Der Kosmos lebt, weil wir leben

Eine Gaia-Meditation

von Jochen Kirchhoff erschienen in Hagia Chora 7/2000

Der Philosoph Jochen Kirchhoff denkt über eine andere Naturwissenschaft und das Rätsel der Gravitation nach.

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In diesem Essay geht es um einen neuen Zugang zu dem als lebendig ange-
sehenen Universum. Lassen Sie sich einladen zu einer Gedankenreise über Gaia, über das Schweben und die Schwere.1 Dies verlangt ein Sich-Einlassen, das über das bloße Lesen hinausgeht. Der Text hierzu ist kursiv gesetzt und zieht sich wie ein Leitmotiv durch den ganzen Essay.
Nehmen Sie eines der bekannten Photos der Erde (= Gaia) aus der Sicht der Astronauten, wenn möglich ein großformatiges. Es wird zunächst schwierig sein, die kollektive Vernutzung und Trivialisierung dieser Ikone zu vergessen, die alle feineren Wahrnehmungsschichten verschüttet hat. Aber es ist möglich. Versuchen Sie, die "astronautische" Perspektive, die eine solche des Außen und des Daraufblickens ist, zu verschieben zugunsten einer Art "psychonautischer" Perspektive, als eine solche des Innen, ohne jedoch das Äußere, d.h. das Abbild von Gaia, dabei auszublenden. Es geht zentral um eine Zusammenführung von Innen und Außen, von Wesen und Erscheinung, Idee und Gestalt, im Schauen, das immer auch Meditation ist, wenn es in eine gewisse Tiefe reicht.

Die kollektive Abspaltung
Die Trennung von "Ich und Welt" (so Gottfried Benn)2 sei "die schizoide Katastrophe, die abendländische Schicksalsneurose". Das lässt sich nicht ernsthaft widerlegen. Das ist die Lage, mit der wir - denn auch wir sind "Abendländer" - zunächst einmal zu rechnen haben, mit der wir konfrontiert sind. Die kollektiv herrschende Bewusstseinsform ist die einer Abspaltung, ja Absprengung. In der Apparate-gestützten und abstraktionistischen Naturwissenschaft, die sich heute global als Sieger gibt, kommt diese Abspaltung, diese kollektive Neurose, gleichsam zu sich selbst. Das ist zunächst einmal ein eher trauriger, ein ernüchternder Tatbestand, dem wir uns aber gleichwohl zu stellen haben, wenn wir nicht Gefahr laufen wollen, ins Schwärmerisch-Unverbindliche abzugleiten. Auch die Geomantie, als ein großartiger Versuch, sich lebendig-ganzheitlich erneut der lebendigen Erde zu verbinden, muss sich die Gretchenfrage gefallen lassen: "Wie hältst du s mit der (herrschenden) Naturwissenschaft?" Damit steht und fällt nicht die Geomantie, aber: Hier ist eine entscheidende Nahtstelle, die nach einer naturphilosophischen Grundlagenbesinnung verlangt, die (leider) selten genug geleistet wird. Damit ist das schwierige Verhältnis von Naturwissenschaft und Spiritualität angesprochen, das mich, wie andere auch, seit mehr als 25 Jahren intensiv beschäftigt. Mittlerweile können wir ohne allzu großen Denkaufwand begreifen, dass die meisten der bisherigen Versuche, beide Pole zusammenzuführen, gescheitert sind oder sich als voreilig oder ungenügend durchdacht herausgestellt haben. Ken Wilber hat bösartig-scharfsinnig formuliert: "Wenn Reduktionisten eine spirituelle Erfahrung machen (etwas, was in Physik-Lehrbüchern meist nicht vorkommt), wirkt diese gewöhnlich als Ansporn, Philosophie zu verbrechen, und das Ergebnis ist nichts für Leute mit schwachen Nerven." Wo sind wir? Wo sind wir, wenn wir leben und atmen? Und wo sind wir, wenn wir uns mit solchen Fragen abquälen? Was ist das für ein Ort, mit dem wir rätselhaft verfugt sind: das Gestirn unter unseren Füßen und die kosmische Umwelt (besser Mit-Welt oder In-Welt)? Was früher Kosmos hieß, ein bergender, uns gänzlich durchströmender Ort, der uns kennt und meint (ja will) und den wir seelisch-geistig-leiblich kontaktieren können, ist längst dahin im kollektiven Bewusstsein, zerstrahlt gleichsam in unseren Hirnen. Was uns nun "da draußen" angrinst, wirkt eher wie ein sinnleeres, monströses Spektakel, eine gigantisch öde Veranstaltung. Viele wenden sich ab und sind doch zugleich seltsam fasziniert, zumal kaum eine seriöse Alternative ins Blickfeld gerät. Ufologie, Astrologie und Science-Fiction haben ihre Claims abgesteckt und erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Die Matadore und Adepten der Mainstream-Kosmologie kümmert das wenig. Und in den Apparaten und Institutionen der Naturwissenschaft herrscht "business as usual". Dass die Kreuzritter des Abstrakten, die Erdflüchtigen auf der heißen Suche nach der weltauflösenden Weltformel, in den letzten Jahren zunehmend häufiger von Gott reden (die Urknall-Fiktion als Gottesbeweis), mutet grotesk an. Kosmologen und Theologen, einst verfeindet, verstehen sich immer besser. Wo sind wir? Was ist das für ein Ort? Ist die moderne Kosmologie - mit Urknall, schwarzen Löchern und strahlenden Höllen - vielleicht nichts anderes als ein Spiegelbild unserer eigenen, durch und durch schizoiden und neurotischen Bewusstseinsverfassung (jedenfalls was den Hauptstrom des Ganzen anlangt)? Wer glaubt den Kosmologen wirklich? Könnte nicht hinter all dem ein ganz anderer Kosmos stecken, der bislang übersehen wurde, ein anderer Kosmos, der vielleicht der eigentliche ist und der sich nur erschließen ließe von einer Bewusstseinsform aus, die eben nicht die herrschende ist? Ahnen nicht viele, sehr viele, dass sie betrogen werden? Dabei dürsten wir nach Wirklichkeit. Was sonst wäre irgend von Wert und Würde als eben dies - Wirklichkeit? Was wissen wir tatsächlich von der Wirklichkeit dieses umfassenden Ortes, den wir noch immer Kosmos nennen? Wie intelligent sind unsere Deutungen der uns aus den Tiefen des Raumes erreichenden Strahlungen? Und das berührt zentral das Problem des Menschen. Wo sind wir, und wer sind wir? Wir verorten uns nach Maßgabe unseres Seins. Das tun die ganzheitlich orientierten Geomanten genauso wie die Reduktionisten der herrschenden Naturwissenschaft. Jeder lebt, auf seine Weise, eine Spielart des so rätselhaften Verhältnisses von Mensch und Kosmos. Und projektive Elemente sind immer im Spiel; entscheidend ist nur, welchen Charakter diese haben, ob sie eher lebensdienlich oder lebensfeindlich gebaut sind. An der Lebensfeindlichkeit eines beträchtlichen Teils der Projektionen im Mainstream-Denken über Natur und Kosmos kann nicht der geringste Zweifel bestehen.

Warum bewegen sich die Gestirne?
Als Sinnen- oder Leibwesen leben wir auf der Oberfläche einer Kugel, die mit der immerhin beachtlichen Geschwindigkeit von 30 km/s um eine andere, größere Kugel jagt, die so genannte Sonne, das Zentralgestirn des Gestirnverbandes, den wir als Sonnensystem bezeichnen. Neben den (angenähert) kugelförmigen Körpern umrunden auch wild geformte Brocken in Chaos-Zonen die Sonne, von denen die erdnahen Asteroiden eine ständige Gefährdung unseres Heimatplaneten bedeuten (Impakt-Gefahr). Was treibt die Gestirne voran, was lässt sie um ihre Achse wirbeln, was taucht die Erde in Licht und Nacht? Wer hier die Wissenschaft befragt, muss überraschend feststellen, dass sie hierauf keine Antwort weiß, auch wenn sie es geschickt verstanden hat, das zu verbergen im allgemeinen Bewusstsein. Technische Geräte werden weit hinaus ins Sonnensystem geschickt, und die Planetenpositionen werden erstaunlich präzise berechnet; daraus leiten viele den Schluss ab, wer das tut und kann, müsse auch wissen, warum sich die Erde bewegt oder was überhaupt die Bewegungsursachen im Weltall sind. Weit gefehlt! Was hat die herrschende Naturwissenschaft hier anzubieten (außer den bekannten mathematischen Formalismen, die jedoch die Kausalebene gar nicht berühren)? Nach wie vor herrscht, wenigstens im Grundsätzlichen, die "Newtonsche Himmelsmechanik", die Einstein nur modifiziert, nicht aber in Gänze ausgehebelt hat. Was sagt diese "Himmelsmechanik" über die Ursache, die Causa der Gestirnbewegungen? Verblüffende Pointe: Bewegung wird als ursachelose Perpetualbewegung verstanden. Es gibt keine Causa, kein wirkliches und wirksames (etwa kräftemäßiges) Warum. Das einzige, was unterstellt werden muss, ist eine Art Ur-Stoß, der als Initialzündung verstanden wird. Ansonsten wird angenommen, dass die Gestirne umeinander herumfallen, im blinden Wechselspiel von Gravitation und Trägheit. Körper sollen, einmal angestoßen, ihre Bewegung geradlinig-gleichförmig beibehalten, und zwar kräftefrei (so steht s in den Physik-Lehrbüchern). Was die Krümmung der Bahn bewirkt, ist die jeweils einwirkende Gravitation, die zum Fallen einlädt. Die Erde jagt um die Sonne, nicht weil es eine konkrete Antriebskraft gäbe (diese wird verneint, die Erde braucht keinen "Treibstoff"), sondern weil sie eigentlich geradlinig-gleichförmig immer weiter fliegen möchte, ihrer "Masseträgheit" folgend. Diese ominöse Größe, eine pure Funktion, wie selbst Physiker zugeben, bewirkt nun die Bewegung, ohne sie absurderweise "wirklich zu bewirken". Das darf sie aber nicht, denn dann wäre sie ja eine reale Bewegungsursache. Carl Friedrich von Weizsäcker spricht hier von dem "kausalen Paradox" der Trägheit. Zu dieser ursachelosen Reise der Erde ins geradlinige Immer-Weiter gesellt sich das durch die Sonnengravitation hervorgerufene Fallen. Die Erde fällt um die Sonne herum; sie fällt nicht in die Sonne, weil sie eben Trägheit besitzt. - Das ganze ist ein erstaunliches Gedankenkonstrukt, im Grunde ein Phantasma. Seltsamerweise fällt das nur wenigen auf. Es gibt durchaus Alternativen; eine habe ich in meinem Buch "Räume, Dimensionen, Weltmodelle - Impulse für eine andere Naturwissenschaft" aufgezeigt.4
Das Sonnensystem seinerseits bewegt sich "rasend schnell", innerhalb eines größeren, umfassenderen Systems, der Galaxis, deren pure Ausmaße alle sinnlich-empirischen Relationen sprengen und in uns die Ahnung, ja den Verdacht aufkommen lassen, dass wir sie nur auf einer ganz anderen Bewusstseinsebene sinnvoll angehen und vielleicht verstehen können. Im monologischen Draufblick bleiben Galaxien seltsam surreal. Dabei sind sie mit Sicherheit von ungeheurem Leben durchpulste Welteninseln, von denen jede eine eigene Individualität darstellt und denen rechnend und messend nun wirklich nicht beizukommen ist. Weil genau dies aber ständig versucht wird, wirken große Teile der modernen Astronomie, trotz gigantischer Fernrohre, so trostlos und öde. Zuweilen hat man das Gefühl, dass die Reichweite der Superteleskope auf technischer Ebene wettmachen, ja kaschieren soll, was meist fehlt: der lebendige, existentielle und dialogische Bezug zur Sternenwelt und zum kosmischen Raum. Die technisch-mentale Bewusstseinsverfassung, die auch nur eine technisch-mentale Naturwissenschaft kennt und anerkennt, hat zweieinhalb Jahrtausende gebraucht, um schließlich megalomanisch angereichert das zu werden, was sie heute ist,: der faktische Herrscher der Erde, der Ehren und Gelder vergibt, der große Pharao, vor dem fast alle auf dem Bauch liegen und der uns zu immer neuen Pyramidenbauten nötigt. Jeder Computerfreak dient dem Pharao auf seine Weise, trägt mit bei zur technisch-abstrakten Auflösung der Welt. Was diesen Pharao von den altägyptischen Pharaonen unterscheidet, ist dies: Damals mussten Heerschaften von Sklaven rekrutiert werden, um die Bauten des Gottkönigs zu errichten, heute wird freiwillig, ja mit Begeisterung malocht. Der heutige Sklave hat die Sache des Pharao längst zu seiner eigenen gemacht. - Die Speerspitze dieses Apparates sind die Zauberlehrlinge des Ganz-Großen und des Ganz-Kleinen: die abstrakten Naturwissenschaftler; niemand genießt größeres Ansehen als eben sie. Und längst haben sie die Leitbahnen vorgegeben, nach denen Menschheitsprozesse ausgerichtet werden. Sie sind die Hohepriester und die engsten Berater des Pharao.

Ganz offenbar schwebt die Erde, sie hängt frei im Raum; und das so direkt wahrzunehmen hat viele Astronauten verblüfft, irritiert, ja erschüttert (wenigstens kurzzeitig), obwohl sie es theoretisch-abstrakt ja "wussten". Es ist wichtig, sich dieser Verblüffung, Irritation oder gar Erschütterung, und sei es nur für wenige Minuten, existentiell zu stellen, sich von ihr wirklich verwunden zu lassen; denn es ist eine Verwundung, auch wenn es kaum je als eine solche gesehen und gewertet wird. Dieses Schweben der Erdkugel im leeren Raum (also "nicht von Seilen gehalten") widerlegt den naiven, an die eigene Physiologie gebundenen Wirklichkeitssinn, der da sagt: Hier ist die Erde unter meinen Füßen, und diese Erde zieht mich an, mein Körper hat Gewicht und Festigkeit. Das Schweben der Erdkugel (und auch das bestätigen Astronauten-Eindrücke) nimmt ihr ihre Festigkeit, ihre Dichte, ja ihre Materialität - eine Materialität, an der doch von der unmittelbaren Sinnlichkeit der Erdoberfläche aus nicht zu zweifeln ist. Die schwebende Erde wird zart, durchscheinend; sie wird spiritualisiert, und zwar auf eine durchaus rätselhafte Weise. Dass dies so ist, macht ja gerade den Ikonencharakter der Gaia-Photos aus; gerade das wird ja gesucht durch alle Vernutzung und Trivialisierung hindurch. Im Prinzip ist es möglich, sich durch den Anblick der Sonnenscheibe oder der Mondscheibe derart verwundern zu lassen (Sonne und Mond wirken von der irdischen Perspektive aus stärker als runde Fläche bzw. Scheibe als die Erde aus der Sicht der Mondbesucher; wir nehmen weder den Mond noch die Sonne als Kugel wahr). Dem steht jedoch die Prägekraft der Gewöhnung entgegen; es fehlt die - wohl notwendige - Verfremdung.

Raumrevolution ins Außen
Ein wichtiges Credo dieser Priester und Berater besteht darin, den Weltraum als bloßen Außenraum zu begreifen, um ihm die Würde des Innen abzusprechen, ihn grundsätzlich abzukoppeln von seelischen und geistigen Vorgängen; mit einigem Recht spricht hier Peter Sloterdijk von der (global siegreichen) "Raumrevolution des Außen".5 "Unterdrücke die Götter und leugne die Seelen; die Steine sind dann unsere engsten Nachbarn, und der Unterschied zwischen belebten und toten Körpern besagt nicht mehr viel"6. Wie die Apparate-Medizin den ganzheitlichen Leib des Menschen zum bloßen Körper degradiert, so macht die Apparate-gestützte, mathematische Naturwissenschaft die Gestirne zu toten Körpern, die von blinden Zufallsprozessen regiert werden. Mag sich da und dort Leben, intelligentes gar, verirrt haben, einem höheren oder gar göttlichen Wollen darf es nicht entsprungen sein. Der "methodische Atheismus" der Naturwissenschaft (Carl Friedrich von Weizsäcker) herrscht ungebrochen. Die Gestirne, soweit sie als "Sonnen" gelten, werden als glühende Gaskugeln imaginiert (was in einem direkten Sinne nie bewiesen wurde und auch strukturell unbeweisbar ist), denen immerhin im Prinzip die Fähigkeit zugesprochen wird, Planeten zu bilden. Heute favorisieren die Astronomen die so genannte Akkretionstheorie: Planeten sollen als Ergebnis chaotischer Ballungs- und Verklumpungsvorgänge von Staub und Gesteinsbrocken entstanden sein. Die Theorie wird mit aufwendigen Computersimulationen unterfüttert, die bei vielen den Eindruck erwecken, als ginge es hier um Bewiesenes oder auch nur Beweisbares (was nicht der Fall ist). Ist der Weltraum als purer Außenraum begreifbar? Der pure Außenraum - der Weltraum als betäubende und gnadenlose Leere - ist ein Raum, der den Menschen als Menschen nichts angeht, aus dem er flieht, ja fliehen muss, und zwar primär in akosmische, Kosmos-ferne Welten, die er dann, in einem geistigen Salto mortale, wie ein großes Projektionsnetz über das Universum legt. So wird aus Kosmologie mehr oder weniger projektiver Wahn, ein Wahn, der allseits beklatscht wird; und die Selbstbewunderung der hierin involvierten Wissenschaftler ist unübersehbar. Dass die orthodoxe Kosmologie etwas zu tun haben könne mit dem, was hier als Wahn bezeichnet wird, überhaupt mit Projektionen in diesem weitgefassten Verständnis, ist zunächst kein Gedanke, der auf breite Zustimmung rechnen darf, schon gar nicht im Kreise jener, auf die er bezogen ist. Die meisten Mainstream-Naturwissenschaftler, eingebunden in ein strenges Regelsystem ihrer Zunft, das dem Einzelnen kaum Spielräume lässt, sehen sich in erster Linie als Sachwalter des Weltgeistes (in Form mathematischer Formalismen); sie glauben ernsthaft, nur das zu ordnen und formal zu beschreiben, was die Beobachtungs- und Messbefunde hergeben. Das wird deutlich, wenn man eine beliebige Fachzeitschrift durchliest, die sich dem mainstream verpflichtet fühlt bzw. wie selbstverständlich davon ausgeht, dass die herrschenden Prämissen zweifelsfrei dastehen. Dass hier Projektionen vorliegen, kommt den wenigsten in den Sinn; auch gibt es undurchschaute Zirkelschlüsse zuhauf.

Die Fiktion von der dunklen Materie
Ein aufschlussreiches Beispiel hierfür ist die Dunkle Materie im Universum, die exotische und durch und durch "mysteriöse Geistermaterie" (Astronomen-Jargon). Die beobachtbaren Rotationsgeschwindigkeiten der Arme von Spiralgalaxien sind nicht vereinbar mit dem "Newtonschen Gravitationsgesetz". Dazu heißt es in einem "Special" der renommierten Astronomie-Zeitschrift "Sterne und Weltraum": " Gäbe es in den Spiralgalaxien nur die in den Sternen und dem interstellaren Gas befindliche sichtbare Materie, so könnte diese die schnell umlaufenden Sterne nicht halten: Wie die Kugel eines Hammerwerfers, der die Schnur loslässt, würde solch ein Stern in die Weiten des intergalaktischen Raums entschwinden. Die bisher einzig plausible Erklärung für die hohen Umlaufgeschwindigkeiten der äußeren Sterne liegt in der Annahme, dass es bei großen Radien bis zu zehnmal mehr Masse gibt, als sichtbar ist. (...) Ohne Dunkle Materie würden auch die Galaxienhaufen auseinanderfliegen: Die Dunkle Materie ist der unsichtbare Kitt des Kosmos".7
Was die Leerstelle, die die Fiktion der Dunklen Materie füllt, zeigt, ist zunächst einmal die Unhaltbarkeit der Massenanziehungshypothese, die niemals zirkelfrei bewiesen wurde in der bekannten Form, in der sie in den Lehrbüchern auftaucht, und den bereits genannten Umstand, dass es im Mainstream keine kausale Bewegungslehre gibt. Von kritischen Physikern wird das zunehmend auch eingestanden. Auch mit den Fiktionen Einsteins kommt man hier nicht weiter. Das ganze Gebäude der orthodoxen Physik zeigt bedrohliche Risse, die eine Einsturzgefahr in absehbarer Zeit signalisieren. Die Unhaltbarkeit der "Newtonschen Himmelsmechanik" stelle ich in meinem letzten Buch eingehend dar.8 Entscheidend ist nicht primär der erkenntnistheoretische Zirkelschluss als solcher, als etwa der, aus dem das Konstrukt der Dunklen Materie erwachsen ist, sondern die abstrakte Leblosigkeit, mit der das Universum - als ein im Prinzip totes, von toten Naturgesetzen regiertes - vorgestellt wird. Da liegt der Punkt, um den es geht. Eine Weltseele oder Allseele wird negiert, als animistisch oder religiös abgetan, aber abstrakte Gespenster der vielfältigsten Art "dürfen sein", und der staunende "Laie" sieht sich überrollt von einem undurchschauten Formelwerk, das ernsthaft in Zweifel zu ziehen ihm die Kriterien fehlen. Das kosmische Bedürfnis des Menschen bleibt, und so werden auch die formalistischen Schemen der abstrakten Physik in spirituellen Kreisen mit einer quasi-göttlichen schöpferischen Potenz aufgeladen, was an dem Webfehler des Ansatzes nichts ändert, ihm aber eine höhere Weihe verleiht. Wer von einer lebendigen Erde kündet und diese noch dazu ganzheitlich-existenziell erfährt, und anders kann es keine wirkliche Geomantie geben, kann der Frage nach der Einbettung dieses Großlebewesens Erde in den näheren oder weiteren kosmischen Verbund nicht ausweichen. Ist die Erde tatsächlich ein kosmischer Organismus, und dafür gibt es gute Indizien, dann kann sie, schon aus Gründen der Kosmo-Logik, nur ein integraler Teil eines größeren Organismus sein. Wird dies verneint und der Erde eine Sonderrolle zugesprochen (nur hier ist Gaia, der Rest ist tote Wüste), landet man bei einer neuen Spielart des Geozentrismus. Dann wird der heimatliche Planet wieder zur Ausnahme, wird, im kosmischen Maßstab, zu einer Oase, einem nicht-typischen Himmelskörper. Dass dies so ist, wird zwar unermüdlich behauptet, unter anderem mit dem Hinweis auf die Universalität der uns von der Erdoberfläche und deren Umgebung her vertrauten Naturgesetze, ist aber im Kern eine unbewiesene und eher unwahrscheinliche Voraussetzung. Man kann den Zirkelschlüssen und Paradoxien, die hier aufbrechen, nur entgehen, wenn man - wie Giordano Bruno vor 400 Jahren - von der Allgegenwart von Leben und Geist, in welcher Erscheinungsform auch immer, ausgeht. Überall müsste es intelligentes Leben geben, gegeben haben oder in Zukunft geben. Dieses könnte, das muss eingeräumt werden, unseren Erkenntnisorganen grundsätzlich entzogen sein; aber das ist nicht zwingend.

Das Schweben der Erde im leeren Raum, der völlig schwarz aussieht, macht die Erde also zu einem spirituellen Wesen bzw. kann die Erde in einem kurzen, aufblitzenden Ahnen zu einem spirituellen Wesen machen. Dieses spirituelle Wesen, so führt oder ahnt oder weiß man gar, hat nichts zu tun mit allem, was die Erdenschwere für uns ausmacht und das Sein wie die Bewegung der Körper auf der Erdoberfläche bestimmt. Und in einem nächsten entscheidenden Schritt, wenn er denn zugelassen wird, kann gefolgert oder ahnend erfasst werden, dass auch die Bewegung des Gestirns primär mit dieser spirituellen Qualität zu tun hat, keineswegs also gleichgesetzt werden kann mit dem flachen Kieselstein, der, in einem bestimmten Winkel hochgeworfen, die Wasseroberfläche entlanghüpft. Doch diese Schlussfolgerung widerspricht der durch Newton vorgenommenen Vereinheitlichung von irdischer und himmlischer Mechanik. Der "Newtonianer" in dem modernen Menschen verhindert, dass an dieser wichtigen Stelle weitergeforscht wird; wer die Antworten zu haben glaubt, ist in der Regel nicht geneigt, noch einmal neu und unbefangen zu fragen. Aber hier wäre durchaus zu fragen. Die als spirituelles Wesen erkannte Erde, der dann auch, und zwar notwendig, Bewusstseinsqualitäten zugeordnet werden, bewirkt, dass die Körper auf ihrer Oberfläche schwer sind oder Schwere haben, aber sie selbst "weiß nichts davon". Was immer auch an Last von vielen Trillionen Tonnen in den Außenschichten der Erdkugel aufgetürmt oder angelagert ist und nun Richtung Erdmittelpunkt drückt, das Ganze der Erdkugel wird davon, wie es scheint, gar nicht tangiert. Irgendwie verschwindet die Schwere, irgendwie (und irgendwo) löst sich alle "Plumpheit" und Materialität, alle Grobstofflichkeit der Körper auf.

Was sind die "Sonnen"?
Kann man nach den spektakulären Erkenntnissen der Helioseismologie im Ernst noch Zweifel anmelden, dass die Astronomen und Astrophysiker, wenigstens in der Grundrichtung, schlicht und einfach wissen, wie die Sonne physikalisch "funktioniert"? Man kann! Es hat in den letzten Jahrzehnten immer, kaum beachtet von der Öffentlichkeit, kritische Stimmen gegeben, die auf die durchaus tönernen Füße des Standardmodells der Sonne verwiesen. Auch die Messungen von "Soho" heben die weitgehend ungestützten Grundprämissen und Zirkelschlüsse nicht auf, die hier gemeinhin die Argumentation bestimmen. Wir haben gute Gründe, die Hypothese in Frage zu stellen, dass die Sonne ihre Energie aus den bekannten Kernfusionsprozessen bei extrem hohen Temperaturen bezieht. Der dauerhafte und gleichmäßige Lichtstrom, der uns erreicht, ist jedenfalls mit dem Standardmodell - ich spreche von der Sonnenofenfiktion - nicht wirklich und überzeugend zu erklären. Aus öffentlichen Vorträgen und Gesprächen (auch mit Physikern) weiß ich, dass manche geradezu erleichert reagieren, wenn man ihnen die Möglichkeit eröffnet, die Sonnenofenfiktion durch eine neue und andere und vor allem lebendigere Vorstellung zu ersetzen. Zu denen im 20. Jahrhundert, die die herrschende Theorie der Genesis des kosmischen Lichtes angezweifelt und eigene Ansätze entwickelt haben, gehören Viktor Schauberger, Nikola Tesla, Wilhelm Reich und Helmut Friedrich Krause, um nur einige Namen zu nennen. Ich selbst habe in meinem Buch "Räume, Dimensionen, Weltmodelle" Überlegungen hierzu angestellt.9 Vieles spricht dafür, dass unser Zentralgestirn und alle anderen "Sonnen" kosmische Lebewesen sind, keine toten und unvorstellbar heißen Gaskugeln. Nach meiner Überzeugung entsteht das kosmische Licht erst in der Wechselwirkung der von den Gestirnen ausgestrahlten primordialen Energien, der Radialfelder (wie ich diese Felder nenne, die die Mainstream-Physik nicht kennt) in ihrem Gegeneinanderwirken, das unvorstellbar subtil und differenziert ist. Damit entfällt auch die Lichtgeschwindigkeit als absolute Konstante. Und vieles mehr.
Was ist die Erde? Was ist die Sonne? Was sind die Gestirne überhaupt? Wohin blicken wir, wenn wir "nach oben" oder "in den Himmel" blicken? Das sternenbesäte Firmament - ist es mehr als nur eine Ansammlung von Lichtpunkten, da und dort vielleicht zu Sternbildern gruppiert, die rein mythologisch sind? Ist es mehr als eine blinde und sinnleere Kulisse, ein Abgrund der Leere, in dem glühende Gaskugeln schweben bzw. umeinander herumfallen, von denen die eine oder andere von Planeten umkreist sein mag? Kurz, um noch einmal die Leitfrage dieses Essays zu stellen: Wo sind wir? Was ist das für ein Ort, an dem wir leben? In was für einem Universum leben wir?

Geomantie und Naturwissenschaft
Auch die Geomantie hat hier "Nachholbedarf", auch sie könnte, ja müsste oder sollte sich dieser Frage wirklich stellen. Dies geschieht aber nicht oder nur ganz vereinzelt. Man lässt die Kosmologie weitgehend auf sich beruhen, mischt sich nicht ein und will sich nicht einmischen, vielleicht aus Angst, in eine unliebsame Kollision mit der Mainstream-Naturwissenschaft zu geraten, der man sich nicht gewachsen fühlt oder die man schlicht für entbehrlich oder überflüssig, ja kontraproduktiv hält. Niemand will sich lächerlich machen und sich das Etikett der Wissenschaftsfeindlichkeit anheften lassen. Nur ist wirkliche Geomantie, wenn sie denn mehr sein soll als eine vom Mainstream großmütig-herablassend geduldete Spielwiese, nicht zu haben ohne das, was ich seit vielen Jahren als "andere Naturwissenschaft" bezeichne; gelegentlich spreche ich auch, in Anlehnung an meinen Begriff der integralen Tiefenökologie, von integraler Naturwissenschaft. Und diese andere/integrale Naturwissenschaft ist notwendig und als solche auch die Kosmologie, und das heißt eben: andere/integrale Kosmologie, die Kosmologie eines von unendlichem Leben erfüllten Universums.
"Das Universum ist nicht tot, weil wir nicht tot sind", sagt der Physiker Amit Goswami.10 Dieser Satz ist nicht zu entkräften, er ist ein Schlüsselsatz einer echten Kosmo-Logik. Es kann keine lebendige Erde (Gaia) geben inmitten einer weitgehend leblosen Himmelswüste.
Schon in meinem Buch "Was die Erde will" bin ich von dem Gedanken geleitet worden, dass innere Kosmologie und äußere Kosmologie zwei Seiten einer Münze sind. Eine Bewusstseinsverfassung, die in letzter Konsequenz auf die technische Weltbemächtiung, die abstrakte Kolonisierung der Erde ausgerichtet ist, wird kaum in der Lage sein, nun "draußen im All" brausendes Leben und kosmische Intelligenz wahrzunehmen. Diese Bewusstseinsverfassung ist dem kosmischen Leben gegenüber blind. Das verdient in aller Schärfe herausgestellt zu werden, gerade weil wir uns hier auf durchgängig vermintem und von Tabus und Denkverboten geprägten Terrain bewegen. Das weiß jeder, der den Versuch unternimmt, hier neue und andere Wege zu beschreiten; an Spinnern und Phantasten aller Art ist kein Mangel, aber um diese geht es nicht, sondern um integrale und seriöse Denkarbeit am Leitfaden lebendiger Prämissen, die nur aus einer lebendigen Bewusstseinsform erwachsen kann.

Wer den Gegensatz von Schwere (der Erdschichten zum Erdmittelpunkt hin) und Schweben (des Erdganzen im Raum) begreift, hat den Schlüssel zum Rätsel der Gravitation. Dieser Gegensatz ist zugleich ein Paradoxon im Sinne des Zen; er ist ein integraler Teil des Wurzel-Koans der Physik. Und eine nachdenkliche, meditative Betrachtung von Gaia aus astronautischer Sicht, wenn auch nur über ein Abbild vermittelt, ist durchaus geeignet, das mechanistische Denken über die Schwere auszuhebeln. Ein "kleines Satori", wenn dies nicht ein Widerspruch in sich ist, kann durch eine Gaia-Meditation ausgelöst oder wenigstens vorbereitet werden. Wer nun mit Newton und Einstein "weiß", dass und wie sich der Gegensatz von Schwere und Schweben auflösen lässt, wird hier nicht mitgehen können oder wollen. Als "Fragezeichen für solche, die Antwort haben wollen" hat Nietzsche einmal formelhaft ein wesentliches Anliegen seiner Texte umschrieben. Ein derartiges Fragezeichen liegt hier verborgen. Alle Antworten, die in der Mainstream-Wissenschaft darauf gegeben werden (es sind nur wenige), umgehen das Problem und lösen es nicht. Daher der Versuch dieser kleinen meditativen Reflexion.
Was wird mit der Schwere, warum verschwinden die enormen Massen, die doch machtvoll und "plump" in Richtung Erdmittelpunkt gezogen und gepresst werden? Darauf gibt es nur eine auch logisch zufriedenstellende Antwort, die Giordano Bruno als erster gegeben hat: Die Schwere verschwindet, weil alle Kraftvektoren Richtung Zentrum sich gegenseitig aufheben. Jeder Schwerkraftvektor bzw. jede Radiallinie des Schwerefeldes hat ihren - ihm genau entgegengesetzten - Widerpart. Die Schweregleichung der Erde wird nach Null hin aufgelöst. Bruno ahnte, dass dieser Nullwert keine Negation, also kein Verschwinden im Sinne von Versickern oder von äußerer Verdünnung darstellt, die irgendwann die Nullgrenze erreicht, sondern dass der Nullwert im Gestirnzentrum ein solcher der göttlichen Fülle ist, der äußersten Verdichtung, die das Göttliche berührt, ja ist.


Zwei Grundfragen
Wie kommen wir in eine höhere und integrale Bewusstseinsform hinein, aus der heraus allein das erwachsen kann, was ich als "andere Naturwissenschaft" bezeichne? Wie weit müssen und "dürfen" wir gehen dabei? Die Mainstream Naturwissenschaft ist ein Riese, der bislang fast jeden Angriff abgewehrt hat. Aber dieser Riese steht auf tönernen Füßen. Und zunehmend deutlicher werden die Schwachstellen und Risse des großen Gebäudes. Ich will dies an zwei Fragen erläutern, die einen Schlüssel darstellen, der geeignet ist, eine neue Wahrnehmungsdimension zu erschließen: (wenn man sich diesen Fragen wirklich stellt)
1. Was hält die Erde im Raum?
(Oder, mit Viktor Schauberger: "Wieso hält sich die Erde schwebend?"11)
2. Was hält die Erde zusammen?
Beide Fragen wirken schlicht, fast simpel oder naiv; dennoch ist ein Abgrund in ihnen verborgen. Sie sind, und zwar buchstäblich, bodenlos. Im Grunde laufen beide auf eine Frage hinaus. Weiß ich, was die Erde im Raum hält, dann weiß ich auch, was sie zusammenhält. Und umgekehrt. (Natürlich gilt das, was für die Erde gilt, für die Gestirne generell.)
Kinder fragen sich (und uns) gelegentlich staunend-neugierig, was eigentlich die Sonne und den Mond "da oben" hält, warum sie nicht "herunterfallen". Da steht der Mond, da steht die Sonne. Das "da" deutet auf einen Ort; aber was meint dieses "Stehen" selbst? Wer die Frage belächelt, sollte versuchen, hier eine adäquate Antwort zu geben. Die meisten sind nicht in der Lage, dies zu tun. Man glaubt eher, die Frage müsse irgendwie längst beantwortet sein, auch wenn man es im Moment nicht klar sagen kann. Aus der Astronautenperspektive wird das Kinderstaunen neu gewonnen, wenn es sich nämlich nicht um den Mond und die Sonne handelt, sondern um die Erde. Dazu zwei (fast beliebige) Zitate. Eugene Cernan: "Du siehst aus dem Fenster und blickst, durch 400000 Kilometer schwarzen Weltraums, zurück auf den schönsten Stern am Firmament. Du bist anderen Planeten nicht nahe genug, um mehr als einen hellen Stern zu erkennen, aber du kannst die Erde betrachten, von Pol zu Pol, und über die Weltmeere und Kontinente blicken. Du verfolgst, wie sie sich dreht, und siehst, dass sie nicht von Seilen gehalten wird, während sie sich in einer Finsternis bewegt, die nahezu unvorstellbar ist."12 "Nicht von Seilen gehalten" - diese halb spöttische oder ironische Bemerkung deutet gleichwohl auf einen wichtigen und ernsten Befund: das Erstaunen darüber, dass die Erde sich "einfach so" durch den kosmischen Raum bewegt, dass sie sich dort hält, ohne irgendwo "festgemacht" zu sein. Der Astronaut James Irwin schreibt: "Die Erde erinnerte uns an eine in der Schwärze des Weltraums aufgehängte Christbaumkugel."13

Was "wiegt" die Erde?
Eine kurze Notiz im "Spiegel" Nr. 18/2000 umreißt die Mainstream-Sicht über die Erde als Ganzes in einer wichtigen Facette, die den Abgrund verdeutlicht, der in den beiden Fragen steckt. Unter der Überschrift "Abgespeckte Erde" heißt es: "Die Erde ist leichter als bislang angenommen. Dies hat der Physiker Jens Grundlach von der Universität Washington ermittelt. Bislang gingen Experten davon aus, dass der blaue Planet 5,98 Trilliarden Tonnen auf die Waage bringt. (!!) Mit einem hoch empfindlichen Apparat, der Gravitationskräfte misst, und Satellitendaten konnte Grundlach zeigen, dass der alte Wert um gut ein Promille zu hoch angesetzt war. Die winzige Messkorrektur entspricht rund 10 Trillionen Tonnen. Zum Vergleich: Der ferne Planetenzwerg Pluto wiegt nur rund 13 Trillionen Tonnen." (Ausrufungszeichen von mir)14
Wen hier kein Schwindel befällt, dem ist nicht zu helfen. Auch im Kontext der Mainstream-Naturwissenschaft ist die Vorstellung eines "Gewichts" der Erde oder eines beliebigen anderen Gestirns unsinnig. Gleichwohl taucht diese Vorstellung selbst in den Physik-Lehrbüchern gelegentlich auf; sie ist also nicht nur "Journalisten-Jargon". Dass der angegebene Differenzwert von 10 Trillionen Tonnen keineswegs eine "winzige" sondern eine recht erhebliche "Messkorrektur" ist, kann hier unberücksichtigt bleiben. "Gewicht" ist ein Relativbegriff: ein Körper ist nur schwer, weil er sich im Einflussbereich eines Gravitationsfeldes befindet, dessen Stärke dann u.a. die messbare Größe des Gewichtes bestimmt. Also selbst wenn die Erde als Ganze ein beliebiger Körper wäre, wie etwa eine Billiardkugel oder ein Stein hier auf der Erdoberfläche, hätte sie kein Gewicht, das man als absolute Größe fixieren könnte. Nun unterscheiden Physiker zwischen Masse und Gewicht. Und auch der wohlwollende Betrachter der orthodoxen Wissenschaft sieht sich hier binnen kurzem in einen Irrgarten der Paradoxien und der Zirkelschlüsse verstrickt. Bis zum heutigen Tage haben die Physiker keine Klärung in diese Begrifflichkeit hineingebracht. "Masse" ist ein erkenntnistheoretisches, logisches und physikalisches Gespenst, wie ich an anderer Stelle eingehend analysiert habe.15 Eine "Masseanziehung" in dem allgemein behaupteten Sinne ist niemals zirkelfrei bewiesen worden. Das führt auf die Grundfrage, was denn die wahre Ursache der Anziehungskraft ist, die die Erde auf die auf ihrer Oberfläche befindlichen Körper ausübt (um zunächst nur diesen Geltungsbereich heranzuziehen). Da liegt ein Mysterium verborgen, eine gnadenlose Sphinx, die alle diejenigen in den Abgrund stürzt, die ihr Rätsel nicht lösen können. Ein Großteil der Physik überhaupt ist so etwas wie mathematisierter Okkultismus; man mathematisiert Qualitäten, die in ihrer Wesensnatur völlig dunkel bleiben. Dunkler als alle anderen Qualitäten - ja gleichsam das Dunkel schlechthin für die Mainstream-Sicht - ist die Schwere. Newton litt noch darunter, dass er den Grund der Schwere nicht angeben konnte; heute beunruhigt das kaum noch jemanden, obwohl die Schwachstellen des schulphysikalischen Umgangs mit dem Phänomen Gravitation auf dem Tablett liegen. Am augenfälligsten ist die (dogmatische) Leugnung des Äthers als unverzichtbares Übertragungsmedium der Schwerewirkungen. Andererseits kranken die meisten der alternativen Äthertheorien daran, dass sie den Äther entweder quasi-materialistisch bzw. mechanistisch ("grobstofflich") behandeln oder ihn aus quantentheoretischen Postulaten heraus entwickeln (Stichwort "Quantenvakuum"), die ihrerseits abstrakt-spekulativ sind.

Die Ursache der Schwere
Die von mir entwickelte "Gravitationstheorie", die Gedanken Giordano Brunos, Schellings, Faradays und Helmut Krauses aufgreift und weiterentwickelt, berührt zentral den Willen der Erde oder, wie ich mit Schopenhauer, Krause und der Vedanta-Philosophie sage, den "Weltwillen". Die Gestirngravitation, wie Bruno als erster zu denken versuchte, ist ein radiales oder zentralsymmetrisches Feld, und zwar bis in die tiefsten Tiefen des Gestirns hinein, bis zum Gestirnmittelpunkt, wo sich die gravitativen Wirkungen in sich selbst (und gegeneinander) aufheben. In meinen "15 Thesen zu Ursprung, Wesen und Wirkung der Gravitation" (in "Räume, Dimensionen, Weltmodelle") heißt es (Beginn der 2. These): "Die gravitative Wirkung der Gestirnganzen erfolgt gemäß der Grundform des Feldes. Dieses ist ein Radialfeld, und zwar vollständig und buchstäblich bis hinab zum Mittelpunkt des Gestirns. Die zunehmend dichtere Bündelung der Strahlung Richtung Gestirnmittelpunkt ist keine Als-ob-Verdichtung, sondern eine wirkliche Verdichtung des Radialfeldes... Dies widerspricht der seit Newton bis heute herrschenden Lehrmeinung. Newton meint in den "Principia": Die Schwere nimmt auf dem Weg von der Oberfläche des Planeten nach innen in möglichster Annäherung im Verhältnis der (jeweiligen) Abstände vom Mittelpunkt ab. Diese Behauptung folgt aus der These von der gravitativen Wechselwirkung aller materieller Teilchen miteinander, so dass die Anziehung der Erde sich ergibt aus der Summe aller in ihr zusammengeballten Korpuskeln. Das Radialfeld als ein vollständig wirkliches Gestirnsfeld bedingt eine ihm entsprechende Zunahme der gravitativen Wirkung mit Annäherung an den Gestirnkern. Die Materie erfährt zunehmend größere Drücke, die atomaren bzw. subatomaren Bewegungen beschleunigen sich proportional ..."16 Und zu Beginn der 4. These heißt es: "Die radiale Zerstrahlung der Materie im Gestirnkern mit der Wirkung, dass alle Körper Richtung Erdzentrum gezogen werden, hat zur Folge, das sich alle Radien wechselseitig in ihrer Schwerewirkung aufheben. Wenn die Grundprämisse stimmt, ist dies aus logischen und physikalischen Gründen zwingend. Das Gestirnganze, als ein Ganzes im Weltraum, wird seiner Materialität entkleidet und damit spiritualisiert. Das Schweben der Gestirne - schwereentrückt, geistergleich im Raum - zeigt, dass hier auch der Universalbegriff der Masse nicht mehr greift."17 Was also hält die Erde im Raum? Eben das Radialfeld, der aus ihrem Kern verstrahlende "Weltwille", die primordiale Energie, die alle Eigenschaften enthält (und zugleich überschreitet), die man früher dem Äther zugeordnet hat. Daraus ergeben sich weitreichende Konsequenzen, u. a. die, dass die Bewegung der Himmelskörper nicht als Umeinander-Herumfallen gedeutet werden kann. Genauer betrachtet, war diese Denkfigur immer absurd, ist aber nur von den wenigsten durchschaut worden. Zu diesen gehört der Astrophysiker Hans Jörg Fahr. In seinem erhellenden Buch "Der Urknall kommt zu Fall. Kosmologie im Umbruch" schreibt er: "Jeder antriebsfrei fliegende, ohne zwangskompensierte Kräfte sich bewegende Körper im nahen und fernen Weltall befindet sich in einem solchen freifallenden, gravitationsfreien Eigensystem. Das heißt aber eigentlich soviel wie die Ungeheuerlichkeit, dass sich alle Körper im Weltall, von sich aus beurteilt, in einem gravitationsfreien System befinden, sofern sie nicht von einem anderen System mechanisch ... geführt, getragen oder gestützt werden. Woher kommt dann aber die Gravitation überhaupt ins Weltall, wenn jeder der freien Körper dieses Weltalls frei (und damit gravitationsfrei) im Kosmos herumfällt?"18
Wer das mitdenkt, wird zugestehen, dass hier eine der zentralen Schwachstellen der herrschenden Gravitationslehre (und der kosmischen Bewegungslehre) auf den Punkt gebracht wird. Denn im Sinne der schulphysikalischen Lehre liegt hier ein quälendes Paradoxon vor, das auch mit der Frage zu tun hat, was die Gestirne im Raum hält. Wenn die Gestirne - wie beliebige, zu einer Gestirnoberfläche gezogene Körper - auf diese primitive Weise schlicht umeinander herumfallen (und genau dies wird ja unterstellt), hält sie als sie selbst nichts im Raum! Jeder, der das Problem vorurteilsfrei durchdenkt, müsste schnell zu der Schlussfolgerung geführt werden, dass dies unmöglich ist. Das zeigt sich schon an der Schwierigkeit, das adäquat sprachlich zu beschreiben, was die Gestirne im so genannten leeren Raum "tun". Schweben sie, hängen sie oder was?

Im "göttlichen Nullpunkt" verdichtet sich alles Materielle, um zugleich ins Unendliche zu zerstrahlen, sich ins Göttliche aufzulösen. Schelling und Hegel scheinen dies geahnt zu haben, daher ihr wiederholter Hinweis darauf, dass Schwere im Kern ein Streben der Vielheit zur Einheit, zu dem Einen bedeutet. Was also hält die Erde schwebend und hängend im leeren Raum? Der "göttliche Nullpunkt" im Erdenzentrum; über diesen Nullpunkt wird die Erde, wie jedes ihr analoge Gestirn, dem Raum fest und sicher verbunden. Was hält die Erde im Raum? Der (göttliche) Weltwille durchdringt jede Materieschicht, abgeschirmt und eingeschränkt wird er nur durch sich selbst! Nur wenn Weltwille auf Weltwille stößt, das Radialfeld des einen auf das Radialfeld des anderen Gestirns, wird in der Wandlungszone, die dann entsteht, das subtile Wechselspiel, der Tanz der Himmelskörper (miteinander und gegeneinander) geboren, ein durch und durch schwereentrückter Tanz, ein Lied gleichsam der Felder, ein Tönen "nach alter Weise" und "in Brudersphären Wettgesang" (wie es im "Prolog im Himmel" zum "Faust" heißt). Die "Symphonie des Lebendigen", um einen Buchtitel von Friedrich Cramer aufzugreifen, ist nicht nur in der irdischen Biosphäre anzutreffen, sondern auch "draußen im All".

Literatur: (1) Jochen Kirchhoff, Räume, Dimensionen Weltmodelle. München 1999, S. 165-167; (2) Gottfried Benn, Provoziertes Leben. Wiesbaden 162m Vd.1, S. 337; (3) Ken Wilber, Eros, Kosmos, Logos. Frankfurt/M 1996, S. 779; (4) Räume, Dimensionen Weltmodelle, 6. Kap.; (5) Peter Sloterdijk, Sphären II. Globen. Frankfurt/M 1999, S. 827; (6) ebd, S.370; (7) Sterne und Weltraum Special: Schöpfung ohne Ende. Die Geburt des Kosmos. Hierin: Geheimnisvolle Schattenwelt, Hartmut Schulz, Ralf Bender, S. 23; (8) im 5. Kap; (9) im 7. Kap; (10) Amit Goswami, Das bewusste Universum. Freiburg 1995, S. 285; (11) Zitiert in: Callum Coats, Naturenergien verstehen und nutzen. Düsseldorf 1997; (12) Kevon Kelley (Hrsg.), Der Heimatplanet, Frankfurt/M 1996, S.53; (13) ebd S.38; (14) Der Spiegel 18/2000, S. 224; (15) Räume, Dimensionen, Weltmodelle. Im 2. Kap.; (16) ebd. S. 180/181; (17) ebd. S. 182; (18) Hans Jörg Fahr, der Urknall kommt zu Fall. Stuttgart 1992, S. 198;