Linien in der Landschaft

Das Ley-Phänomen - Eine Spurensuche unter dem Himmel von Wessex

von Johannes Heimrath , Lara Mallien erschienen in Hagia Chora 2/1999

Kaum ein anderer Begriff aus der modernen Geomantie sorgt für mehr Verwirrung und wird divergenter verstanden als die Ley-Linie. Ursprünglich als Bezeichnung für die geradlinige Verbindung historischer Plätze und Bauten geprägt, wird der Ley heute mit den unterschiedlichsten esoterischen Konzepten beladen.
Johannes Heimrath widmet sich dem Ley-Phänomen seit einem Vierteljahrhundert. Seit zehn Jahren untersucht Lara Mallien gemeinsam mit ihm auf jährlichen Studienreisen die energetischen Erscheinungen an Plätzen, die ein Ley-System bilden, insbesondere Auswirkungen auf das Pflanzenwachstum und die veränderten Bewußtseinszustände, die sich an solchen Orten einstellen.

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Beinahe in jedem Text, der sich mit der Geomantie von Landschaften auseinandersetzt, kommt irgendwo der Begriff Ley vor, und jeder versteht darunter etwas anderes. Der kleinste gemeinsame Nenner scheint zu sein, daß es sich bei einer Leyline um eine lineare Struktur in der Landschaft handelt, die mindestens drei markante Orte so verbindet, daß man auf einer Landkarte eine Gerade exakt durch diese Punkte zeichnen kann. Es existiert jedoch keine allgemeingültige Definition, wie eine solche Linie zustandekommt und welchem Zweck sie dient. Der Begriff selbst wurde in den 20er Jahren von dem englischen Geschäftsmann Alfred Watkins geprägt, der im Alter von 66 Jahren in visionärer Schau sogenannte Alignments (= geradlinig ausgerichtete Elemente) in seiner Heimatlandschaft Hereford entdeckt hatte: Alte Feldgrenzen, Straßen, Hohlwege, Kirchen, Brunnen, stehende Steine, prähistorische Erdwerke oder prominente Hügel schienen ihm wie auf Knotenpunkten eines unsichtbaren Netzes planmäßig im Land angelegt. Die schnurgerade Ausrichtung mancher Stationen eines solchen "Netzfadens" war so präzise, daß sich über viele Kilometer, über Hügel und Bäche hinweg, kein Meter Abweichung feststellen ließ.

Die Ley-Theorie von Alfred Watkins
Watkins war nicht der erste, der dem Phänomen linearer Landschaftsstrukturen nachging. Seine Studien, die er 1925 in dem Buch "The Old Straight Track" zusammenfaßte, wiesen ihn jedoch als den konsequentesten Forscher aus. Die Bezeichnung "Ley" wählte er, da viele Namen von Orten, die er auf den Visierlinien fand, diese aus dem Sächischen stammende Silbe enthalten (z.B. Coxley), was etwa "gerodetes Land" oder "Wiese" bedeutet und das keltische Wort Llan ("heiliger Hain") zur Wurzel hat. Watkins hielt die Leys für alte Handelswege, die der Einfachheit halber in schnurgeraden Linien über das Land hinweg angelegt wurden. Er wies tatsächlich nach, daß einige alte Handelsstraßen streckenweise auf Leylines verlaufen. Auch meinte er, daß früher über die gerade Linien mit Leuchtfeuern über weite Entfernungen hinweg kommuniziert worden sei - für einen weitgereisten Geschäftsmann wie Watkins eine naheliegende Schlußfolgerung.
Watkins’ Buch war zu seiner Zeit umstritten; besonders von Archäologen wurde die Theorie zurückgewiesen, denn sie paßte nicht in deren Lehrmeinung, unsere "primitiven" Vorfahren seinen nicht zu solchen baulichen Leistungen in der Lage gewesen. Andere jedoch, vor allem privatisierende Hobbyforscher und pensionierte Militärs, nahmen Watkins’ Ley-Theorie begeistert auf und gründeten den Straight Track Postal Portfolio Club. Bald stapfte eine eifrige Schar von "Ley-Jägern" mit Karte und Stift durch die Landschaft und widmete sich der minutiösen Aufzeichnung aller möglichen Leys. Watkins hatte für das Leyhunting besondere Regeln definiert. So hatte er beispielsweise festgelegt, daß mindestens vier geographisch auffallende Punkte oder Bauwerke exakt auf einer Linie liegen müssen und beide Enden der Linie jeweils einen markanten Hügel aufzuweisen haben.
Der 2. Weltkrieg bereitete dem organisierten Leyhunting ein Ende, und Watkins’ Konzepte verstaubten im Antiquariat. Erst in den 60er Jahren, mit Beginn des "psychedelischen Zeitalters", als die Beschäftigung mit übernatürlichen Phänomenen wie Ufos oder Earth Mysteries in England in Mode kam, erinnerte man sich auch wieder der Leylines. Als Nachfolger zum Straight Track Club entstand der Ley Hunter’s Club, der bald das Magazin The Ley Hunter herausgab, das sich mit verschiedensten Themen aus dem Bereich rätselhafter Erscheinungen bestimmter Orte und Landschaften auseinandersetzte. Die Leyline-Diskussion besitzt somit in England eine wesentlich längere Tradition als in Deutschland, nicht zuletzt, weil man vor allem in Südengland, dem alten Königreich Wessex, förmlich über Leylines stolpert. Einige wenige Geomantie-Pioniere in Deutschland haben dieses Phänomen damals zwar in ihr Weltbild aufgenommen, es hat jedoch nie eine Diskussion auf breiterer Basis stattgefunden.
Die Ley-Hunter-Szene in den 60er und 70er Jahren betrachtete die Leylines keineswegs mehr als "Old Tracks", wie Watkins sie gedeutet hatte. Unter dem Einfluß des New Age, das eine starke Mystifizierung vor allem frühgeschichtlicher Orte mit sich brachte und oft ohne Rücksicht auf archäologische Fakten esoterische Vermutungen zu Tatsachen machte, wandelten sich die Leylines zu "Energielinien", die nun auch mit Rute und Pendel aufgespürt werden konnten. Die chinesische Heilmethode der Akupunktur wurde im Westen hoffähig, und so formte sich auch angesichts der Leylines das Bild der Erde als lebendiger Organismus, dessen Lebensenergie in Bahnen analog der Meridiane des menschlichen Körpers fließt. Je mehr der Kosmos als spirituelle Qualität in den Zeitgeist rückte, um so mehr wurden auch die Leylines zu Kanälen, durch welche die kosmischen Kräfte in die Erde einströmen. Bis heute folgt die Interpretation der Linien Alfred Watkins’ jedem esoterischen Trend. Die Tatsache, daß es solche Visierlinien überhaupt gibt, ist aufgrund des Augenscheins unbestreitbar. Eine allgemein befriedigende Erklärung fehlt bis heute.

Die Forschungen von Paul Devereux
Ein Mann, der sich gründlich an die Erforschung der Tatsachen machte, um eine Erklärung für das Ley-Phänomen zu finden, war Paul Devereux, der als Herausgeber des Ley-Hunter-Magazins in den späten 70er Jahren das Dragon Project initiierte. Paul wollte wissen, ob hinter dem Mythos von den Erdenergien ein reales Phänomen steckt, dessen Funktion und Wirkung sich irgendwie objektivieren ließen. Die Dokumentation des Dragon Projects ist eine faszinierende Studie zur Relativität von Wahrnehmung. Nachdem Paul schließlich feststellen mußte, daß Rutengänger auch lediglich gedachte Objekte, die mit Hilfe von Gedankenkraft auf die grüne Wiese "projiziert" worden waren, genauso wie angeblich "reale" Energielinien wahrnehmen konnten, beendete er das Projekt mit der frustrierenden Erkenntnis, daß er eine schwarze Fläche erhalten würde, wenn er alle Linien, die Rutengänger ihm beschrieben hatten, in eine Karte einzeichnen würde. Jeder ver-"mutete" überall irgendwelche linearen Systeme.
Paul fand statt dessen eine Antwort auf das Ley-Phänomen in den noch bestehenden schamanischen Traditionen auf der ganzen Welt. In Australien, Nord- und Südamerika, Sibirien, Lappland, überall, wo noch entsprechende Kulturen lebendig sind, fand er die gleiche Aussage: Geister reisen nur auf schnurgeraden Linien. Schamanen fliegen in Trance auf diesen Pfaden, um mit der geistigen Welt zu kommunizieren. Wird eine solche Spirit Line auch in der Landschaft manifestiert, erleichtert dies den Dialog zwischen den Sphären. Die unsichtbare Dimension der Landschaft durchdringt die irdische Welt.
"Geisterwege" oder "Totenwege" gibt es auch in der europäischen Tradition, z.B. die holländischen "Dodwegen", schnurgerade Wege zwischen Kirche und Friedhof, auf denen der örtlichen Folklore nach die Geister der Verstorbenen reisen. Es liegt nahe, den Ursprung der Leylines in einer umfassenden Wahrnehmung der geistigen Dimension der Landschaft zu sehen, so wie sie der Schamane bei seinem Flug erfährt. Paul Devereux hat eindrucksvolle Belege für die Existenz der Spirit Lines zusammengetragen. Seit Anfang der 90er Jahre sorgt er in der internationalen Geomantieszene für erheblichen Wirbel, da er sich vehement gegen die Existenz irgendwelcher Erdenergien im Zusammenhang mit Leylines ausspricht. Seine Erkenntnisse werden von vielen Fachleuten als unbequeme Störung liebgewonnener Ideologien ignoriert, statt als wertvolle Ergänzung aufgefaßt zu werden.

Sind energetische Wahrnehmungen mit Leys verknüpft?
Unserer eigenen Wahrnehmung nach ist an markanten Stationen einer Leyline sehr wohl eine spezifische Energie zu spüren, die nicht nur auf den menschlichen Organismus einwirkt, sondern sich häufig auch deutlich in spezifisch im Wachstum gestörten Pflanzen ausdrückt. Wir finden immer wieder Zonen (von 10 bis 100 m Breite) hoher psychobiologischer Anregung, verglichen mit dem Potential im übrigen Gelände. Wenn man entsprechend sensibilisiert quer durch ein solches "Energieband" geht, scheint die Polarisierung des Körperfelds ständig zu wechseln, was sich selbstverständlich durch ein radiästhetisches Instrument sichtbar machen läßt. Diese "Kraft" (?) folgt jedoch keineswegs sklavisch der schnurgeraden Visierlinie des Leys. Sie scheint sich vielmehr harmonisch den Landschaftsformen anzupassen. Wir haben bisher keinen schlüssigen Beweis, daß sich diese "Energiebänder" ("Geomantische Zonen"?) tatsächlich entlang der Leys durch das ganze Land winden. Hier eine eindeutige Antwort zu finden ist vermutlich ebenso unmöglich, wie den "Fluß" der Lebensenergie zwischen zwei Akupunkturpunkten auf einem Körpermeridian Millimeter für Millimeter nachzuweisen. Unserer Beobachtung nach handelt es sich bei den linearen Landschaftsstrukturen um ein komplexes Phänomen, zu dem optische, architektonische, historische, geologische, mikroklimatische, psychobiologische und psychosoziale (auch kosmische (?)) Faktoren der jeweils durch den Ley verbundenen Orte beitragen. Für den Menschen wahrnehmbar bleibt ein Potential, das weit mehr Information enthält, als mit dem artikulierenden Verstand zu analysieren ist, das aber über die Gefühlsebene den Eindruck eines spezifischen "Charakters" jedes einzelnen Ley-Systems ins Bewußtsein hebt.

Untersuchungen am Salisbury-Ley
Wir reisen seit vielen Jahren zu den steinzeitlichen Heiligtümern in Südengland. In den Grafschaften Somerset, Dorset, Hampshire und Wiltshire befindet sich eine ungewöhnlich hohe Anzahl von prähistorischen Monumenten, die im Vergleich zu anderen Regionen Europas relativ wenig zerstört worden sind. Eines der berühmtesten Bauwerke dieser Epoche, Stonehenge, ist jedem ein Begriff. Weniger bekannt ist, daß Stonehenge zu einem der prominentesten englischen Leys gehört, dem Salisbury-Ley.
An diesem Ley-System haben wir über mehrere Jahre hinweg intensive Untersuchungen vorgenommen. Im Sommer 1996 widmeten wir uns zusammen mit unserem Freund Peter Strauss, den wir als ausgezeichneten Rutengänger schätzen, und einem Team weiterer geomantisch interessierter Freundinnen und Freunde eine ganze Woche lang einem spezifischen Aspekt des Salisbury-Leys: Wir wollten einen Blick zurück in die Geschichte dieser Leyline wagen und stellten uns die Frage, weshalb Menschen hier vor einigen tausend Jahren so gewaltige Bauwerke auf dieser rund 30 Kilometer langen, schnurgeraden Visierlinie errichtet haben.

Eichung auf ein gemeinsames Bezugssystem
Zunächst versuchten wir, uns auf eine gemeinsame Sprache zu einigen. Peter verwendet die Lecherantenne und diverse Grifflängen-Ruten nach Reinhard Schneider. Wir selbst "sehen" die Strukturen in der Landschaft bzw. beobachten die Veränderungen im Körpergefühl und verwenden zur Verstärkung hin und wieder einfache Winkelruten. Wir waren uns einig, daß wir uns einem unbekannten Etwas annähern würden, einem holografischen Objekt, das aus jedem Blickwinkel eine andere Perspektive zeigt. So gingen wir entspannt, aber gut fokussiert an die Aufgabe heran und ließen jede mögliche Hypothese zu. Wir einigten uns schließlich darauf, die astrologischen Symbole für die Planeten zu verwenden, um die Qualität eines Ortes zu beschreiben oder zu messen. Dieses Bezugssystem war einerseits allen vertraut, in dieser Anwendung jedoch gleich neu. Ebensogut hätten wir Intervalle, Farben oder Düfte als Kommunikationsbasis wählen können.
Unserem Eindruck zufolge "entspringt" der Ley im Frankenbury-Camp südlich von Salisbury. Stonehenge bildet als "Kopf" den Endpunkt des Systems. Die unscheinbare Wallanlage Frankenbury ist dicht mit Bäumen und Gestrüpp überwuchert - zwieselnde Buchen, Eichen mit Hexenbesen, Haselnußsträucher, Stechpalmen, Farne und vor allem überall Efeu deuten auf eine hoch angeregte Zone hin. Auf einer Lichtung strecken einige Haselnüsse alle ihre Äste spiralförmig zu einen bestimmten Punkt hin. Sie wachsen meterweit am Boden entlang, und winden sich dann in diese Mitte hinein. Peters Untersuchung schloß unterirdisches Wasser als Ursache aus. Dennoch drängt sich durch eine Reihe weiterer Haselnußdome der Eindruck eines "Quellgebiets" förmlich auf. Von einer bestimmten Entfernung vom Quellbereich an scheint Struktur in das verwirbelte Kraftfeld zu kommen. Wir fanden eine rund fünf Meter breite Zone von sehr hoher Intensität, in der wir zum ersten Mal die Intensität der einzelnen Planetenqualitäten abfragten. Die einzelnen Meßwerte sind hier nicht wesentlich, aber die Proportionen sind interessant: Die Sonne stellt den wichtigsten Aspekt dar, dicht gefolgt von Venus und Mond. Jupiter und Mars spielen nur eine untergeordnete Rolle, Merkur, Saturn und die entfernten Planeten halten sich ganz im Hintergrund.
Am nächsten "Schwingungsknoten" des Leys, dem Clearbury Ring, nahmen wir im äußeren Graben wieder die lebendig pulsierende, "kindliche" Energie aus Frankenbury auf. An einem bestimmten Punkt auf dem Wall schlägt die Qualität jedoch fast dramatisch um: Ein neuer, Yang-dominierter Impuls, dunkel, schwer, mächtig, wälzt sich wie ein grauer Nebel heran und scheint die Frankenbury-Energie vollständig zu überlagern. Wir meinen, daß dieses Potential durch eine Reihe linearer Grabensysteme im Umland, die der Sage nach von Riesen in die Landschaft geschürft wurden (Grim’s ditch), auf Clearbury zugeleitet wird. Die beiden Kräfte prallen aufeinander, verwirbeln sich und teilen sich in zwei neue Stränge. Einer läuft den Wall entlang, der im Bereich der "Energieweiche" interessanterweise ein Stück geradeaus führt, in Richtung Salisbury, d.h. in Richtung des Leys. Der zweite biegt spitzwinkelig ins Zentrum der Wallanlage ab.
Die Untersuchung der beiden neuen Energiestränge brachte ein erstaunliches Ergebnis: Im Strang Richtung Salisbury sind Mond und Venus zugunsten von Jupiter und Mars zurückgedrängt! Der weibliche Aspekt der geomantischen Kraft, insbesondere die Venus, wurde offenbar abgespalten. Nur die Sonne blieb in beiden Strängen der stärkste Aspekt.
In Clearbury hält es niemand besonders lange aus. Der Ort besitzt eine geradezu gewalttätige Ausstrahlung, als seien natürliche, frei fließende Kräfte hier auf unangemessene Art und Weise bezwungen worden. An diesem Punkt wagten wir eine erste Auswertung unserer Messungen: Jupiter und Mars, Wachstum und gerichtete Kraft, sind Qualitäten, die ein Herrschersitz benötigt, und diese Kräfte wurden hier bewußt (?) aus dem Gesamtklang des Leys hervormoduliert.
Die nächste frühgeschichtliche Station auf dem Ley ist die riesige Wallanlage von Old Sarum, in der sich von der Steinzeit bis ins Mittelalter eine Siedlung bzw. Stadt befand, die mindestens seit der keltischen Epoche eine hohe politische Bedeutung hatte. Direkt vor dem ehemaligen Eingangstor kreuzen sich mehrere Römerstraßen. Wilhelm der Eroberer errichtete hier eine seiner ersten und wichtigsten Festungen. Wer Old Sarum besaß, hatte die Macht über das umliegende Land. Obwohl die neue Stadt Salisbury im 13. Jahrhundert aus der Wallanlage ins Tal verlegt wurde, behielt die ursprüngliche Siedlung Sarum bis Anfang dieses Jahrhunderts einen eigenen Sitz im Parlament! Dies dokumentiert der Parliament Stone, ein Gedenkstein, der ebenfalls exakt auf dem Ley zwischen der Kathedrale und Old Sarum steht. In Old Sarum fanden wir das Spektrum aus Clearbury wieder: Mars und besonders Jupiter waren nach wie vor hoch aktiviert.

Die energetische "Umleitung"
Was geschieht nun mit dem weiblichen Aspekt, dem Venus-betonten Energiestrang, der in Clearbury abgespalten wird? Wir haben noch in keinem Ley-Hunter’s-Guide die besondere Beziehung des Figsbury-Rings zum Salisbury-Ley dokumentiert gefunden. Verbindet man nämlich Clearbury, Figsbury und Stonehenge, ergibt sich ein gleichschenkliges Dreieck. Die Mittelsenkrechte trifft die Hypotenuse exakt in Old Sarum, und zwar in der Gegend der Grundmauern der alten romanischen Kathedrale. Unserer Überzeugung nach liegt dieser Struktur eine bemerkenswerte energetische Absicht zugrunde: Der in Clearbury abgelenkte "Seitenzweig" des Ley-Potentials begegnet hier einem Impuls, der aus Stonehenge, vom Endpunkt des Leys, zurückstrahlt. Angestoßen durch einen dritten Impuls aus dem Hinterland von Figsbury entsteht erneut ein Wirbel, der eine intensive Resonanz zu Old Sarum aufbaut. Der Yin-Aspekt des Leys, der in Figsbury auf eine neue Ebene (höhere Frequenz?) transformiert wird, zielt genau auf das Heiligtum von Old Sarum, den Ort der alten Kathedrale. In der ehemaligen Krypta kreuzen sich zwei tiefliegende, rechtsdrehende Wasseradern, so daß ein Kraftpunkt hoher Intensität zu orten ist, an dem wir bereits mehrmals Zeugen erstaunlicher Heilungserlebnisse werden durften. Die Krypta wirkt als heilsamer Gegenpol zu dem klirrenden Macht-Aspekt von Old Sarum, der sich in der Mitte der Anlage in der Normannenburg manifestiert. Die Energie der Krypta gibt Old Sarum heute einen versöhnlichen Klang, es ist kein Ort mehr für Tyrannen. Viele visualisieren hier das Bild eines hohen Rates, der unterschiedlichste politische und spirituelle Interessen in Einklang bringen kann.
Außerhalb der Wälle von Old Sarum in Richtung Stonehenge fanden wir das energetische Spektrum vom Ursprung des Leys wieder: Jupiter und Mars besaßen wieder ihr ursprüngliches Potential, sie wurden offenbar jetzt nicht mehr benötigt.
Old Sarum ist sicherlich der zentrale und politisch wichtigste Ort auf dem Salisbury-Ley. Das geistige Zentrum Stonehenge hebt jedoch die gesamte historische Kult- und Kulturlandschaft der Salisbury Plains in eine weitere Dimension hinein. In Stonehenge selbst beschäftigten wir uns zunächst mit der nach Figsbury gerichteten Energie. Es wirkt, als würde jeder mentale Impuls, der von hier nach Figsbury geschickt wird, unmittelbar Old Sarum beeinflussen. Wir erkannten die gegenseitige Abhängigkeit der verschiedenen Orte als einen stabil sich selbst regulierenden Schwingkreis, der noch heute "funktioniert".

Der Sonnentempel Stonehenge
Stonehenge - Kultstätte und Kraftplatz, frühe Universität, Empfangs- oder Sendestation irdisch-kosmischer Kommunikation und vieles mehr - ist und bleibt ein erstaunlicher Ort. Zum Abschluß wollten wir unabhängig voneinander eine letzte Messung im Innersten des Steinkreises vornehmen. Als kleinen Kontrollmechanismus teilten wir unsere jeweiligen intuitiven Eindrücke vorher denjenigen mit, die an dem Experiment nicht teilnahmen. Trotz unserer Vorbehalte vor einer kollektiven Projektion überraschte uns das übereinstimmende Ergebnis: Als einzige Qualität war die Sonne übrig geblieben.
"Der Apollotempel der Hyperboräer", zitierte Peter den römischen Geschichtsschreiber Diodorus Siculus, und wir vertieften uns in Deutungen des solaren Aspekts des Ortes. Nach einiger Zeit mischte sich in unsere Hochstimmung eine eigenartige Trauer. Vor unserem inneren Auge sahen wir das bunte, pulsierende Strömen der Lebenskraft, wie sie die Erde am Frankenbury Camp zutage treten läßt. Stonehenge schien plötzlich kalt und isoliert, ein technokratisches Werk. Wie fremd muß der Mensch der Erde sein, daß er soviel Energie in die Errichtung solcher Machtbauten steckt, die über Jahrtausende hinweg die Naturkräfte manipulieren und in versteinertem Größenwahn zur Kristallisation bringen!
Wir erinnerten uns, daß die letzte Bauphase von Stonehenge in der beginnenden Eisenzeit stattfand, als die matrilineare Nachbarschaftsgesellschaft des Neolithikums bereits weitgehend von einer "modernen" Eroberungsgesellschaft überlagert worden war.
Der Salisbury-Ley ist für uns ein Paradebeispiel für den historischen Sieg des Zwecks über das Sein, der in unsere fortschrittsfixierte (Un-)Zivilisation führte. Die Selbstregulierung eines Ley-Systems, die Möglichkeit, damit eine dichte energetische Kommunikation zwischen Orten und Menschen einer Region zu etablieren, muß jedoch nicht zwangsläufig zum Machtmißbrauch führen. Wir kennen eine Reihe älterer Orte und Leys, an denen der Aspekt der Manipulation weniger im Vordergrund zu stehen scheint, die bloß das Potential der Erdkräfte in eine Frequenz zu transformieren scheinen, mit welcher der Mensch in harmonische Resonanz treten kann. Beispiele sind Badbury in Dorset, der Cley Hill oder die Cuil Irra in Irland. Solche Plätze erscheinen weniger einem unbedingten "Wollen" unterworfen zu sein. Sie strahlen vielmehr in reinen Farben ihre heilende, friedvolle Energie in das Land hinein. Wenn man Alfred Watkins’ Beschreibung seiner ursprünglichen Vision des Netzes aus Ley-Linien glauben darf, so war es wohl letzterer Aspekt, der ihn damals ergriffen hat.

Johannes Heimrath und Lara Mallien führen ihre Feldstudien 2001 in einer Seminarreise weiter fort: http://www.dolmentours.de/index.html?termine.html#Anchor-Geomantische-11671