdoberfläche bis zur Verteilung der Materie im Universum. Wie systematische Versuche gezeigt haben, verteilen sich bei Sprengungen die entstandenen Gesteinsbrocken auf eine ganz bestimmte Weise um das Epizentrum der Explosion herum. Sie fraktionieren und verteilen sich der Größe nach, unabhängig von der Stärke der Explosion (Krasny & Sadowski, 1988). Die Untersuchung von Rissen in Gesteinsaufschlüssen zeigte, dass auch die nach Erdbeben entstehenden Absonderungen sich der Größe nach verteilen. Interessanterweise bleibt das Verhältnis der großen und kleinen Brocken immer im Bereich von 2:5.
Ähnliche Gesetzmäßigkeiten hat der bedeutende russische Astrophysiker Jakow Borisowitsch Zeldowitsch (1914-1987) auch in der Struktur des Weltalls festgestellt (Zeldowitsch & Schandarin, 1982; Zeldovich, Einasto & Shandarin, 1982). Dort finden sich nämlich die Haufen der kleinen und diejenigen der großen Sterne in der Regel getrennt voneinander. Zeldowitsch vertrat in seiner Pancake-Theorie des Weltalls schon früh die Auffassung, dass sich das gesamte Weltall aus wabenförmigen Vielecken zusammensetzt, deren "Kanten" von den Sternhaufen (Galaxien) gebildet werden. Dazwischen liegen große leere, galaxienfreie Räume. Bis Anfang der 80er-Jahre war die Ansicht verbreitet, dass die Galaxien mehr oder weniger gleich verteilt seien. In der Sowjetunion hatte man aber bereits Ende der 70er-Jahre aufgrund theoretischer Voraussagen von Zeldowitsch große Hohlräume ("Kavernen") im Universum endeckt; die Erkenntnis der "porösen Struktur des Weltalls" setzte sich jedoch erst mit der Entdeckung einer gigantischen Kaverne von fast 300 Millionen Lichtjahren Durchmesser im Sternbild Böotes durch die Amerikaner Kirshner, Oemler, Schechter und Shectman durch, der bald weitere solche Funde folgten. Gegenwärtig sind über zehn solcher Löcher bekannt; ihre Gesamtzahl wird jedoch auf mehrere Zehntausend geschätzt.
Heute ist aufgrund der systematischen Himmelsdurchmusterungen der letzten Jahre allgemein akzeptiert, dass die Materie im Universum entlang riesiger "Filamente", großräumiger fadenförmiger Strukturen angeordnet ist, zwischen denen leere Räume liegen. Diese Fäden bilden ein wabenartiges Muster, an dessen Knoten es zu Galaxienhaufen (Clustern) kommt - das Universum ist auch schon mit einem Schweizer Käse verglichen worden. Nach kürzlichen Vermessungen durch die europäische Südsternwarte ESO wird angenommen, dass auch die unsichtbare "dunkle Materie", jene hypothetische Materieform, die den Großteil der Materie im Universum ausmachen soll und deren Existenz nur aufgrund ihrer Schwerkraftwirkung auf die sichtbare Materie angenommen wird, entlang solcher Filamente angeordnet ist (Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 290, 13.12.2000, Seite N3). Viele westliche Astrophysiker erklären die Entstehung der heutigen Struktur des Universums mit der allmählichen Anhäufung von ursprünglich homogen verteilter Materie, wobei sich erst "kleinere" Anhäufungen bildeten, die sich dann aufgrund der Gravitationskräfte zu Galaxien und Metagalaxien ("Superclustern") zusammenballten. Durch diesen Prozess kann sich aber kein Raumbereich vollständig leeren; wie Zeldowitsch schreibt, widerspricht die Existenz der Kavernen diesem "Anhäufungsszenario". Nach seinem eigenen in den 70er Jahren entwickelten "Fragmentationsszenario" entstanden Raumbereiche mit geringen Gasdichten bereits vor der Entstehung der Galaxien. Als Folge konnten sich dort keine Galaxien mehr bilden. Sie entstanden nach Zeldowitsch im Bereich der jetzigen membranartigen "Trennwände" zwischen den Kavernen, zu denen sich die Ansammlungen des Urgases angeordnet hatten. Zuerst entstanden die massereichsten Formationen, die später unter Einwirkung der Gravitation in kleinere zerfielen.

Das "elektrostatische Skelett"

Vor dem Hintergrund dieser wissenschaftlichen Entwicklungen sind die Hypothesen einer kristallinen Erde zu sehen, die 1973-83 von russischen Laienforschern entwickelt und wissenschaftlichen Fachgruppen unterbreitet wurden. Über die Vorstellungen von Witalij Kabatschenko erfuhr die sowjetische Öffentlichkeit durch den Abdruck eines Vortrags des jungen Bildhauers aus Sotschi, einem bekannten Kurort auf der Halbinsel Krim, mit dem Titel "Die Entdeckung unsichtbarer Zusammenhänge" in der Zeitschrift "Technika Molodjoschi" vom September 1973. Die Veröffentlichung war vom wissenschaftlichen Beirat des "Inversor"-Forschungslabors veranlasst worden, vor dem Kabatschenko seine Ausführungen vorgetragen hatte. Ausgangspunkt für seine Hypothese eines "energetischen Gerippes" der Erde waren intensive Karten- und Luftbildstudien im Institut für geologische Luftbildaufnahmen in Moskau. In Luftbildern und Weltraumaufnahmen, im topographischen Relief geographischer und geologischer Karten und in Übersichtsplänen von Erzlagerstätten waren ihm fraktale Strukturen aufgefallen. Die Lithosphäre mit ihren geologischen Bruch- und Faltungszonen schien ihm in einer netz- oder gerippeähnlichen Struktur organisiert zu sein, wobei in einer Hierarchie von großräumigen bis zu mikroskopischen Netzstrukturen jedes Feld wiederum in ein kleinmaschigeres Netz unterteilt war. Kabatschenko nahm an, dass diese Gerippestruktur Feld- oder Energie-Charakter hatte, nicht nur im Boden, sondern ebenfalls im Luftraum darüber vorhanden sei und sich auch auf Wasser und Wolken auswirken müsse. Er berichtete über entsprechende Beobachtungen von Wolkenformationen, die sich entsprechend einem Netz von dunklen Streifen auf der Meeresoberfläche anordneten. Nach seiner Auffassung ließen sich aus diesen atmosphärischen und ozeanischen Strukturen Aufschlüsse über Tiefenstrukturen der Erde und Bodenschätze gewinnen. Als mögliche Erklärung bot Kabatschenko elektrostatische Felder an. Ähnlich wie ein Kristall aufgrund eines Fernwirkungseffektes selbst durch einen dünnen Isolierfilm aus Metall oder Paraffin hindurch in einer übersättigten Lösung derselben Substanz eine weitere Kristallisation zu katalysieren vermag, könnten doch die von der geologischen Tiefenstruktur ausgehenden elektrostatischen Felder sowohl die Lithosphäre selbst wie auch diejenige der ozeanischen und atmosphärischen Strukturen beeinflussen. Er weist darauf hin, dass das in der Wolkendecke der Erde sichtbare Strukturnetz den so genannten Marskanälen auf unserem Nachbarplaneten zu gleichen scheint. (Die Oberfläche des Mars zeigt auf Aufnahmen der Mariner-Raumsonde eine ähnliche Netzstruktur wie die Erde.) Ein solches Netz bilden auch die Risse im Polareis. Kabatschenkos Erklärungsvorschlag beruht auf der Vorstellung, dass die elektrostatischen Felder der Erde in einer entsprechenden Strukturierung des kosmischen Raumes selbst (eine Art energetischer Matrix, die er "Weltall-Skelett" nennt) gründen, die sich in allen materiellen Strukturen im Kosmos abbildet.

Eine Struktur steuernder Impulse

In einem begleitenden Kommentar verweist der Moskauer Geologe und Mineraloge Dr. W. Neiman (russisch für "Neumann"), auch Autor eines Buches über den Kervran-Effekt (die bisher unerklärte niederenergetische Elementenumwandlung in biologischen Systemen), darauf, dass Fachleute längst entsprechende Beobachtungen über zeitliche und räumliche Gesetzmäßigkeiten in der Bildung und Anordnung der Materie auf der Erde und im Kosmos gemacht hätten, und notiert einige interessante Ergänzungen, die sich aus seinen Gesprächen mit dem jungen Forscher ergaben. Neiman bemerkt, dass Kabatschenko aufgrund der phänomenologischen Gesetzmäßigkeiten der Oberflächenstruktur der Erde die Zonen der Verdichtung, Ausdehnung und Neubildung von Substanz bestimmen könne und auf dieser Basis - einzig mit Hilfe von Luftbildern - Lagerstätten von Diamanten und Bodenschätzen zu ermitteln versuche. Der Geowissenschaftler kritisiert in diesem Zusammenhang das herrschende Weltbild einer vom Zufall bestimmten Natur und stellt diesem die Vermutung entgegen, dass in der Natur steuernde Impulse wirken könnten, die die Aktivitäten ihrer einzelnen Teile koordinieren und die einen Vorgänge unterstützen, die anderen hemmen. Er schlug vor, die Skelettstruktur des Weltalls könnte auch die Funktion haben, diese steuernden Impulse zu übertragen; dies könnte der Grund für die auffallende Stabilität der netzgitterförmigen Systeme geologischer Bruchzonen sein. Deshalb werde auch an den Knoten des Gerippes, wo die verschiedenen Signale zusammenlaufen, die meiste neue Substanz gebildet - nach Neiman möglicherweise direkt aus dem physikalischen Vakuum des leeren Raumes, was bedeute, dass man auch mit dem Verschwinden von Materie in entsprechenden "schwarzen Löchern" rechnen müsse.

Gontscharow, Makarow und Morosow

Die Kristallplanet-Hypothese der drei Moskauer Laienforscher Gontscharow, Makarow und Morosow wurde erstmals in einem Bericht des Journalisten Nikolai Bodnaruk vorgestellt, der unter der Überschrift "Was bist du eigentlich, Erde?" am letzten Tag des Jahres 1973 in der "Komsomol skaja Prawda", der offiziellen Zeitung der sowjetischen Jugendorganisation Komsomol, erschienen ist. Dieser Artikel ist die Grundlage der meisten westlichen Berichte über das "russische Gitter" und wurde bereits mehrfach in deutscher Übersetzung abgedruckt (siehe Bibliographie). Da weder in Kabatschenkos Vortrag Hinweise auf die Theorien der drei Moskauer Laienforscher zu finden sind noch in deren frühen Veröffentlichungen Kabatschenkos Arbeit erwähnt wird, muss man trotz der großen Ähnlichkeit annehmen, dass die beiden Theorien unabhängig voneinander entstanden sind. Wie so oft, fing es mit einer intuitiven Eingebung an. Der Moskauer Kunstmaler und Kunsthistoriker Nikolai Fjodorowitsch Gontscharow (1925-1990), bis zu seiner Pensionierung 1985 Dozent an der Kunstakademie mit einer Faszination für alte Kulturen, hatte auf einem Globus die Entstehungszentren der frühesten Kulturen eingezeichnet und fragte sich, ob nicht eine geometrische Regelmäßigkeit hinter ihrer Anordnung liegen könnte. In den späten 60er-Jahren entwickelte er ein erstes Gittersystem. Zu diesem Zeitpunkt wusste er noch nichts von entsprechenden Überlegungen russischer Wissenschaftler oder von Sanderson. Zu der heute als "russisches Gitter" bekannten Hypothese entwickelten sich seine Ideen jedoch erst später, durch die Begegnung mit Wjatscheslaw Semjonowitsch Morosow (geb. 1946), einem Bauingenieur und Geologen, der später auch Leiter eines Zirkels für außerirdische Zivilisationen wurde, und Walerij A. Makarow (geb. 1940), einem Elektronikingenieur und vielfach ausgezeichneten Erfinder. Die drei Moskauer, die aufgrund ihrer Arbeit später als Vollmitglieder in die Geographische Gesellschaft der Akademie der Wissenschaften der Sowjetunion (später Russlands) aufgenommen wurden, gründeten 1970 die "Planetare Netzgitter-Forschungsgruppe" (russische Abkürzung: IDSE) und versuchten zunächst gemeinsam fünf Jahre lang Gontscharows Intuition durch Nachforschungen auf den unterschiedlichsten Gebieten zu untermauern - von der Archäologie über die Geologie und Geochemie bis zur Meteorologie und Ornithologie (Vogelkunde) -, bevor sie ihre Hypothese dem Urteil der wissenschaftlichen Fachwelt unterbreiteten. Im März 1974 veröffentlichten sie ihre Überlegungen schließlich in einem Beitrag mit dem Titel "Ist die Erde ein großer Kristall?" in "Chimija i Zisn " (Gontscharow et al., 1974). Drei Monate vor dessen Erscheinen fasste Bodnaruk die Vorstellungen der Gruppe für seine jugendlichen Leser zusammen. Sie besagen, dass die Erde eine Art "energetisches Skelett" in Form einer Kombination von Dodekaeder und Ikosaeder besitzt. Die Kanten dieses Polyeders scheinen mit vielen mittelozeanischen Rücken, geologischen Bruchzonen, Zonen aktiver Hebungen und Senkungen sowie mit vulkanisch und seismisch aktiven Zonen der Erdrinde übereinzustimmen. Auf den Punkten (Ecken) des Netzgitters fanden sich nicht nur Geburtsstätten von Weltkulturen, wie z.B. Ägypten, die Induskultur von Mohenjo-Daro, das antike Peru, Kiew, der Ursprung der russischen Kultur, das alte Irland und die Osterinseln, sondern auch geologische, geophysikalische und meteorologische "Kraftzentren". So lagen z.B. die Weltzentren des minimalen und maximalen Luftdrucks, die Entstehungsorte von Orkanen, die Zentren der größten bekannten Magnetfeldanomalien, Gebiete maximaler Sonneneinstrahlung und die Wirbel der großen Meeresströmungen sowie die wichtigsten Überwinterungsgebiete der Zugvögel auf Knotenpunkten dieses Gitters. Einige der größten Erdölvorkommen fanden sich ebenfalls auf solchen Gitterknoten, während andere sich entlang der Kanten erstreckten. Die russischen Forscher beziehen sich auch auf Ivan Sanderson, dessen zwölf "Teufelsrhomben" genau mit ihrem Modell übereinstimmen. Gontscharow und Kollegen verwiesen darauf, dass die Stellen größter Aktivität in einem Kristall die Knoten und Kanten sind. Sie vermuteten, dass die Aktivitätszentren des Planeten nicht immer alle zugleich aktiv sind, sondern zu bestimmten Zeiten "eingeschaltet", zu anderen aber inaktiv sein könnten. Sie erwähnten auch Platos Vergleich der Erde mit einem Fußball, betonten aber, dass sie ihr Netzgittermodell entwickelt hätten, bevor sie von dieser Parallele erfahren hätten.

Öffentliche Rezeption der Hypothese

In ihrem Kommentar zu dem Artikel in "Chimija i Zisn " weist die Geologin Dr.M.Faworskaja darauf hin, dass die Zonen andauernder geochemischer und thermischer Aktivität für die Geologen immer interessanter würden, besonders da sich auch die großen Vorkommen von Bodenschätzen in diesen Zonen befinden (Faworskaja, 1974). Diese Erscheinungen zeugten von einem System von Anomalien und verlangten nach Erklärung. So habe auch der tschechische Wissenschaftler J. Kutina im September 1973 auf dem Internationalen Vulkanologischen Symposium in Bukarest von einem "planetaren Netz der tektonischen Brüche" gesprochen, das für die Lagerstättenprognose von Bedeutung sei. Nach Kutina hätten die Knoten dieses Netzes gleiche Abstände voneinander. Faworskaja betrachtete Gontscharows, Morosows und Makarows Modell als eine Erklärung für das Entstehen dieser symmetrischen Anomalien, ermahnte jedoch zur Vorsicht. Professor I.I. Schafranowski, der in den 60er-Jahren eine Oktaeder-Theorie der Erde entwickelt hatte, habe mit Recht betont, dass man die Erde in ihrer Gesamtheit nicht als Monokristall mit einheitlichen Kristallfacetten auffassen dürfe. Es gehe vielmehr um die Ähnlichkeit, dass sich sowohl die Oberfläche der Erdkugel wie auch die Oberfläche eines Kristalls stets nach dem Prinzip der minimalen Oberflächenenergie formieren. Nur mit dieser Einschränkung könne die Hypothese der Autoren akzeptiert werden. Faworskaja wies darauf hin, dass sich Vorstellungen der Geologen und Erzlagerstättenforscher über eine periodische Aktivierung der Knotenpunkte mit ihren Vorhersagen deckten. In der Geschichte habe es tatsächlich periodische Phasen einer "tektonisch-magmatischen Aktivierung" gegeben, vorzugsweise an Schwachstellen des Erdkörpers.
Ebenfalls bestätigen konnte Faworskaja vom geologischen Standpunkt aus, dass die Perioden erhöhter Aktivität der Erdkruste einen direkten oder indirekten Einfluss auf das Leben auf der Erde haben. Allerdings stehe der Vergleich mit denjenigen in elektrochemischen Experimenten auf schwachen Füßen, denn die Prozesse in der Erdkruste seien doch wesentlich komplizierter. Zusammenfassend schloss die Geologin, die Autoren hätten zu Recht einige Schlüsselprobleme der Geowissenschaften angestoßen, doch sei ihre Hypothese nur eine der möglichen Interpretationen der von der Wissenschaft festgestellten symmetrischen Anomalien der Erdstruktur. Gotscharow, Makarow und Morosow trugen ihre Hypothese in den 70er- und 80er-Jahren an unzähligen Universitäten und vor vielen wissenschaftlichen Gremien und Fachgesellschaften der Sowjetunion vor, so vor der Geographischen Gesellschaft der Akademie der Wissenschaften, der Kommission für die Morphologie der Erde0 der Akademie der Wissenschaften und dem Präsidium der Akademie der Wissenschaften, sowie am 23. Internationalen Geographischen Kongress, der 1976 in Moskau stattfand. Morosow verließ die Gruppe 1986; Gontscharow starb 1990. 7
Meinem Bruder Stefan gewidmet -
er weiß warum.
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