Geomantie der Oberrheinebene

Spuren von Atlantis?

von Jens Martin Möller erschienen in Hagia Chora 1/1999

Jens Martin Möller gilt als einer der Pioniere bei der Entdeckung geomantischer Zusammenhänge im deutschen Raum. Bekannt ist seine Arbeit über die Geomantie der Stadt Karlsruhe. Im folgenden berichtet er über seine Forschungen über lineare Strukturen in der Landschaft der Oberrheinebene. Die vernetzte Struktur der "Heiligen Linien" gibt Anlaß zu Rückschlüssen auf das Bewußtsein unserer steinzeitlichen Vorfahren.

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Die uralte Wissenschaft der Geomantie ist eine ganzheitliche Zuwendung zur Erde und ihren vielfältigen Erscheinungsformen, die im Laufe von Jahrtausenden durch das Wechselspiel kosmischer und irdischer Kräfte und die unterschiedlichen Qualitäten von Ort und Zeit wesenhaft geprägt worden sind. - Hermetische Geheimorden und die Bauhütten der christlichen Kathedralen gaben das verborgene Wissen um "Orte der Kraft" und "Sternenwege" als Energielinien der Erde - lebenserhaltenden Adern und Meridianen des Körpers vergleichbar - durch die Jahrtausende sorgsam gehütet weiter. Diese noch immer vorhandenen Spuren einer einstmals magischen Wissenschaft in der Landschaft und in der kosmologischen Namensgebung von Quellheiligtümern, Bergen und Ortschaften verlieren sich erst im Laufe des industriellen Zeitalters oder werden in unserem Jahrhundert durch eine vordergründig-rationale Intellektualität nicht mehr oder nur noch unmerklich wahrgenommen. Zwischen Ettlingen und Malsch bei Karlsruhe in der Oberrheinebene und im gesamten Schwarzwald finden wir eine Vielzahl von "Magischen Plätzen", die in geheimnisvollen Weise erneut auf uralte Strukturen einer einstmals sakral gestalteten Landschaft aufmerksam machen. Rudolf Steiner nannte die Region des nördlichen Schwarzwaldes im Zusammenhang mit der von ihm so genannten "Nachatlantischen Sonnenorakelstätte" Malsch sinngemäß "eine mystische Landschaft, die mit dem Atlantis-Geschehen wesenhaft verbunden ist".

Unsichtbare Strukturen
Kultgeographische "Heilige Linien" ("ley-lines") existieren nicht nur zwischen hochbedeutsamen ehemaligen Kultstätten wie Basel, Straßburg, Colmar, Freiburg oder Speyer mit ihren erhabenen Kaiser-Domen und Kathedralen, sondern auch in der natürlichen Landschaft zwischen uralten Kultgrotten, einstmals heiligen Quellen oder Bergkuppen. Geomantisch nachvollziehbare Strukturen sind in einer immer wieder beeindruckenden Weise in sich schlüssig miteinander verwoben durch noch heute erkennbare Zuordnungen vor allem alter Steinkreuze, unscheinbarer Kapellen und weithin sichtbarer Kirchen und Dome an herausragenden Plätzen vorchristlicher Kultorte als ursprünglichen "Orten der Kraft", wesenhaft geprägt von nachatlantischen Völkern früher Megalithkulturen und den später siedelnden Kelten sowie Alemannen und Franken. Ein derartiges System geomantischer und sakraler Zuordnungen ist in die natürlichen Gegebenheiten der Landschaft wie Bergkuppen (das "Belchen- und Blauensystem" im Südschwarzwald), Quellen und Erdmutter-Grotten ("Lourdes-Grotte" bei Hagenbach in der Pfalz; "Eisinger Loch" bei Pforzheim) sowie Menhire und Kreuzsteine als uralte phallische Markierungsstellen des Erdkraftfeldes in einer vordergründig nicht erkennbaren Weise eingewoben: Erst umfangreiche Studien offenbaren die subtil wirksamen Strukturen der Landschaft und der in ihr errichteten Bauwerke, die offensichtlich Gesetzen rational nicht erfaßbarer Resonanzmuster folgen. Bei einer üblichen Betrachtungsweise von topographischen Landkarten fallen diese verborgenen Strukturen in keiner Weise auf; die verwirrende Vielfalt von Straßen, Dörfern und Städten scheint keinem sinnvollen Muster zu entsprechen, es sei denn, dem einer wirtschaftlichen oder kulturell effektiven Erschließung durch kürzestmögliche Verbindungswege oder einer optimalen Wasserversorgung. Bei der Siedlungsgeschichte Europas werden überwiegend diese logistischen Gegebenheiten oder militärstrategische Erwägungen in den Vordergrund von Siedlungsgründungen gestellt. Eine derartige Argumentation entspricht den intellektuell-rationalen Denkkategorien des modernen, cartesianischen Menschen, die wenig Raum lassen für ein ganzheitliches, kosmisch-harmonikales Weltbild, wie es den alten Völkern und Menschheitsepochen noch selbstverständlich gewesen ist.

Wie alt ist Europa?
Dieses dürfte auch der wesentliche Grund dafür sein, warum es den meisten Menschen heute so schwer fällt, eine derartige sakrale Landschaftstrukturierung vor Tausenden von Jahren für denkbar und möglich zu halten; wohl auch deshalb, weil die etablierte Geschichtswissenschaft und Anthropologie noch immer lehrt, eine kulturell höher stehende Zivilisation im Laufe der Menschheitsgeschichte sei allenfalls 5000 bis 8000 Jahre alt. Abgesehen von den kulturell hochstehenden Stadtkulturen des mittleren Orients setzte nach dieser dogmatisch verbreiteten Lehre eine kulturelle Entwicklung Mittel- und Nordeuropas erst zur sogenannten Zeitenwende um Christi Geburt ein; bedeutende Stadtgründungen wie die von Köln, Trier oder Basel werden in diese römisch-imperiale Zeit datiert, alle anderen Städte Mitteleuropas sind danach jüngeren Datums. In einem solchen Weltbild war bisher kein Raum für die Vorstellung, die Völker und Stämme Nord- und Mitteleuropas als die viel älteren Träger einer hochentwickelten Kultur mit einer kosmisch-harmonischen Weltordnung anzusehen, die mit römisch-imperialer Zivilisation nur wenig gemeinsam hat.
Die geomantischen Siedlungsspuren Jahrtausende alter Megalithkulturen und ihrer genialen, bisher so wenig verstandenen Erbauer sind überall in Europa und wohl auf dem ganzen Erdenrund zu finden: Auf der fernen Osterinsel ebenso wie in Stonehenge, Malta oder im südlichen Schwarzwald mit dem Belchensystem und in der zentraleuropäischen Mysterienstätte der Externsteine wie in der vielschichtigen Geomantie der Oberrheinebene; sie alle bezeugen noch heute ihre Existenz und erinnern an ein archaisches Wissen um kosmische und irdische Gesetzmäßigkeiten, das mit den sogenannten Sonnen- und Jupitermysterien des untergegangenen Atlantis und seiner weit zurückreichenden Menschheitsepoche der Atlantiden versunken ist und nur noch schemenhaft herüberwirkt in eine tiefgreifend gewandelte, hochtechnisierte und damit auch extrem gefährdete Menschheit, die sich nur noch vage ihrer geistigen Herkunft erinnert. Damit wird deutlich, daß eine Beschäftigung mit der Geomantie nicht wissenschaftlicher Selbstzweck sein kann - sie hat einen lebensnahen Auftrag an uns alle: Sie zeigt uns die "heilige Geschichte der Menschheit" (Nigel Pennick) ebenso eindringlich wie die unumstößlichen Gesetzmäßigkeiten der "Heiligen Mutter Erde" (John Michell), die es zu ehren und einzuhalten gilt, wollen der einzelne und die gesamte Menschheit sich nicht der Gefahr aussetzen, wurzellos ein sinnentleertes Dasein zu führen, das nur noch zur Entfremdung seiner selbst und zur Zerstörung seiner Umwelt führen kann.